Ein Wort zu…

dem DFB und dem Spiel GERALG, also Deutschland gegen Algerien gestern Abend. Das muss jetzt einfach mal sein und es wird vermutlich nicht besonders nett, also Vorsicht.

Mit diesem „Verein“ hab ich ja schon länger keine Verträge mehr, das gebe ich gerne zu. Und wenn ich vom DFB spreche, dann meine ich alles, was irgendwie damit in Verbindung steht, jeden, der irgendwie, in welcher Funktion auch immer, für den DFB arbeitet, und alles, was der Verband, auf welchem Wege auch immer, von sich gibt. Das reicht also von dämlichen Sponsoren-Aktionen in Trainingslagern, bei denen beim letzten Mal sogar Menschen verletzt wurden, über insgesamt fragwürdige Sponsoren- und Werbepartner, über einen komplett beratungsresistenten Bundestrainer, einen Manager, der großartig verkündet, die Nationalmannschaft vertrete das ganze Land, eine Mannschaft, zu der ich keine „Beziehung“ habe (mein Problem, schon klar), bis hin zu Texten auf der DFB-Homepage, die unter aller Kanone sind.

Löw verstrickt sich immer mehr in Widersprüchlichkeiten und ist, mittlerweile muss man es wohl fast so nennen, beratungsresistent. Die Abwehrkette mit vier Innenverteidigern hat nun in zwei von vier Spielen gar nicht funktioniert, in den anderen beiden so mittelmäßig. Aber nein, vier Innenverteidiger hinten drin, das gibt der Mannschaft Stabilität. Und überhaupt kann man ja nicht einfach so die Taktik ändern, mitten im Turnier. Klar… Ist ja auch seit Jahren eingespielt, die Taktik. Oder? Ach ne, erst seit einer Woche vor’m Turnier. Achso. Vorne fehlt ein Stürmer und im Mittelfeld dürfen weiterhin Spieler ran, die in diesem Turnier bisher nicht überzeugt haben. Löw hat Lieblinge – das ist bei einem Bundestrainer ähnlich problematisch wie bei einem Lehrer.

Ich gehe davon aus, so wie ich Löw einschätze, dass es an der grundlegenden taktischen Ausrichtung und auch an der Startelf im Spiel gegen Frankreich am Freitag keine Änderungen geben wird. Diese wären aber dringend nötig! Denn die deutsche Leistung gestern Abend gegen Algerien war einfach schlecht. Das hat nichts mit schönem oder attraktivem Fußball zu tun (den zu erwarten Mertesacker gestern dem ZDF-Reporter vorwarf), sondern mit gutem Fußball. Es kann nicht das Ziel sein, das Ergebnis eines Achtelfinal-Spiels bei einer WM vom Glück und dem eigenen Torwart abhängig zu machen. Löws Taktik, 4-3-3 und die IV-Abwehrkette, geht nicht auf!

Äußerst interessant war auch Löws gestrige Aussage im Interview mit KMH beim ZDF, man habe, „14, 15 Spieler, die man bringen kann“. Das widerspricht zum einen seinen früheren Äußerungen zu „Spezialkräften“ und dass alle in Alarmbereitschaft sein müssen, das bedeutet außerdem für acht Spieler, dass sie sich eigentlich überhaupt keine Hoffnungen auf Einsätze machen müssen, dass Löw sie offenbar nicht als gut genug betrachtet, um sie überhaupt in Erwägung zu ziehen. Sie sind also offenbar nur mit nach Brasilien gereist, um die Bungalows im Campo Bahía aufzufüllen.

Wer es wagt, die Mannschaft, Löw oder die gestrige Leistung zu kritisieren, wird insbesondere in den sozialen Medien sofort angegangen, beschimpft, oder als die verwöhnten Erfolgsfans bezeichnet, die nicht zu ihrer Mannschaft stehen, wenn es mal schlecht läuft. Dem liegen vielleicht unterschiedliche Definitionen von „Fan-Sein“ zugrunde, aber Tatsache ist doch, dass man nicht stumpfsinnig einfach alles bejubeln kann. Ja, bei solchen Turnieren gibt es immer 80 Mio. Bundestrainer. Aber man muss doch auch mal kritisieren können/dürfen, wenn die Leistung kritikfähig war. Löw und die Mannschaft müssen sich messen lassen an ihren eigenen Aussagen: „Wir wollen um den Titel mitspielen“, „wir haben die Qualität Weltmeister zu werden“: Wer solche Worte in den Mund nimmt, muss dann auch Kritik aushalten können. (Besonders lustig fand ich ja den Spruch von Lahm, man wolle alles in 90 Minuten klären – das hat gestern Abend schonmal nicht hingehauen. Vllt. sollte man mit solchen Äußerungen auch einfach vorsichtiger umgehen).

Ich bin kein Fan von Deutschland – ich bin weder gegen, noch für die deutsche Mannschaft. Es sind da einige Spieler dabei, die ich mag und denen ich einen Titelgewinn von Herzen gönnen würde, aber zu der Mannschaft als Ganzes habe ich keine Beziehung. Und das wohl auch, weil der DFB dahintersteckt und ich gewisse Dinge, die der Verband oder seine Repräsentanten tun, nicht akzeptieren kann oder will. Dass man mitten im Nirgendwo ein Hotel aus dem Boden stampft und für einen top-aktuellen Trainingsplatz Regenwald abholzen lässt, zum Beispiel.

Oder dass auf der Homepage im News-Bereich ein Artikel erscheint, in dem über den Gewinn der U-21-Europameisterschaft 2009 berichtet und präsentiert wird, was aus den damaligen Spielern so geworden ist. In den höchsten Tönen gelobt werden dort Khedira, Özil, Höwedes, Hummels und Neuer – klar, die haben den Sprung in’s A-Team geschafft. Andere, wie Fabian Johnson beispielsweise, spielen jetzt für die Nationalmannschaft der USA, noch andere spielen momentan in der zweiten oder dritten Liga (bspw. Florian Fromlowitz): Diese Spieler werden geradezu „runtergemacht“ in diesem Artikel. Und dann gibt es noch die, die man einfach gar nicht erwähnt: Gonzalo Castro zum Beispiel, der einen nicht unerheblichen Anteil am Titelgewinn hatte, oder Marcel Schmelzer. Aber den wollte Löw ja auch jetzt nicht dabei haben.

Ich hänge mein Fähnchen nicht nach dem Wind. Ich kritisiere jetzt vieles, was Löw und was der DFB tun. Mir geht es dabei sicherlich nicht darum, aus Prinzip einfach alles schlechtzureden. Aber ich breche nunmal auch nicht in Jubelschreie aus, wenn ich etwas nicht gut finde, und ich habe meine eigene Meinung. Sollte es, wider meiner Erwartung, tatsächlich für den Titelgewinn langen, dann ist das schön, für Löw, für die Mannschaft, für alle Fans, die das doch sowieso wussten und immer hinter der Mannschaft standen. Ich werde Löw dann trotzdem nicht wieder mögen, werde nicht jubelnd und im Deutschland-Trikot durch die Gegend rennen und werde weiterhin das 4-3-3,  die IV-Abwehrkette und die Leistung bei GERALG für kritikwürdig halten. Und dazu habe ich ja zum Glück das Recht, auch wenn ich nicht der Bundestrainer bin.

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