#Joginochwas: Meine Meinung

Es gab mal Zeiten, da mochte ich Löw. Da fand ich seine Entscheidungen richtig und wichtig (z.B. sein Festhalten an Lukas Podolski, obwohl der überall in der Kritik stand), da war er mir als Mensch sehr sympathisch.

Mittlerweile hat sich mein Bild von ihm doch sehr gewandelt. Und das hat er in ziemlich kurzer Zeit und ganz alleine hinbekommen.

Ich will jetzt nicht das leidige und altbekannte Thema der ungleichen Repräsentation der 16 Bundesliga-Mannschaften bzw. der Überrepräsentation der Bayern in der Nationalmannschaft aufgreifen. Ich will hier jetzt auch nicht bemängeln, dass die Dortmunder erst regelmäßig nominiert wurden, als es für Löw keinen Weg mehr gab, dies zu umgehen (siehe auch jetzt am Fall Weidenfeller).

Was mich mitunter und jetzt gerade ganz aktuell an Löws Verstand zweifeln lässt, ist das Ungleichgewicht, das zwischen den Bayern- und den Dortmund-Spielern in der Nationalmannschaft herrscht – und das von Löw gefördert wird. Es äußert sich in diversen Facetten und mittlerweile immer deutlicher, sodass auch Unbeteiligte, die grundsätzlich mit keinem der beiden Vereine sympathisieren, aufmerksam werden.

Darf ein Trainer einzelne Spieler seiner Mannschaft öffentlich an den Pranger stellen, sie in der Öffentlichkeit kritisieren? Diese Frage werden wohl die meisten mit Nein beantworten. Löw hat es getan. Zweimal in der jüngsten Zeit. Zweimal richtete sich seine Kritik an einen Dortmunder. Zunächst traf es Marcel Schmelzer, beim zweiten Mal Mats Hummels. Zumindest im Falle Hummels auch inhaltlich nicht korrekt (eine schlechte Abwehrleistung insgesamt kann nicht an einem einzelnen Innenverteidiger festgemacht werden), reagierte dieser und sagte in einem Interview, dass (interne) Kritik beim DFB wohl nicht so gut ankäme. Löw erwiderte daraufhin, es sei sein gutes Recht, seine Spieler auch in der Öffentlichkeit zu kritisieren.

Ich meine: Nein, ist es nicht. Schon gar nicht, wenn die Kritik so ungerecht verteilt wird.

Diskussionsbedarf gibt es meiner Meinung nach auch bei den Aufstellungen, die Löw für das Italien-Spiel am vergangenen Freitag und das Spiel gegen England morgen gewählt hat. Gegen Italien durften sechs Bayern von Anfang an ran. Als einziger Dortmunder stand Hummels in der Startelf, während Reus und Bender nur von der Bank kommen durften, Schmelzer und Weidenfeller gar nicht berücksichtigt wurden.

Das Liga-Spiel am Samstag zwischen den Bayern und Dortmund sei für Löw „gar kein Thema“. Sagt er. Nur fällt es einem ein wenig schwer, ihm das auch zu glauben, wenn man erfährt, dass der Kapitän und Torhüter der Bayern bereits wieder abgereist sind, im Spiel gegen England geschont werden und stattdessen voraussichtlich Weidenfeller, Reus, Schmelzer und eventuell Bender von Anfang an, Hummels 45 Minuten spielen werden.

Im Vorfeld war vom Dortmunder Geschäftsführer darum gebeten worden, die Spieler beider Vereine, eben im Hinblick auf das Top-Spiel, möglichst gleich zu behandeln. Und natürlich würde Löw nie zugeben, dass er genau das eben nicht tut. „Alle Spieler wollen immer spielen“, sagt er, und es dürfe den voll austrainierten, jungen Spielern nichts ausmachen, am Dienstag und dann wieder am Samstag zu spielen. Eine ungleiche Belastung bleibt es dennoch.

Sehr aufschlussreich finde ich persönlich Marcel Schmelzers Äußerung zu dem Thema in der WAZ: „‘Es geht darum, ob man die Pause am Freitag hat oder am Dienstag‘, verdeutlicht Schmelzer. Macht das einen großen Unterschied? ‚Ich glaube, die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Aber von uns Spielern wird es keine Diskussion geben.‘“
Natürlich wird da keiner öffentlich etwas dazu sagen – denn sonst kann er sich die Nationalmannschafts-Karriere wohl gleich abschminken.

Was sonst gibt es zum #Joginochwas zu sagen? Ach ja, da war ja was.
Auf der heutigen Pressekonferenz vor dem Testspiel gegen England äußerte Löw folgenden Satz: „Dortmund […] ist ja auch geprägt von Lewandowskis und Sahins und von Micky-nochwas, wie sie alle auch heißen.“ (Über die Tatsache, dass er auch Sahin falsch ausgesprochen hat, sehe ich jetzt mal hinweg): Ja, Mkhitaryan ist Armenier, ja, sein Name ist schwer auszusprechen – aber respektloser geht es wohl nicht mehr, als ihn „Micky-nochwas“ zu nennen. Was könnte von größerer Ignoranz zeugen, was deutlicher zur Schau stellen, wie wenig wichtig der BVB für den Bundestrainer ist, als die Tatsache, dass er den Namen des Dortmunder Spielmachers nicht kennt?

(Mal abgesehen davon, dass Hummels, Schmelzer, Reus, etc. als deutsche Nationalspieler bestimmt begeistert sind, in dieser Löws Liste der das Dortmunder Spiel prägenden Spieler NICHT aufzutauchen).

Zu Löw fällt mir mittlerweile nicht mehr viel ein. Auf mich wirkt er nur noch arrogant, wenn er die Medien auffordert, aus der Bayern-Dortmund-Geschichte nicht so ein großes Thema zu machen, dabei auch das Wort populistisch verwendet.

Er wirkt, als stehe er über den Dingen.  Seine Worte und sein Auftreten machen klar: Ich bin der Bundestrainer. Ich mache, was ich für richtig halte und keiner hat mir etwas zu sagen.
Ich frage mich: Ist ein solcher Bundestrainer noch tragbar?

Abschließend:
Meine Horrorvision: Ein Dortmunder-Spieler verletzt sich morgen Abend in Wembley und der BVB verliert gegen den FC Bayern am Samstag im heimischen Stadion.
Meine Traumvision: Die Dortmunder zeigen Löw und den Engländern morgen Abend, wo der Hammer hängt, und fegen am Samstag die Bayern aus dem Stadion. Und Mkhitaryan sorgt mit einer grandiosen Leistung dafür, dass Löw seinen Namen nie wieder vergisst.

Und ich weiß, dass die Jungs das schaffen können.

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