Kahn, Klopp, Breyer – Champions League im ZDF

Gestern war es mal wieder so weit: Übertragung des Champions League-Spiels von Borussia Dortmund bei Real Madrid im ZDF. Über das Spiel selbst will ich hier gar kein Wort verlieren, sondern über das, was danach kam.

Neulich habe ich mich noch zurückgehalten, als Kahn, als selbsternannter (?) ZDF-Experte, nach dem Spiel gegen St. Petersburg Klopps Aussagen über Sammer „unverschämt nannte“ und großmütig Verständnis für Jürgen Klopp, die schwierige Situation beim BVB mit den vielen Verletzten, trallala, forderte – während dieser daneben stand. Ein Wort gab das andere und Klopp wurde etwas ungehalten – und ja, ich konnte das verstehen.

Gestern nun war es der Moderator Jochen Breyer, der mit einer wirklich selten dämlichen Frage den nächsten mittelgroßen Eklat herbeiführte: „Herr Klopp, Sie haben vorhin gesagt, sie treten natürlich an. Aber mal ehrlich  – das Ding ist durch, oder?“
Was, was bitteschön, soll der Trainer einer Mannschaft, die gerade das Hinspiel auswärts 3:= verloren hat, dazu sagen? Ja klar, wir gehen da nur hin, weil sich das Spiel nicht mehr absagen lässt? Nein, auf keinen Fall, wir putzen Real 5:0 weg? Was soll er denn da sagen?

Natürlich will ich keinen Schönwetter-Journalismus. Ich will investigativen Journalismus, oder, runtergebrochen: Natürlich sollen und müssen auch Fragen nach unangenehmen Themen gestellt werden dürfen. Aber bitte, nicht dreimal hintereinander, wie gestern von Breyer in Bezug auf den fehlenden Lewandowski praktiziert? Und bitte so formuliert, dass nicht die Erwartung, die Meinung des Journalisten darin mitschwingt bzw. dem Antwortenden quasi untergejubelt wird. Oben zitierte Frage hätte man sehr viel neutraler umschreiben können, mit: „Herr Klopp, wie schätzen Sie die Chancen auf das Weiterkommen jetzt ein?“ – und ich schätze, Klopp wäre sehr viel entspannter geblieben. So beendete er nach dem Hinweis, auf dumme Fragen dürfe er auch dumm antworten, abrupt das Interview, schüttelte Olli Kahn noch die Hand und verließ dann das Studio.

A propos, ein Wort noch zu Oliver Kahn: Wie kann man einen so selbstgefälligen Menschen, der anscheinend meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, als Experten in’s Studio stellen? Seine Art geht mir mittlerweile wirklich richtig auf die Nerven? Keine Erfahrung vorzuweisen außer seiner eigenen Zeit als Torwart, aber Hauptsache, zu allem eine Meinung haben und diese verkünden, als sei sie das Wort Gottes.

Zurück zu Klopp und Breyer: Wenn ich sehe, wie heute das Internet, insbesondere auch Twitter, glüht, dann frage ich mich zum einen: Was wäre wohl auf Twitter losgewesen, wenn es dieses Netzwerk schon zu Zeiten von Trapattonis Wutrede oder Völlers Interview gegeben hätte?
Zum Anderen finde ich es höchst interessant, wie entweder Partei für Klopp oder für Breyer ergriffen wird, ein dazwischen, jemanden, der beide Seiten versteht, habe ich noch nicht gefunden.

Am allerbesten finde ich allerdings, wie insbesondere von einigen Zeitungen, darauf abgehoben wird, dass Klopp doch mal so ein tolles Verhältnis zum ZDF hatte, als Experte für sie gearbeitet hat, und jetzt irgendwie immer nur noch Streit und Zoff entstehen. Ja entschuldigt mal, bitte, aber wessen Schuld ist denn das? Ich glaube kaum, dass Jürgen Klopp sich vom einen auf den anderen Tag überlegt hat, oh, jetzt mag ich das ZDF mal einfach nicht mehr. Aber mit Moderatoren wie Breyer und Experten wie Kahn – da kann ich durchaus verstehen, dass Klopp da vielleicht manchmal, grade nach einem Spiel wie gestern, einfach keinen Bock mehr hat. Das hat mit dem ZDF als Sender, als Institution, rein gar nichts zu tun und noch viel weniger mit Klopps ehemaliger Tätigkeit eben für das ZDF.

Abschließend möchte ich nur noch eins sagen: Alle Bemerkungen à la, „Klopp hatte sich wieder nicht unter Kontrolle“ finde ich sehr daneben. Denn bei aller Eile, mit der er das Interview beendet hat, war er, wie ich fand, sehr beherrscht. Auch ein Trainer muss sich nicht ausschlachten lassen. Im Übrigen war er recht schnell im Studio und wollte nach dem Spiel dann vielleicht auch einfach mal zu seiner Mannschaft. Und wenn einem auch noch solche Fragen vorgelegt werden, dann umso mehr.

Hier gibt’s die Szene von gestern zum Angucken, falls sich noch wer eine eigene Meinung bilden will.

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