Inklusion

Ich habe lange drüber nachgedacht, ob ich diesen Post überhaupt schreiben soll. Ob ich auch noch meinen Senf dazugeben soll zum Thema Inklusion, das momentan sowieso schon in aller Munde ist. Und das auf einem Blog, auf dem es ursprünglich mal um mein Leben und um Medien in jeglicher Form gehen sollte. Aber wenn mich etwas bewegt, oder auch aufregt, dann gehört es ja auch zu mir und meinem Leben.

Daher hier jetzt also meine Meinung. Ganz wichtig: Was nun folgt, ist nicht allgemeingültig und behandelt auch ganz sicher nicht alle Aspekte, die das Thema Inklusion aufwirft. Es ist eben nur meine Meinung!

Als Aufhänger dient dieser Artikel aus einer SZ-Kolumne, die ich mehr oder weniger regelmäßig lese. „Gleichmacherei ist nicht gleich gerecht“ schreibt Catrin Kurtz, Realschullehrerin in Bayern, die in Wahrheit anders ist. Das titelt sie sogar – und das ist der Punkt, wo ich gleich einmal einhaken möchte.

Inklusion soll ja gar keine Gleichmacherei sein. Inklusion (für mich) heißt, jedes Kind, jeder Mensch, hat die gleichen Chancen im Rahmen seiner Möglichkeiten. Das heißt nicht, dass jedes Kind gleich behandelt werden soll, sondern dass es im Rahmen seiner Möglichkeiten und in dem Rahmen, den es braucht, bestmöglich gefördert wird- nicht in Sonder- oder Förderschulen, sondern in Regelschulen, inmitten all der Kinder, die weniger oder keine Förderung brauchen.

Catrin Kurtz schreibt auch davon, dass sie bei einer Klasse voller „Regelschüler“ schon viele Einschränkungen und Ergänzungen vornehmen muss, wenn beispielsweise eine Arbeit geschrieben wird. Und das ist der zweite Punkt: Natürlich ist Inklusion nicht mit der jetzigen Personalsituation umzusetzen. Ein Lehrer auf 25 oder mehr Schüler, darunter mehrere behinderte* Kinder? Natürlich kann das nicht funktionieren. Und natürlich kostet Inklusion jede Menge Geld.

Wer soll von Inklusion profitieren? Zum einen die Kinder, die idealerweise optimal gefördert werden, und das inmitten der Gesellschaft, die nicht ausgeschlossen werden – und die Kinder, die keine Förderung brauchen, die aber völlig selbstverständlich in Kontakt mit Behinderten kommen, den „Umgang mit ihnen lernen“ bzw. gar keine Unsicherheiten im Umgang mit ihnen bekommen, weil es für sie völlig normal ist.

Wie weit soll Inklusion gehen? Auch da gibt es Meinungsdifferenzen. Bei Kindern, die nie oder nie mehr als Lesen und Schreiben lernen werden, da würde ich vermutlich auch noch einmal eine Grenze ziehen, da ich glaube, dass da nur wenig „Gewinn“ erzielt werden kann, egal auf welcher Seite. Kinder mit Lernschwächen sind, siehe den SZ-Artikel, schon in vielen Regelschulklassen vertreten. Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen sind im Grunde auch nichts anderes, sind auch „Förderkinder“. Kinder mit leichten geistigen Behinderungen sollen dazugehören, Kinder bspw. mit Down-Syndrom. Und ganz wichtig: Kein Kind mit körperlichen Behinderungen soll ausgeschlossen werden, das geistig super mithalten könnte, aber nicht auf eine Schule gehen kann, weil diese nicht rollstuhlgerecht ist.

Inklusion, das ist für mich vor allem ein Miteinander. Ein Miteinander von behinderten und nicht-behinderten Kindern, im Schulkontext, und natürlich von behinderten und nicht-behinderten Menschen. Behinderte inmitten der Gesellschaft. Ich bin der Meinung, wie bereits ausgeführt, dass alle davon profitieren können, auf ihre eigene Art und Weise. Behinderte haben genauso ein Recht dazuzugehören, haben ein Recht auf dieselben Chancen und Möglichkeiten wie Nicht-Behinderte.

Abschließend hier eine Grafik der Aktion Mensch, die genau das auch verdeutlichen will:

Inklusion

*Ich schreibe bewusst von Behinderung, von behinderten Kindern und Behinderten. Ich halte nichts von Umschreibungen wie „Mensch mit Lernschwierigkeiten“. Ich sage behindert, wenn ich behindert meine – und zwar nicht abwertend oder negativ gemeint, sondern als reine Tatsachenfeststellung.

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