Worauf kann ich stolz sein – in Zeiten von Olympia?

Es war vor zwei Tagen abends. Ich stand unter der Dusche, dabei dudelte das Radio. In Sotchi gewannen zwei deutsche Rodlerinnen Gold und Silber. Und dann sagte der Moderator sinngemäß so etwas wie: Da können wir ja mal wieder stolz sein, x und y haben eben bei Olympia Gold und Silber geholt.

Er redete weiter, dann kam wieder Musik. Ich stieg aus der Dusche, trocknete mich ab – aber dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
Wieso soll ich stolz sein auf die Leistung zweier Damen, deren Namen ich bis zu diesem Moment nicht einmal gehört hatte? Auf den Erfolg von zwei Frauen, mit denen ich außer der Nationalität nichts gemein habe?

Nun ist dieser Stolz ja eine Formulierung, die gerade in Zeiten sportlicher Großereignisse gerne verwendet wird.
Ich habe mich gefreut: Kann ich überhaupt stolz sein auf Menschen, die ich überhaupt nicht kenne?
Zuallererst einmal bin ich stolz auf eigene Leistungen. Wenn ich irgendwo ein (besonders) gutes Ergebnis eingefahren habe, dann bin ich auf mich stolz, denn ich habe in der Regel einiges an Zeit und Mühe investiert. Ich kann auch stolz sein auf Erfolge von Menschen, die mir nahestehen. Leistungen meiner Familie oder meiner Freunde.

Für Menschen, die ich absolut nicht kenne, kann ich mich freuen. Und das auch nur in dem Maße, in dem ich eine, wie auch immer geartete, Beziehung zu ihnen habe. Ich freue mich, wenn die deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel gewinnt oder Borussia Dortmund den DFB-Pokal – denn zu denen habe ich eine „Beziehung“, die Personen, die da beteiligt sind, sind mir sympathisch und ich „mag“ sie. Das hat aber rein gar nichts mit deren Nationalität zu tun.

Das soll jetzt hier kein Artikel gegen den Patriotismus oder den Nationalstolz werden. In einem gewissen Maße ist der sicherlich vertretbar und auch positiv zu bewerten.
Aber ich freue mich doch nicht mehr über den Erfolg eines Athleten, oder bin gar „stolz“ auf ihn, nur weil er/sie Deutsche/r ist?! Ob nun zwei mir völlig unbekannte Deutsche oder zwei mir ebenso unbekannte Amerikanerinnen/Russinnen/Französinnen/… die ersten beiden Plätze in einem olympischen Rodel-Wettbewerb belegen, betrifft mich und mein Leben in keinster Weise und, eben da ich keine „Beziehung“ zu ihnen habe, tangiert es mich auch emotional rein gar nicht.

Stolz ist ein schönes Gefühl. Stolz sein zu können, macht auch glücklich. Aber vielleicht sollte man genauer darüber nachdenken, worauf man eigentlich stolz sein kann. Eine zu inflationäre Verwendung dieses Begriffs (gerade in den Medien) nimmt dem Gefühl seine Besonderheit. Ich bin nicht stolz auf die Leistung wildfremder Menschen – denn ich habe ja nichts dazu beigetragen.

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