Medienkompetenz: Klingt gut, aber was ist das eigentlich?

Angeregt durch einen Blog-Post von berlinmittemom, der wiederum auf diesen Artikel der Huffington Post Bezug nahm, möchte ich heute ein wenig über Medienkompetenz schreiben. In unserer medialisierten Welt, unserer Mediengesellschaft, taucht dieses Wort immer häufiger auf, aber was bedeutet es eigentlich?

Medienkompetenz allgemein
Zunächst: Eine allgemein gültige Definition von Medienkompetenz gibt es wohl nicht. Um mal kurz die angehende Medienwissenschaftlerin raushängen zu lassen: Laut Groebel ist Medienkompetenz „die Fähigkeit, je nach äußeren Anforderungen und inneren Bedürfnissen die optimalen Informations- und Erfahrungskonstellationen schaffen zu können“. Diese Fähigkeit beeinhaltet ein Medialitätsbewusstsein, allgemeine und nutzungsspezifische Medienkompetenzen, medienbezogene Genuss- und Kritikfähigkeit u.a.

Soll heißen: Der Mensch braucht Kenntnisse über seine eigenen Bedürfnisse und über die Medien, die ihm zur Verfügung stehen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Er muss sich mit den einzelnen Medien, wie Fernsehen, Radio, Internet, konkret auskennen, um diese effektiv nutzen zu können und er muss ein Bewusstsein für die Medialität haben: Er soll erkennen können, wie Medien funktionieren, wie sie arbeiten und wie sie die Welt darstellen, Ereignisse und Nachrichten wiedergeben oder auch verzerren.

Legt man diese Definition zugrunde, die ich persönlich für sehr geeignet halte, dann bedeutet das, dass Medienkompetenz zwar in der Kindheit und Jugend erworben wird, aber ein lebenslanger Lernprozess vonnöten ist, um mit neuen Medien und neuen Technologien Schritt halten zu können. Natürlich ist es nicht nötig, dass 70-Jährige das Internet nutzen, aber zumindest sollten sie doch wissen, dass es so etwas gibt, um sich nicht auch selbst von der Gesellschaft auszuschließen.

Oftmals wird aber, wenn von Medienkompetenz die Rede ist, der Fokus auf Kinder/Jugendliche und die neuen Medien, die Social Media, gelegt, wie es auch in dem oben verlinkten Blog-Post der Fall ist. Daher möchte ich darauf nun noch einmal gesondert eingehen.

Medienkompetenz im Social Media-Zeitalter und bei Kindern

Von einem Verbot, wie es die Autorin in der Huffington Post fordert, halte ich grundsätzlich gar nichts. Nicht nur, weil Verbote ja grundsätzlich dazu führen, dass das Verbotene noch reizvoller erscheint, sondern weil ich es als schlicht unsinnig erachte, einen solch wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft, wie die Medien es nun einmal sind, von Kindern fernzuhalten.

Dass man auf der anderen Seite ein dreijähriges Kind nicht den halben Tag vor dem Fernseher parken sollte, aus verschiedensten Gründen, dürfte den meisten Menschen aber auch klar sein. Was also ist der richtige Weg? Müssen Kinder aktiv an Medien herangeführt werden oder kann man sie einfach machen lassen?

Ich denke, die Antwort liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Kinder entwickeln ein natürliches Interesse für Alltagsgegenstände, für die Dinge, mit denen ihre Eltern oder andere Mitmenschen hantieren. Sie wollen auch mal in der Zeitung blättern, finden die bunten, bewegten Bilder im Fernseher spannend oder möchten auch mal auf dem Bildschirm eines Smartphones rumwischen. Ich bin allerdings der Auffassung, dass man Kindern nicht zwangsläufig alles erlauben muss, was sie gerne tun würden. Klar, irgendwann wird man ihnen sicher erlauben, kindgerechte Fernsehsendungen zu schauen, in einem bestimmten Maße. Aber ich meine, dass Kindergarten- und Grundschulkinder noch nicht in der Lage sein müssen, Smartphones und Tablets, zu welchem Zwecke auch immer, zu bedienen.

Und wer ist denn nun dafür zuständig, Kindern Medienkompetenz zu vermitteln? Natürlich lernen die Kinder durch Nachahmung der Beispiele ihrer Eltern. Ganz konkret durch ihre Handlungen während des Tages: Morgens beim Frühstück die Zeitung lesen, immer wieder unterbrochen von einem Blick auf’s Handy, den Abend auf dem Sofa vor dem Fernseher verbringen. Aber auch, um das aufzugreifen, was ich im ersten Teil schrieb, in Bezug auf das allgemeine Wissen über und die Einstellung gegenüber Medien, also das, was Groebel Medialitätsbewusstsein nennt, lernen Kinder und Jugendliche von ihren Eltern.

Was konkret Social Media angeht, also vor allem soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, die ja bei Jugendlichen hoch im Kurs stehen, wird es wohl schon schwieriger für die Eltern, ihre Kinder anzuleiten, weil viele sich selbst vielleicht nicht oder nur wenig damit auskennen. (Auf die allseits bekannten und vielzitierten Gefahren im Internet, wie Cybermobbing u.ä. kann ich jetzt hier nicht näher eingehen). Hier tritt dann schon eher der Fall ein, dass die Eltern von ihren Kindern lernen. Was auch nicht verkehrt sein muss, wichtig ist vor allem, dass ein Austausch zwischen Eltern und Jugendlichen stattfindet.

Medienkompetenz in Schulen
Ich meine, dass bei dem Thema Medienkompetenz die Schulen noch stärker in die Pflicht genommen werden müssen. Nicht als eigenes Schulfach, sondern fächerübergreifend, sollten Medien noch stärker thematisiert werden. Und zwar alle Aspekte: Wenn Schüler Rechercheaufgaben bekommen, müssen sie zunächst lernen, wie man überhaupt vernünftig im Internet recherchiert. Wenn sie eine Präsentation oder ein Referat erstellen sollen, müssen sie vorher den Umgang mit Word/Powerpoint/etc. beigebracht bekommen. Wirkungen und Gefahren von Medien kann man besprechen, ohne sich dabei nur auf Cybermobbing zu konzentrieren, und einfach insgesamt ein Bewusstsein bei den Schülern schaffen dafür, was Medien(nutzung) für Folgen für den Menschen an sich und Auswirkungen auf die Gesellschaft haben kann.

Medienkompetenz ist wichtig und geht jeden etwas an – nicht nur Kinder, nicht nur Jugendliche. Aber in dem Alter können die Grundbausteine gelegt werden für einen gesunden Umgang mit Medien.

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