Medienkompetenz, die Zweite! – Medienerziehung

Bereits im März habe ich über Medienkompetenz geschrieben, inspiriert durch einen Blogartikel, den ich gelesen hatte. Jetzt rief berlinmittemom, anlässlich des ersten virtuellen Elternabends von Scoyo, erneut zu einer Blogparade zum Thema Medienkompetenz auf. Nun kann ich natürlich nicht darüber berichten, wie ich das mit meinen eigenen Kindern handhabe – aber ich möchte doch einige Aspekte noch einmal ansprechen, die mich beschäftigen und die ich wichtig finde, weil ich zum Einen aufgrund des Studiums natürlich Interesse daran habe und weil mir beim Ansehen des Virtuellen Elternabends auch einiges auf- und eingefallen ist, was ich hier loswerden möchte.

Medienkompetenz – was ist das?

Ich zitiere hier aus meinem ersten Blog-Post zu diesem Thema:

Zunächst: Eine allgemein gültige Definition von Medienkompetenz gibt es wohl nicht. Um mal kurz die angehende Medienwissenschaftlerin raushängen zu lassen: Laut Groebel ist Medienkompetenz “die Fähigkeit, je nach äußeren Anforderungen und inneren Bedürfnissen die optimalen Informations- und Erfahrungskonstellationen schaffen zu können”. Diese Fähigkeit beeinhaltet ein Medialitätsbewusstsein, allgemeine und nutzungsspezifische Medienkompetenzen, medienbezogene Genuss- und Kritikfähigkeit u.a.

Soll heißen: Der Mensch braucht Kenntnisse über seine eigenen Bedürfnisse und über die Medien, die ihm zur Verfügung stehen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Er muss sich mit den einzelnen Medien, wie Fernsehen, Radio, Internet, konkret auskennen, um diese effektiv nutzen zu können und er muss ein Bewusstsein für die Medialität haben: Er soll erkennen können, wie Medien funktionieren, wie sie arbeiten und wie sie die Welt darstellen, Ereignisse und Nachrichten wiedergeben oder auch verzerren.


Was sind denn eigentlich Medien?

Obwohl der Elternabend bei Scoyo unter dem Thema stand „Medienkompetenz: Fitte Eltern, starke Kinder“, wurde eigentlich nur über digitale Medien gesprochen. Für mich gehören zu den Medien und damit auch zur Medienkompetenz aber auch das Fernsehen, die Zeitung und zum Internet nicht nur Soziale Netzwerke, sondern auch das Internet als Recherchemittel. Social Media hin oder her, zuallererst finde ich es wichtig, dass Kinder lernen, wie man Google für seine Zwecke nutzt, wie man im Internet etwas findet, welchen Seiten/Quellen man vertrauen kann und welchen besser nicht. An diesem Punkt sehe ich ganz stark die Schulen in der Pflicht – die immer häufiger immer früher schon Referate oder Vorträge einfordern, aber nicht das nötige Hilfswerkzeug mit an die Hand geben, wie man so etwas überhaupt vernünftig aufzieht.

Wie viel Medienkonsum ist gut?

Grundsätzlich finde ich, dass der Medienkonsum von Kindern bis zu einem bestimmten Alter durchaus von Seiten der Eltern eingeschränkt werden sollte. Bei mir und meinen Geschwistern früher war es lange eine halbe Stunde am Tag: Und dann durften wir entscheiden, ob das ein Computerspiel oder Fernsehen sein sollte. Auch, welche Medien von den Kindern überhaupt genutzt werden dürfen und welche davon in die Medienzeit fallen, gehört zur Aufgabe der Eltern. Bücher angucken oder Zeitung lesen wird man sicher nicht reglementieren, Fernsehen, digitale Spiele, die Zeit im Internet oder sozialen Netzwerken schon eher.

Ab welchem Alter ein Kind überhaupt mit Medien in Berührung kommen sollte, liegt ebenfalls im Ermessen der Eltern. Die Medieninitiative „Schau hin!“, die hilfreiche Tipps für den Umgang mit den verschiedenen Medien für unsichere Eltern bereithält, schreibt, dass für Kinder unter drei Jahren Medien und Mediennutzung noch unwichtig und auch unnötig sind. Ab diesem Alter könne man das Kind dann in Begleitung der Eltern an Medien heranführen, wenn es von sich aus Interesse daran zeigt. Tablets seien dafür oft besser geeignet als herkömmliche Computer, weil deren Bedienung einfach sei. An diesem Punkt muss ich dann doch mal den Kopf schütteln. Sicher ist ein Tablet auch (oder gerade) für Kinderfinger leicht zu bedienen, weil man, ebenso wie bei dem Smartphone, im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht darauf herumtippen und -wischen kann. Aber muss ein Kindergarten- oder auch ein Grundschulkind schon mit einem Smartphone oder Tablet umgehen können? Muss es in diesem Alter schon an diese Geräte herangeführt werden. Ich finde, nicht zwingend. Drei Jahre finde ich hingegen einen guten Zeitpunkt, um das Kind erste, kindgerechte und kurze Fernsehsendungen schauen zu lassen.

Eltern sind das Vorbild ihrer Kinder – was sie tun, wollen die Kinder auch

Sicher, das ist unbestritten und ja auch in anderen Situationen der Fall. Wie oft wollen gerade kleine Kinder im Haushalt helfen, staubsaugen oder die Spülmaschine ausräumen, weil sie sehen, wie ihre Eltern es tun. Natürlich lässt man sie dann auch helfen. Aber auch da gibt es Bereiche und Aufgaben, die man sicherlich nicht so ohne Weiteres dem Kind überlässt, bspw. das Hantieren mit heißen Töpfen und Flüssigkeiten oder scharfen Küchenmessern. Und genauso finde ich, kann und sollte es auch im Medienkonsum Bereiche geben, die die Eltern dürfen, das Kind aber nicht. Ja, die Elten sitzen vielleicht abends vor dem Fernseher, wenn das Kind schon schlafen soll. Ja, die Eltern haben und benutzen ein Smartphone/Tablet und die Kinder haben/benutzen noch keins. Sie sind ja auch die Eltern – und damit nicht nur um einige Jährchen älter als die Kinder, sondern auch mit mehr Rechten und, ich nenne es bewusst so, auch Autorität ausgestattet. Ich bin der Meinung, man muss Kindern nicht alles erlauben, nur weil sie es wollen. Dann kann man auch einfach mal „Nein“ sagen und erwarten, dass das so akzeptiert wird.

Natürlich sollten sich umgekehrt die Eltern aber auch an gewisse Regeln halten. Die Kinder sollten immer an erster Stelle stehen und volle Aufmerksamkeit bekommen. Kein Tweet der Welt, kein Facebookeintrag und auch keine e-Mail kann so wichtig sein, dass man nicht beispielsweise beim Essen alle Geräte beiseite legen könnte. Das gehört für mich zu guten (Tisch-)Manieren dazu.

Eltern müssen ihre Kinder im Medienkonsum begleiten – dazu müssen sie sich selbst mit den Möglichkeiten befassen und dürfen sich nicht dagegen wehren

Jein. Natürlich setzt man ein dreijähriges Kind nicht alleine vor den Fernseher. Selbst, wenn es eine kindgerechte Sendung ist, wird es vielleicht Fragen haben, Dinge nicht verstehen oder Angst bekommen. Genauso wenig überlässt man das Kindergartenkind während der halben Stunde vor dem Computer völlig sich selbst. Kontrolle des Medienkonsums der Kinder durch die Eltern ist wichtig, auf jeden Fall bis zu einem bestimmten Alter. Wie diese Kontrolle aussieht, ist von den Eltern, den Kindern und dem Verhältnis zwischen Eltern und Kindern abhängig.

Wichtig ist es auch, den Medienkonsum innerhalb der Familie zu einem Thema zu machen. Dabei können die Eltern die Regeln, die sie aufgestellt haben, erläutern, können die Kinder auf Gefahren hinweisen und das richtige Verhalten im Internet und in Sozialen Netzwerken besprechen. Aber müssen, wie Anna Luz de Léon es auf dem Virtuellen Elternabend fordert, alle Eltern sich aktiv mit den neuen digitalen und sozialen Medien befassen? Nein, finde ich nicht. Um die Kinder zu begleiten, die dann ja hoffentlich auch schon ein etwas höheres Alter erreicht haben (meiner Meinung nach haben Kinder unter etwa 13 bis 14 Jahren in sozialen Netzwerken nichts verloren), müssen die Eltern nicht zwingend ein eigenes Facebook-, Twitter- und Instagram-Profil haben. Für viele Eltern mag das heute normal sein, das ist ja auch gut so, aber bspw. meine Eltern haben das nicht und wollen das auch nicht. Für sie ist der Computer und in gewisser Weise auch das Internet ein Arbeitswerkzeug. Zur Belustigung und in der Freizeit verbringen sie damit keine Zeit.

Und das ist auch gut so. Auch Eltern, die nicht selbst aktiv damit umgehen, wissen worauf es in Sachen Datensicherheit ankommt und können ihren Kindern das vermitteln. Auch sie können ihren Kindern angemessenes Verhalten im Internet beibringen, um bspw. Cybermobbing vorzubeugen. Nur weil das Internet und die digitalen Medien nicht „wieder weggehen“, heißt das ja nicht, dass man sie zwingend nutzen muss. Selbstverständlich sollte man aber natürlich theoretisches Basiswissen darüber bzw. über soziale Netzwerke im Allgemeinen haben, doch das ist heutzutage ja schnell erworben.

Was gehört noch zur Medienkompetenz?

Social Media sind ja gut und schön. Ich finde es aber mindestens genauso wichtig, dass Kinder auch in der digitalen Welt, in der wir heute leben, noch lernen, wie man Dinge in einem Wörterbuch oder Lexikon aus Papier nachschlägt. Wie eine Zeitung aufgebaut ist. Und dass sie am Computer nicht nur wissen, wie man in’s Internet kommt, sondern auch, wie man Textverarbeitungsprogramme nutzt, wie eine Präsentation erstellt, Dateien speichert und sichert. Dass sie Hörspiele hören und Bücher lesen, denn auch das sind Medien im weiteren Sinne.

Dass Kinder auch einen kritischen Blick auf die Medienlandschaft werfen können. Was ist guter Print-, Radio-, Fernsehjournalismus, was sind einfach nur aufgebauschte Spekulationen, was sind völlig inhaltsleere Sendungen?

Und ich meine, eigentlich der wichtigste Aspekt der Medienkompetenz ist der, die Medien auch einfach mal weglegen zu können und sich dessen bewusst zu sein, dass das Internet und die Sozialen Medien immer nur Ergänzung zum realen (sozialen) Leben sein können und nie als Ersatz dafür herhalten sollten. Gerade das können und müssen Eltern ihren Kindern vorleben – indem auch mal einen Tag lang der Laptop ausbleibt, sich mit Freunden getroffen, draußen gespielt und einfach Zeit zusammen verbracht wird. Ist doch eigentlich ganz einfach.

 

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