„Und alle sagen immer, Englisch wär so einfach“

Tja. Falsch gedacht, oder wie?

Dass den meisten Deutschen auf dem Weg zu einem akzentfreien Englisch ganz massiv die Auslautverhärtung im Wege steht, ist ja nichts Neues mehr. „Rad“ und Rat“ im Deutschen klingen eben häufig komplett identisch – „bed“ und „bet“ sollten im Englischen aber nicht identisch klingen.

Seit ich in Trier bin, habe ich aber noch ein für mich bis dato unbekanntes Phänomen kennengelernt: Es ist quasi „die Auslautverhärtung am Wortanfang“, bei den Konsonanten „b“ und „g“, wenn gefolgt von „r“ oder „l“. Praktisch meint das einfach, dass Großbritannien oft zu „Kreat Pritain“ (Great Britain) wird, schwarz zu „plack“ (black), usw. Besonders interessant daran finde ich ja, dass das bei vielen Kommilitonen, bei denen ich das im Englischen beobachte, im Deutschen weit weniger ausgeprägt ist, obwohl es auch da bei Worten wie „grau“ (krau) und „blau“ (plau) vorkommen kann.

Das scheint ein in und um Trier recht weitverbreitetes Phänomen zu sein, wobei es mir eben zuerst bei englisch-sprechenden Mitstudenten aufgefallen ist. Und ich muss zugeben: Manchmal rollen sich mir da förmlich die Fußnägel auf.
Dann gibt es aber auch Menschen, die das genau andersrum betreiben: Ein „problem“ wird da dann zum „broblem“ – klingt auch super.

Ich find’s spannend, dass sich die deutschen Dialekte da im Englischen so stark bemerkbar machen – wie bereits gesagt, mir im Englischen fast stärker auffallen als im Deutschen. Es ist aber natürlich auch gut möglich, dass ich im Englischen stärker darauf achte bzw. sie im Deutschen schon gar nicht mehr bemerke.

Am letzten Mittwoch war ich zum ersten Mal bei einem Phonetik-Tutorium, das von einem Magisterstudenten angeboten wird, zur Verbesserung der Aussprache im Englischen und, wenn möglich, eben Reduktion des deutschen Akzents. Etwa 40 Minuten übten wir den Unterschied zwischen „bet“ und „bat“, also den Vokal /æ/, der so im Deutschen ja gar nicht existiert. Ich hatte den Eindruck, dass mindestens die Hälfte der anwesenden Studenten von diesem Unterschied vorher noch nie etwas gehört hatte bzw. ihn gar nicht hören konnte.

Und so sagte dann eine Studentin nach Ende des Tutoriums auf dem Weg nach unten zu ihrer Freundin: „Mann, und da sagen alle immer, Englisch wäre so einfach.“
Mein Eindruck ist jedenfalls: Wer im Deutschen weitgehend akzentfrei spricht, hat’s auch im Englischen einfacher ;-)

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