Dönergate – Oder: Wie die Bild Themen generiert

Irgendwer hier, der es noch nicht mitbekommen hat? Kevin Großkreutz soll in der Nacht auf Montag in Köln einen Döner auf einen anderen Mann, wohl Fan des 1. FC Köln, geworfen haben. Dieser hat nun Anzeige erstattet, die scharfe Soße des Döners sei in sein Auge gelangt, weswegen er mehrere Stunden nichts habe sehen können.
Großkreutz sagt, er habe sich von dem Mann und seinen Freunden beleidigt gefühlt und den Döner auf den Boden geworfen (und gibt auch noch zu, dass auch das nicht die „Ideallösung“ gewesen sei).

Der aufmerksame Leser merkt vielleicht: Ich schreibe hier im Konjunktiv. Denn nichts davon ist letztlich bewiesen. Den Gebrauch dieses Modus haben allerdings viele Medien scheinbar verlernt, auch SWR1 sprach vorhin über diesen Vorfall (den die Moderatorin ihre „Lieblingsgeschichte des Nachmittags“ nannte) konsequent im Indikativ. Nun denn….

Mal abgesehen davon, dass ich es für äußerst unwahrscheinlich halte, dass Großkreutz den Döner tatsächlich gezielt auf den anderen Mann geworfen hat, mal ganz abgesehen davon, dass man mit Essen grundsätzlich natürlich sowieso nicht wirft, ist dies doch ein Paradebeispiel dafür, wie die BILD-Zeitung Artikel schreibt bzw. Themen generiert.

Ich kann nicht sagen, wer dieses Thema zuerst aufgebracht hat, auch wenn ich eine Menge Geld darauf verwetten würde, dass es die Bild war. Auffällig ist aber vor allem, dass, während anderen Medien dieser (angebliche) Vorfall und die darauf folgende Anzeige eine kurze Randbemerkung wert ist, die Bild das Thema tatsächlich auf die Titelseite ihrer heutigen Ausgabe setzte und das Thema außerdem noch ständig neu weiter befeuert. Dabei kommen dann Artikel und Fragen herum, wie z.B: „Nach Großkreutz-Anzeige: Nominiert ihn Löw trotz Döner-Wurf für die WM?“ Auch hier wieder deutlich: Nicht der leiseste Zweifel, dass sich der Vorfall tatsächlich so zugetragen hat, wie vom Anzeigenden geschildert.

Liebe Bild, ich hätte da noch einen weiteren Aspekt, unter dem man gut und gerne nochmal zwei Artikel raushauen könnte: Gehört ein Döner auf den Ernährungsplan eines Profi-Sportlers? Was sagt Jürgen Klopp zu den Essgewohnheiten seines Fußballers? Viel Spaß beim Schreiben….

Interessant und sehr erfreulich finde ich hingegen, wie das Thema in den sozialen Netzwerken behandelt wird. Unter den Hashtags #dönergate, #großkreutz und #großkreutzfilme wird munter diskutiert, aber man merkt bei fast allen Kommentaren deutlich, wie lächerlich die meisten dieses Thema finden. Mir sind nur sehr wenige bis gar keine negativen Äußerungen über Großkreutz über den Weg gelaufen, mit denen ich, ehrlich gesagt, fast gerechnet hatte, denn Großkreutz hat ja bei vielen doch ein wenig den Ruf des einfachen, wenig eloquenten, dummen Menschen weg.

Sehr gut gefallen hat mir ein Tweet samt dazugehörigem Video der 11-Freunde-Redaktion:

Ebenfalls schön fand ich einen Tweet, der das Ganze als super-tollen PR-Coup für den Dönerladen deklarierte, vor dem dieser Vorfall stattgefunden haben soll. (Dass der Besitzer des Döner-Ladens momentan der gefragteste Mann überhaupt ist, versteht sich ja von selbst, oder?

So. Jetzt hab ich irgendwie Hunger auf nen Döner bekommen.

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