WM im Web – 7

Über die social media-Aktivitäten des DFB habe ich ja bereits geschrieben. Und wie Per Mertesacker auf seinen Facebook- und Twitter-Profilen auf sein eigenes „Eistonnen-Interview“ reagiert(e), habe ich auch gezeigt. Nun soll es heute einmal allgemein um die Nationalspieler und ihr Verhalten in den sozialen Netzwerken gehen.

So weit ich das überblicken kann, haben alle 23 Spieler, die momentan als deutsche Nationalspieler in Brasilien sind, einen eigenen Facebook-Auftritt (ich habe das jetzt nicht im Einzelnen nachgeprüft, muss ich gestehen). Sehr unterschiedlich ist allerdings die Art und Weise, in welcher dieser bestückt wird.

Alle von ihnen sind selbst dort tätig, also es sind nicht Berater/Managment oder ähnliches, die dort posten. Die Postings sind jedoch von Spieler zu Spieler unterschiedlich, sowohl in Quantität als auch in „Qualität“. Da gibt es Spieler wie den bereits genannten Per Mertesacker, der beinahe täglich postet, oft mehrsprachig (deutsch und englisch). Mal sind es Fotos mit kurzen Begleittexten dabei, mal nur Texte, mal Links mit Hinweisen auf Gewinnspiele, seine Stiftung oder ähnliches, alles ist dabei. Ähnlich sieht es beispielsweise auch bei Lukas Podolski oder Mesut Özil aus. Podolski postet bisweilen soagr dreisprachig (Deutsch, Englisch, Polnisch), momentan sogar ab und zu auf Brasilianisch (wie korrekt diese Texte grammatikalisch sind, kann ich leider nicht überprüfen, woher er die Kenntnis dieser Sprache nimmt, weiß ich auch nicht).

Dann gibt es andere, wie Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger oder Roman Weidenfeller, die sich nur ab und an zu Wort/Bild melden. Gerade Hummels postet weniger Bilder als viel eher Texte, zuweilen auch etwas längere, ähnlich wie Thomas Müller. Andere, wie Kevin Großkreutz, posten fast ausschließlich Bilder, oft mit Hashtags versehen. Benedikt Höwedes veranstaltet nach jedem Spiel der Mannschaft ein Gewinnspiel auf seiner Facebook-Seite: Er postet ein Foto von sich während des Spiels und ruft dazu auf, sich Bildüberschriften dazu auszudenken. Der Gewinner wird von ihm ausgelost und bekommt einen signierten Ausdruck des Bildes.

Besonders spannend finde ich die Postings von Erik Durm: Die Fotos, die er postet, sind oft „offizielle“ Bilder, die auch auf der Seite des DFB gefunden werden können, Bilder vom Training u.ä., weniger private Schnappschüsse oder Selfies. Dazu kommen immer sehr nette Texte. Außerdem, was mir so bei keinem anderen der Spieler aufgefallen ist, nimmt er sehr stark Anteil an dem, was bei seinem Verein, dem BVB, abgeht.
Höchst interessant finde ich im „Fall Durm“, dass die Seite, die ich für die offzielle halte, deutlich weniger „Likes“ (knapp 14 700) hat, als zwei Seiten, die deutlich als inoffiziell (35 500) bzw. Fanpage (28 800) gekennzeichnet sind. Die offizielle Seite, so sie es denn ist, ist noch nicht verifiziert, aber ich gehe aufgrund des Inhaltes der Postings davon aus, dass da tatsächlich Durm dahintersteckt.

Neben Facebook ist auch Twitter durchaus beliebt. Hier habe ich eine interessante Statistik gefunden, die wohl vom Wall Street Journal Deutschland stammt. Darin werden die Twitter-Follower vor der WM (11. Juni) und aktuell (1. Juli) der 11 Nationalspieler-Twitterer aufgeführt und das Wachstum der Follower angegeben. Es fehlt allerdings Mats Hummels, der erst seit dem 15. Juni einen Twitter-Account besitzt, es allerdings seitdem schon auf 206 000 Follower (07. Juli) gebracht hat.

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Es dürfte dabei nur wenig überraschen, dass diejenigen, die bereits vor der WM mit am meisten Follower hatten, nur wenig zugelegt haben und Spieler wie Müller und Höwedes, die Twitter während der WM deutlich mehr nutzen als vorher, sehr viel mehr Zuwachs hatten.

Auch die Tweets unterscheiden sich natürlich voneinander. Während Podolski locker bis zu neun Tweets pro Tag raushaut (wobei da Dopplungen dabei sind, weil er denselben Tweet in unterschiedlichen Sprachen postet), melden sich bspw. Hummels oder Schweinsteiger nicht einmal jeden Tag. Auch hier wird mehrsprachig getwittert, allerdings, wie bereits angesprochen, oft auf mehrere Tweets verteilt, denn anders als bei Facebook gibt es ja bei die Twitter die Begrenzung auf 140 Zeichen (nicht 150, wie Hummels anfänglich meinte).

Grundsätzlich kann man natürlich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, als dt. Nationalspieler (ohne ausländische Wurzeln, die Tweets bspw. in der Muttersprache erklären könnten) bspw. auch auf englisch zu posten oder zu twittern. Mertesacker macht dies, seit er in England spielt, Hummels spielt in Deutschland und macht es auch – und auch da leidet die Grammatik des Öfteren ;-) Andererseits ist es verständlich, ich selbst twittere auch viel auf Englisch und man erreicht einfach eine größere Adressaten-Gruppe damit. Und wenn Sprüche wie „We have a grandios saison gespielt“ sogar Preise gewinnen können, sollte man die Mehrsprachigkeit der Fußballer vielleicht erst recht unterstützen ;-)

Ein weiterer Grund, der Spielern wie bspw. Podolski oder Özil einige zusätzliche Tweets einbringt, ist die Verknüpfung ihrer Twitter-Profile mit ihren Instagram-Accounts. Instagram ist ein soziales Netzwerk, in dem Fotos mit Filtern u.ä. bearbeitet und hochgeladen werden können. Wenn man seinen Account dort mit seinem Twitter-Account verbindet, wird bei jedem neu hochgeladenen Bild automatisch ein Tweet mit dem Link zu diesem Bild gepostet.

Auch hier dürften Podolski und Özil recht weit vorne liegen. Beide nutzen diesen Dienst häufig und gerne, posten Selfies, Bilder aus der Kabine oder Gruppenfotos mit Kollegen. Oder, wie Lukas Podolski, ein Foto vom schlafenden Bastian Schweinsteiger:

Der sich übrigens gleich mit einer ganzen Collage vom schlafenden Podolski rächte:

Und wie meistens: Man kann sich natürlich auch hier drüber streiten, wie sinnvoll das ist, oder ob die Welt unbedingt einen schlafenden Lukas Podolski sehen muss. Wahrscheinlich muss sie das nicht, aber so wie Hunderte und Tausende von Otto Normalbürgern zunehmend immer mehr Aspekte ihres Lebens im Internet und auf sozialen Netzwerken teilen, so tun das eben auch die Nationalspieler. (Natürlich kann man da auch grundsätzlich der Meinung sein, dass man das nicht tun sollte, aber eine solche Grundsatzdiskussion würde hier an dieser Stelle zu weit führen). Außerdem nutzen viele der Spieler die sozialen Netzwerke und ihre Postings und Tweets auch, um auf Aktionen, soziale Projekte oder ihre Stiftungen aufmerksam zu machen (ganz groß dabei ist in der Beziehung übrigens auch Neven Subotic, aber der ist ja nun kein dt. Nationalspieler) und das finde ich durchaus sehr legitim und auch unterstützenswert.

Generell kann man, denke ich, festhalten, dass im Grunde die sozialen Medien und die dortige Aktivität von Fußballern (oder Sportlern, Musikern, etc. pp) die Distanz zwischen den „Stars“ und ihren Fans abbauen helfen, dass durch sie eine gewisse Form von Nähe hergestellt wird/werden soll, indem den Fans das Gefühl gegeben wird, in gewisser Weise am Leben der Spieler teilzuhaben. Vielleicht kann man es auch als eine Fortführung dessen bezeichnen, was früher Sammelalben geleistet haben, in denen man neben dem Bild, dem Alter und der Position des Spielers auch Schulabschluss, Lieblingsessen, Lieblingsmusik etc. nachlesen konnte. Und die hat doch auch keiner verteufelt, oder? ;-)

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