Busbegegnungen

Ich habe ja schon öfter über das Busfahren und die z.T. erstaunlichen Erlebnisse dabei geschrieben. Immer wieder spannend ist es auch, im Bus andere Leute zu beobachten. Manche sieht man nur einmal (und ist oft auch nicht böse drum), andere sieht man öfter, weil sie regelmäßig denselben Bus nehmen wie man selbst.

Im Sommer wurde ich beispielsweise öfter von einer älteren Dame angesprochen, die an derselben Bushaltestelle einstieg wie ich und mir schon beim Warten auf den Bus ihr halbes Leben erzählte.

Aber eine Frau, von der muss ich in diesem Zusammenhang jetzt einfach erzählen. Seit anderthalb Jahren sehe ich sie, oft mehrmals in der Woche. Nämlich immer dann, wenn ich morgens den Bus um 7.45 Uhr Richtung Stadt und Uni nehme. Immer dann steigt sie auch an ein, an derselben Haltestelle wie ich. Ich weiß nicht, ob ich ihr schon aufgefallen bin – sie ist mir jedenfalls gleich am Anfang in’s Auge gefallen.

Sie hat zunächst einmal immer dieselbe Frisur: Schwarze Haare, einen geraden Pony in die Stirn gekämmt und Zopf. Immer. Außerdem habe ich sie noch nicht ein einziges Mal (!) in einer Hose gesehen. Sie trägt immer (wenn ich sie sehe, und das war in einem Semester auch dreimal die Woche der Fall) ein Kleid, mit Strumpfhose, Stiefeln und einem Mantel. Und mit immer meine ich auch immer – ob im Sommer bei Hitze, bei Regen, Schnee oder Minustemperaturen.
Von Oktober bis Mai gehören außerdem Ohrenwärmer (solche, die so komisch über die Ohren gestülpt werden) und schwarze Lederhandschuhe zum Outfit.

Ich habe diese Frau noch nicht einmal etwas sagen hören, außer wenn sie ein neues Ticket beim Busfahrer kaufen muss. Sie steht mit einem Gesicht, als wäre jemand gestorben, an der Haltestelle und sitzt auch mit ebendiesem Gesicht im Bus. Kein „Guten Morgen“, weder zum Busfahrer noch sonst zu jemandem. Sie sitzt immer im Bus, obwohl sie nur 4 Haltestellen weit fährt. Hat jemand eine Tasche oder ähnliches auf einem ansonsten leeren Sitz neben sich liegen, stellt sie sich davor und guckt denjenigen nur an. Kein „Dürfte ich mich da hinsetzen?“ oder ähnliches.

Die Strecke, die sie mit dem Bus fährt, ist so kurz, dass sie, je nach Verkehrslage, mit dem Fahrrad an manchen Tagen schneller am Ziel wäre. Zu Fuß keine 10 Minuten, mit dem Rad keine 5 Minuten braucht man bis zu der Haltestelle, an der sie aussteigt.

Ich vermute, dass sie im Rathaus arbeitet. Das ist wirklich eine reine Vermutung, da ich noch nie gesehen habe, wo sie hingeht, wenn sie aus dem Bus aussteigt. Es könnte aber natürlich auch sein, dass sie Lehrerin an der Schule ist, die der Haltestelle direkt gegenüber liegt. Dann würden mir ihre Schüler allerdings sehr Leid tun. Vielleicht geht sie aber auch irgendwo ganz anders hin, das weiß ich natürlich nicht.

Diese Frau ist mir jedenfalls höchst suspekt. Und vor allem unglaublich unsympathisch, allein durch ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung. Andererseits ist sie aber auch ein willkommenes Beobachtungsobjekt, zumindest für die ersten paar Minuten meiner Fahrt zur Uni. ;-)

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2 Kommentare zu „Busbegegnungen

  1. Wäre doch mal ein Projekt die Frau zum Lächeln zu bringen. Es verzaubert Mitmenschen wenn man sich für sie interessiert. Such ihren Blick, lach und sag „ist doch komisch, dass wir uns jeden Tag sehen und nichts voneinander wissen“.
    Und dann erzähl, wie’s war.
    :)

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