Ein etwas anderes Interview

Gestern abend gab ZDF heute-journal ein Interview zu sehen, wie es nicht alle Tage vorkommt. Hauptakteure: Marietta Slomka und Sigmar Gabriel. Ich habe es eigentlich nur durch Zufall gesehen und danach interessiert die Reaktionen auf Twitter dazu verfolgt. Und die waren sehr gemischt.

Worum ging es? In dem Interview befragte Slomka Herrn Gabriel zu dem SPD-Mitgliederentscheid und den aktuellen Diskussionen über dessen mögliche Verfassungswidrigkeit. Zu dem Thema selbst will ich hier nichts sagen, da ich darüber zu wenig weiß.

Viel interessanter ist in diesem Fall aber ja auch das Interview und die Interviewführung.Herr Gabriel wirkte schon bei seiner ersten Antwort leicht genervt und überheblich. Nach einer Regionalkonferenz, wie er sie in Hessen gerade hinter sich gebracht hatte, vielleicht verständlich – dennoch keine Entschuldigung für die Art, wie er sich verhalten hat.

Das Interview verlief die ersten fünf Minuten in den üblichen Bahnen. Dann jedoch unterbrachen Gabriel und Slomka sich immer häufiger, fielen sich gegenseitig wieder und wieder in’s Wort. Gabriels zu Anfang jovial-überheblicher Tonfall wurde immer patziger, Slomka gab aber nicht nach.
Gabriel tat Slomkas Argumente (die de facto ja nicht ihre persönliche Meinung widerspiegeln) als „Blödsinn“ und „Quatsch“ ab. Höhepunkt war für mich seine Aussage, es sei ja nicht das erste Mal, dass sie (Slomka) versuche, Sozialdemokraten das Wort im Munde herumzudrehen.

Das gesamte Interview dauerte etwa siebeneinhalb Minuten. Für mich wirkte Frau Slomka eindeutig überlegen in der Hinsicht, dass sie sachlich in ihrer Wortwahl blieb, nachhakte und sich von Gabriels teils ausfallenden Antworten nicht einschüchtern ließ. Sigmar Gabriel hingegen wirkte auf mich höchst unprofessionell – genervt und in Folge dessen unfreundlich bis hin zu beleidigend. Seine Aussagen wirkten, als schriebe er die Argumente, die Frau Slomka vorbrachte, ihr persönlich zu und ihren Hinweis, dass dies eine von Experten in der Öffentlichkeit geführte Diskussion sei und sie ja nicht ihre eigene Meinung vertrete, ignorierte er bzw. konterte er damit, er kenne keinen einzigen Verfassungsrechtler, der das so sehe.

Die Meinungen auf Twitter gingen weit auseinander – folgende Beispiele exemplarisch:
Contra Slomka_1 Contra Slomka_2 Pro Slomka_1 Pro Slomka_2

Hier ein Video des Interviews:
http://www.youtube.com/watch?v=RHWETTBSFtQ#t=406

Für mich ein Beispiel einer guten Journalistin und eines höchst unprofessionellen Politikers – und gute Unterhaltung! ;-)

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