Kommentare auf Facebook – Anonymität im Internet?

Immer wieder groß diskutiert wird ja das Verhalten im Internet, inbesondere auf sozialen Netzwerken wie Facebook, und damit verbunden die Anonymität, die dort angeblich herrsche. Diese Anonymität wird auch oft als Grund angeführt, wenn es darum geht, beleidigende Kommentare, menschenverachtendes oder herabwürdigendes Verhalten zu erklären.

Ich habe mir mal ein paar Facebook-Seiten von Fußballern angesehen, für die bzw. deren Verein es am Wochenende nicht so toll lief. Und was man da an Kommentaren von Facebook-Nutzern zu sehen bekommt, ist wirklich unter aller Kanone.

Geradezu amüsant finde ich die Argumentation, die ich mehr als einmal und auf verschiedenen Seiten gelesen habe, die Fußballer seien den Fans ein gutes Spiel schuldig, man habe so und so viel Geld ausgegeben und sei extra X Kilometer gefahren, um live im Stadion dabeisein zu können. Die Tochter, mit der man zum Spiel gegangen sei, sei hinterher total traurig gewesen oder man verbringe jeden Samstag 90 Minuten vor dem Fernseher, obwohl die Frau jedes Mal schimpfe, und kriege dann nur so etwas zu sehen. Man selbst strenge sich in seinem Job doch auch an und müsse tagtäglich kämpfen, um sich und seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen, da sei eine gute Leistung und ein großer Kampf 90 Minuten am Wochenende doch nicht zu viel verlangt.

Ja, das steht da tatsächlich vielfach so oder so ähnlich geschrieben. Das ist der erste Punkt, wo ich mich frage, ob es den Leuten, die so etwas schreiben, eigentlich noch gut geht oder ob sie nicht ein wenig den Bezug zur Realität verloren haben. Aber irgendwie bringen mich solche Kommentare zum Lachen und ich hoffe einfach, dass es den Spielern ebenso geht. (siehe hier für einen besonders „schönen“ Kommentar dieser Art).

Viel, viel kritischer allerdings finde ich Äußerungen, wie:

Man Nils Petersen,Euer Spiel ist schon desolat anzuschauen – das Gelaber hinterher von Euch,die Ihr dafür verantwortlich seid (insbesondere das Gelaber von Dutt),das ist wirklich nicht mehr zu ertragen…..

deine hohlen phrasen behalte diesmal für dich,du machst dich sonst lächerlich mittlerweile…

“ Laufen bis zum kotzen“, so stand es auf dem Werder-Magazin!!
Wenn dass, liebe Werder-Spieler „Laufen bis zum kotzen“ war, müsste ich mich jedesmalübergeben, wenn ich aufs Klo muss!!
Kein Kampf!!!
Kein Wille!!!
Keine Ehre!!!!
Zum größtem Teil verdient Ihr es nicht, das Trikot mit dem W zu tragen.

Du bist es nicht wert die Raute zu tragen ! Mein Rat geh in der nächsten Transferperiode freiwillig!

Wenn ihr nochmal so spielt wie heute gegen augsburg wirds ganz ganz ungemütlich für euch weil ihr es langsam aber sicher schafft die fans gegen euch zu bringen!!
Macht euch das mal klar und reißt euch euren verdammten arsch auf!!
Oder wir machen es so das IHR die karten die nächsten spiele zahlt wenn ihr fans wollt die sich eure scheiße da angucken. Ein leben lang grün weiß das weiß ich selbst. Aber das was ihr da heute wieder geboten habt das ist ja schon nicht mehr in irgendeiner weise gut zu reden. Mit was für einer einstellung geht ihr denn bitte in solche spiele. Jaaa heute spielen wir extra scheiße damit die fans umsonst die reise auf sich genommen haben?????

Ja, das sind jetzt alles keine Morddrohungen, wie es sie auch schonmal gab – aber ich habe noch gestern deutlich schlimmere Kommentare gelesen, ich vermute, die wurden bereits wieder entfernt.

Was ich mich frage: Ist es die angebliche Anonymität, die die Leute dazu bewegt, so etwas zu schreiben? Denn so anonym ist Facebook nicht – bei vielen Leuten konnte ich das komplette Profil einsehen, Posts, Daten, Fotos, etc.
Viel eher ist es wohl die Tatsache, dass es leicht fällt, jemanden zu beschimpfen, zu beleidigen, herabzuwürdigen, wenn dieser jemand nicht vor einem steht. Wenn man es gemütlich zuhause vor dem PC in ein Kommentarfeld tippen kann, anstatt es jemandem in’s Gesicht zu sagen. Wenn man sich der Tatsache weniger bewusst ist, dass da „am anderen Ende“ auch „nur“ ein Mensch steht, der ebenfalls Gefühle hat und für den die Situation nicht leicht ist.

Das Internet enthemmt, weil es die Kommunikation entpersonalisiert. Jedenfalls auf der Sender-Seite. Ohne jetzt Psychologin spielen zu wollen, würde ich aber mal annehmen, dass es auf Empfänger-Seite verdammt verletzend sein muss, solche Kommentare in wirklich geballter Zahl zu lesen. Dass es vielleicht noch verletzender ist, als wenn es einem in’s Gesicht gesagt wird.

Es hat mich wirklich ein wenig betroffen gemacht, das alles zu lesen. Ohne mich jetzt als Moralapostel aufspielen zu wollen, aber: Ist es so verkehrt, erst einmal darüber nachzudenken, ob die eigenen Forderungen, die eigenen Aussagen und deren Formulierung noch angemessen oder vielleicht doch schon zu überzogen sind? Gehöre ich zu einer Minderheit, die sich tatsächlich noch Gedanken um ihre Mitmenschen macht? Oder sollten wir nicht vielleicht alle darauf hinarbeiten, dass in der Gesellschaft für solche Einstellungen kein Platz mehr ist?

Das musste jetzt einfach mal gesagt werden.

PS: Ja, mir ist bewusst, dass das jetzt nicht nur „die armen Fußballer“ betrifft, sondern im Grunde genommen alle Menschen, die in irgendeiner Form in der Öffentlichkeit stehen – in diesem Fall fiel es mir aber eben im Bereich des Fußballs, mal wieder, extrem deutlich auf.

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