Wo Iren und Finnen kämpfen

Vor zwei Jahren habe ich für den Medienblog der Uni Trier unter dem Titel „Die Musiker und die Cowboys“ einen Artikel über „The Voice of Germany“ geschrieben. Damals lief die zweite Staffel dieser Show und ich habe begeistert jeden Donnerstag- und Freitagabend eingeschaltet. Im letzten Jahr hat mich die Sendung eher kalt gelassen, aber jetzt läuft bereits die vierte Staffel und dieses Mal bin ich auch (meistens) wieder dabei. Also doch eine passende Gelegenheit, den alten Artikel noch einmal rauszukramen.

 

„Das ist Chris Rea, das ist Nena, das sind die Gebrüder Cartwright und ich bin dein neuer Coach.“

 

Solche und ähnliche Sprüche sind momentan jeden Donnerstag- und Freitagabend auf Sat1 und Pro7 zu hören: Die zweite Staffel der Casting-Show „The Voice of Germany“ ist Mitte Oktober angelaufen und seitdem spielen sich dort regelmäßig kleine Kämpfe ab. Nicht von Seiten der Kandidaten, nein, die vier Coaches Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und The BossHoss (alias Sascha Vollmer und Alec Völkel) sind es, die mit aller Macht um die Kandidaten buhlen.

 

Und genau das ist es, was diese Show wohltuend von anderen Sendungen dieser Art wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Das Supertalent“ unterscheidet und auch mich dazu bewegt regelmäßig einzuschalten.

 

Das Konzept der Show ist simpel: Vorausgewählte Kandidaten (wer zu den sogenannten „Blind Auditions“ eingeladen wird, …) haben 90 Sekunden Zeit, die Jury von sich zu überzeugen. Dabei werden sie jedoch nur vom Publikum gesehen, die Coaches wenden ihnen zunächst den Rücken zu, bis sie auf den Buzzer drücken und ihr Stuhl sich umdreht. So ist eine völlig unvoreingenommene Beurteilung des Gesangs möglich.

 

Ist die Zeit um, laufen Rea, Xavier, Nena und BossHoss zur Höchstform auf. Jeder, der für den Kandidaten gebuzzert hat, gibt eine kurze Erklärung ab, was ihm an der Darbietung gefallen hat, und wirbt mit allen Mitteln für sich selbst und sein Team. Der Kandidat entscheidet sich dann für einen Coach, von dem er in den nächsten Wochen betreut werden möchte.

 

Dramen spielen sich dabei höchstens zwischen den Coaches ab. Wenn beispielsweise Jenna Hoff sich für Rea entscheidet, ohne dass Xavier auch nur ein Wort sagen konnte. Regelmäßig fallen Sprüche wie „Er ist ein guter Sänger, aber er ist kein guter Coach“ oder es wird darum gestritten, wer denn nun als Erster auf den Buzzer gedrückt hat.

 

Die Kandidaten bleiben davon meist unbeeindruckt. Doch manchmal sind auch sie es, die für Lachanfälle sorgen: Dennis LeGree zum Beispiel, als er sich für „Chris“ entscheidet. „Who the f*** is Chris?“ (Dennis hatte Rea Garvey für Chris Rea gehalten). Am darauffolgenden Abend verwechselt Ilan Green Rea mit Xavier Naidoo. Rea nahm es locker und überlegte trocken, ob er sich nicht vielleicht einfach einen neuen Namen zulegen sollte, während Nena sich vor Lachen auf dem Boden kugelte. Doch solche Peinlichkeiten sind in dieser Show immer selbst verschuldet – kein Kandidat wird vorgeführt.

 

Natürlich wird auch bei „The Voice of Germany“ das Format Casting-Show nicht neu erfunden. Und trotz der guten Einschaltquoten (4,69 Millionen Zuschauer in der ersten, 5,42 Millionen Zuschauer in der zweiten Folge) muss man sich die Frage stellen, ob diese Sendung dauerhaft ein solcher Erfolg bleiben wird. An mancher Stelle wäre vielleicht ein wenig mehr konstruktive Kritik angebracht, um zu erklären, warum bei dem ein oder anderen Kandidaten nicht gebuzzert wurde. Und ob die Machtkämpfchen zwischen den Coaches und die durchweg gute gesangliche Qualität der Kandidaten ausreicht, um die Zuschauer auf Dauer zu unterhalten, wird sich noch zeigen – in den Battles und den darauf folgenden Liveshows. Auf jeden Fall aber unterscheidet sich „The Voice of Germany“ deutlich von den anderen bekannten Casting-Shows und das scheint zunächst einmal zu funktionieren.

Natürlich hat sich jetzt in der 4. Staffel einiges geändert. Statt BossHoss sitzen seit dieser Staffel Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier auf dem Doppelstuhl. Stefanie von Silbermond hat Nenas Platz eingenommen und Xavier Naidoos Stuhl, den im letzten Jahr Max Herre eingenommen hatte, belegt jetzt Samu Haber von Sunrise Avenue. Der war auch letztes Jahr schon dabei, aber seinen letztjährigen Platz hat sich ein alter TVOG-Bekannter zurückerobert: Rea Garvey ist wieder dabei!

Und ja, ich gebe es gerne zu: Rea und Samu sind einer der Hauptgründe, warum ich (mehr oder weniger) regelmäßig einschalte. Zwei nicht schlecht aussehende Männer mit herzallerliebsten Akzenten, die sich gegenseitig nichts gönnen, ordentlich austeilen, aber auch einstecken können. Rea Garvey find ich halt sowieso schon so ein bisschen toll und die Kombination mit Samu ist schon ziemlich unschlagbar.
Die Fanta Zwei, wie sie scherzhaft genannt werden, sind auch sehr sympathisch und vertreten/ersetzen BossHoss mehr als würdig. Und Stefanie, die wie ich finde, rein äußerlich durchaus Ähnlichkeiten zu Nena aufweist, ist erfrischend natürlich und ehrlich und ohne dieses ganze esoterische Getue, was mich an Nena des Öfteren nervte.

Die Kämpfe, zwischen den Coaches wohlgemerkt, werden immer härter, an lustigen Sprüchen und komischen Situationen mangelt es nicht – und ja, ganz offensichtlich scheint dieses Format so gut zu funktionieren, dass es nun immerhin schon die vierte Staffel gibt. Ob es dabei wirklich immer um die Stimme der Kandidaten geht? Nun, auf jeden Fall mehr um ihre Stimme als um ihr Aussehen oder ihre (tragische) Lebensgeschichte (anders als z.B. bei DSDS *hust*). Andererseits ist die Show natürlich auch super PR für die Coaches und ja, das merkt man manchmal auch. Und was hört man noch so von den Gewinnern der letzten Staffeln? Nicht so furchtbar viel, wenn man mal ehrlich ist.

Aber hey, bei dieser Sendung kommt niemand zu Schaden und wird niemand lächerlich gemacht, es gibt (meistens) gute Musik und ich kann mich herrlich amüsieren – ist das nicht schon mehr, als man von den meisten anderen Sendungen im (Privat-)Fernsehen heutzutage sagen kann? Ich finde schon und ich finde auch, das ist mehr als genug Daseinsberechtigung für „The Voice of Germany“.

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