Allein unter Jungs

Wie oft habe ich schon gehört, dass es doch sicher schwierig sei, so als einziges Mädchen mit drei Brüdern zuhause? Ziemlich oft. Meine Antwort fällt je nach Tagesform unterschiedlich aus :D Aber Tenor ist meistens doch, dass es so schlimm nicht ist. Stimmt ja auch. Klar, habe ich mir schon manchmal eine Schwester gewünscht, insbesondere, als der Kleinste sich ankündigte, aber ich war damals dann auch mit einem Jungen einverstanden. Hauptsache, Baby ;-)

Drei Jungs. Drei Brüder. Was wirklich stimmt ist, dass ich zu jedem der Drei eine völlig unterschiedliche Beziehung habe.

Nr.1:
Der Älteste nach mir, 22 Monate jünger als ich. Wirkliche Erinnerungen an ganz früher, als wir nur zu zweit waren, hab ich eigentlich nicht. Aber grundsätzlich haben wir uns schon ganz gut verstanden und auch viel miteinander gespielt. Seit einigen Jahren ist das ein wenig schwieriger, weil sich mit zunehmendem Alter herauskristallisierte, dass wir doch recht unterschiedlich veranlagt sind in unserem Verhalten, unseren Meinungen und Denkweisen. Ich finde ihn oft zu intolerant, er mich vermutlich zu altmodisch, mit zu merkwürdigen Ansichten für mein Alter, und die ältere Schwester generell uncool.
Aber wenn’s drauf ankommt, dann können wir schon miteinander arbeiten und auskommen. Und manchmal finde ich ihn auch furchtbar lustig und schlagfertig und vieles, das ich auch gerne wäre.

Nr. 2:
Der zweite Junge, drittes Kind. 5 Jahre und 6 Monate jünger als ich. An seine Babyzeit habe ich schon einige Erinnerungen, dufte auch beim Wickeln helfen bzw. selbst wickeln usw. Merkwürdigerweise habe ich manchmal das Gefühl, dass ich mich mit ihm mit zunehmendem Alter besser verstehe. Wir beide sind viel eher auf einer Wellenlänge als Nr. 1 und ich, teilen viele Einstellungen, was es vielleicht auch leichter macht, gut miteinander auszukommen. Ich bin oft diejenige, die über seine Schauspielereien und Kaspereien noch am ehesten lachen kann, während Nr. 1 ihn dann einfach nur furchtbar lächerlich/peinlich/nervig findet und Nr. 3 sich dem ältesten Bruder anschließt. Wir hocken sicher nicht die ganze Zeit aufeinander, aber ich mag es sehr, mit ihm zu musizieren, eine Runde Fifa zu spielen (wobei er es vermutlich genießt, die große Schwester gnadenlos abzuziehen) oder auch mal einfach nur albern zu sein.

Nr. 3:
Dritter Junge, jüngstes Kind. 10 Jahre und 4 Monate jünger als ich. Der „Kleine“, der wohl immer irgendwie den Baby-Bonus behalten wird. Als er geboren wurde, war ich richtig im große-Schwester-Modus: Rumtragen/-schieben, trösten, wickeln, später auch füttern, in’s Bett bringen – meine Eltern hatten ab seiner Geburt nie wieder einen Babysitter nötig, ich war ja da. Und er war eben auch immer da, ich erinnere mich, dass ich sogar mit ihm auf dem Schoß Hausaufgaben gemacht habe.
Mittlerweile ist er fast 11 und gar nicht mehr so klein, sondern ein Mensch mit eigenen Meinungen und Vorstellungen. Die sich des Öfteren eher an denen des größten Bruders orientieren als an meinen, was mich manchmal nervt, manchmal stört, wenn es Dinge sind, die ich schon an Nr. 1 nicht gut finde. Genauso oft erkenne ich aber auch Nr. 2 in ihm, oft sind es gerade Eigenschaften oder Angewohnheiten, die er selbst an Nr. 2 ablehnt. Und dann sind da Momente, wo ich merke, dass auch die große Schwester sehr wichtig ist: Seine Freude, als ich ihm gesagt habe, dass ich an seinem nächsten, dem 11. Geburtstag, hier sein werde (letztes Jahr hatte da das Semester bereits wieder angefangen und ich war in Trier).

Drei Brüder und ich – vier sehr unterschiedliche Personen und Persönlichkeiten, mit vielen unterschiedlichen, aber auch vielen ähnlichen Eigenschaften.
Ich hab es nie wirklich als „unangenehm“ oder „doof“ empfunden, „nur“ Brüder und keine Schwester/n zu haben. Ich hatte meine Barbies, meine Puppen, (= „Mädchenspielzeug“) und genauso hab ich mit der Lego Polizeistation, Ritterburg, Wikingerburg gespielt oder „entdecke“ jetzt, mit Nr. 3, Lego Technics. Bin mit dem großen Fuhrpark an Treckern, Kettcar und Gokart gefahren und habe auch mal Fußball oder „Fesseln“ gespielt. Vermisst hab ich nichts und natürlich hat mich auch das zu dem Menschen, der Frau gemacht, der/die ich heute bin. Und das ist auch gut und genau richtig so, wie es ist.

Langweilig war und ist es bei uns jedenfalls nie. Und ich bin sehr froh, meine Geschwister zu haben, auch wenn es natürlich Momente gibt, in denen ich sie dahin wünsche, wo der Pfeffer wächst.

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