Ein nachdenklicher Sonntag

Ein wenig merkwürdig war der heutige Tag. Er war schön, ich war mal so richtig faul und habe im Grunde wirklich nichts Produktives getan. Ich habe viel gestrickt und viel gelesen.

Ich habe aber auch viel nachgedacht. Am Vormittag habe ich einige Unterhaltungen auf Twitter anlässlich des Remembrance Days im UK geführt: Die Unterschiede, die in Bezug auf das Gedenken an die gefallenen Soldaten zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland bestehen, die wohl begründet sind in der unterschiedlichen Geschichte der beiden Länder, der unterschiedlichen Rollen, die sie in den beiden Weltkriegen innegehabt haben.

Viele Briten posteten Fotos von ihren Vätern und Großvätern, die im Krieg gekämpft haben oder sogar gefallen sind. Und so oft habe ich gelesen: „I’m proud of him.“ (Ich bin stolz auf ihn). Und ich habe mich gefragt, ob die Deutschen das auch sagen. Ob sie das überhaupt sagen können. Dürfen. Habe das thematisiert in „Gesprächen“ mit britischen, australischen, niederländischen Twitter-„Bekanntschaften“.

Am Nachmittag kam mir dann ein anderes Gedenken in den Sinn: Denn der 10. November ist auch der Todestag von Robert Enke. Einige Posts habe ich auch dazu entdeckt, auf Twitter und viel mehr noch auf Tumblr. Und ich habe mich gefragt, was sich geändert hat seit diesem Tag vor vier Jahren. Ob sich etwas geändert hat.

Vielerorts war damals zu hören: Der Fußball muss fairer werden. Muss menschlicher werden.
Einige Fälle gab es seitdem, in denen sich Fußball-Profis (Andreas Biermann) oder Fußball-Trainer (Ralf Rangnick) öffentlich zu ihren Depressionen standen.
Das ist sicherlich als Fortschritt zu melden.

Wenn man das Ganze aber mal ein wenig weiterfasst, dann meine ich, dass es mit der Fairness und der Menschlichkeit im Fußball noch nicht viel weiter vorangekommen ist.
Ein Schiedsrichter, der sich umbringen wollte, weil er mit dem Druck, der auf ihm lastete, nicht mehr klargekommen ist (Babak Rafati).
Immer wieder Fan-Randale, bei denen völlig Unbeteiligte, andere Zuschauer oder sogar die gegnerischen und eigenen Fußballer in Gefahr gebracht werden (so geschehen erst vor kurzem beim Derby von Schalke gegen Dortmund oder beim Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96).

„Fans“, die Fußball-Spieler auf übelste Art und Weise beschimpfen: Beispiele dafür sind Mario Götze, nachdem sein Wechsel zum FC Bayern München bekannt wurde. Julian Draxler, der nach einer eher schwachen Leistung im Derby nicht nur viel unfaire Kritik und Beschimpfungen von Fans erntete, sondern der diesen Ablauf offensichtlich schon so sehr verinnerlicht hat, dass er auf seiner Facebook-Seite geradezu dazu aufforderte, auf ihn „draufzuhauen“.

Und mindestens ein schwuler Fußball-Spieler, der sich nicht outet, sich nicht zu outen traut aufgrund der Mentalität in unserer Gesellschaft und insbesondere im Fußball.

All das zusammen hat mich dann doch recht nachdenklich gemacht am gestrigen Sonntag. Das alles sind keine neuen Erkenntnisse, beileibe nicht. Aber auch wenn es ein „alter Hut“ ist, so muss es doch von Zeit zu Zeit wieder aufgewärmt werden. Nur so kann hoffentlich irgendwann eine Veränderung eintreten, durch das ständige Erinnern und Bewusstmachen vergangener und heutiger Situationen, die es in der Zukunft zu ändern und zu verhindern gilt.

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