gedENKEn – Ausstellung zum 5. Todestag Robert Enkes

Heute ist der 10. November und damit der Tag, an dem sich vor fünf Jahren Robert Enke das Leben genommen hat. Schon letztes Jahr und einige weitere Male seitdem habe ich hier darüber geschrieben, wie wütend und gleichzeitig traurig mich das macht: Dass Robert Enke diesen Schritt gegangen ist, weil er keinen anderen Ausweg mehr sah, dass auch Andreas Biermann im Juli dieses Jahres fühlte, diesen Schritt gehen zu müssen, und dass einfach nicht genug getan wird dafür, das Thema Depressionen (insbesondere im Fußball) zu enttabuisieren, nicht genug Vorsorge geleistet und Betroffenen nicht genug Hilfestellung gegeben wird.

Die Robert-Enke-Stiftung tut all dies. Die Stiftung, die 2010 vom DFB, dem DFL und Hannover 96 gegründet wurde und für die Robert Enkes Witwe Teresa als Vorstandsvorsitzende tätig ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, zur Aufklärung, Erforschung und Behandlung von Depressionen beizutragen. Sie fördert Projekte und Studien, führt Tagungen und Seminare durch und unterstützt andere Einrichtungen, die ebenfalls diesen Aufgaben nachgehen – sowohl für den Bereich der Depressionen als auch für Herzkrankheiten von Kindern, was ein Wunsch von Teresa Enke war. (Lara, Tochter von Teresa und Robert Enke, wurde 2004 mit einem Herzfehler geboren. Sie starb 2006).

Die Stiftung ist vor allem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit aktiv und will gezielt Depressionen im Leistungssport thematisieren – ein Gesellschaftsbereich, an dem die immer besser werdende Betreuung und Versorgung psychisch Kranker in Deutschland vorbeizugehen scheint.

Im Rahmen dieser Ziele und anlässlich des 5. Todestages Robert Enke am 10. November veranstaltet die Stiftung zusammen mit dem Landesmuseum in Hannover eine Aufklärungs- und Erinnerungsaustellung unter dem Motto „gedENKEn“. Es werden viele persönliche Ausstellungsstücke und Gegenstände aus Teresa Enkes Privatbesitz gezeigt, Trikots von Enkes Zeit in Lissabon, Barcelona, Teneriffa und Hannover, Medaillen und sportliche Auszeichnungen, aber auch private Fotos und Enkes Abiturzeugnis. In der Erlebnisausstellung „GRENZen erLEBEN“ sollen Besucher erleben, wie es ist und wie es sich anfühlt, an einer psychischen Erkrankung zu leiden. (Ausführlichere Informationen hier)

Hervorragend finde ich persönlich die Möglichkeit, die Ausstellung auch virtuell zu erleben. Fotos von Ausstellungsgegenständen können online angesehen werden, zu vielen Stücken gibt es schriftliche Erläuterungen von Teresa Enke. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich mir die Ausstellung gerne „live“ angesehen, so habe ich mich aber am Wochenende immerhin in aller Ruhe durch die Bilder klicken können. Eine sehr schöne Einrichtung!

Die Ausstellung läuft seit dem 07. November im Landesmuseum Hannover. Beschlossen wird sie am 11. November um 19 Uhr mit einer Podiumsdiskussion unter dem Thema „Robert Enke – unser Freund und Torwart“ mit Jupp Heynckes, Marco Villa und Ronald Reng. Die Diskussion wird auch online als Livestream verfügbar sein.

Depressionen im Leistungssport – wenn man sich die Liste ansieht derer, die davon betroffen sind/waren, von Sebastian Deisler über Enke, zu Markus Miller, Andreas Biermann, Ralf Rangnick mit Burn-Out, dann fragt man sich schon, warum das Thema noch immer nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es einfach braucht! Ja, viele/alle Vereine haben mittlerweile einen Psychologen mit an Bord, aber reicht das, dem ein Büro zu geben und den Spielern zu sagen, geht zu ihm hin, wenn ihr Probleme habt?

Reihenweise lese und höre ich, dass sich seit Enkes Tod, nach dem von vielen Seiten viele Versprechungen und Verbesserungsvorschläge gemacht wurden, nur wenig verändert hat. Mein Gefühl ist auch, dass Depressionen in der Gesellschaft an sich immer mehr an Akzeptanz gewinnen, dass sich das Wissen durchsetzt, dass Depressionen eine Krankheit sind, unter der Betroffene stark leiden, von der sie aber auch wieder geheilt werden können. Im Fußball (oder im Leistungssport allgemein) sind sie aber noch immer ein Tabu.

Die Robert-Enke-Stiftung tut viel, um diesen Zustand zu ändern. Und das ist gut und wichtig. Diese Ausstellung ist nur ein Teil ihrer Arbeit – aber Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit auf das Thema Depressionen im Sport zu lenken, ist zunächst wohl eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt, die mit dieser Ausstellung und den begleitenden Veranstaltungen wunderbar erfüllt wurde.

NACHTRAG: Die Aufzeichnung der sehr guten Podiumsdiskussion von gestern Abend kann man in der Mediathek des NDR noch nachschauen.

Weitere empfehlenswerte Artikel:

Warum hast du nichts gesagt, Robert?“ – von Andreas Bergmann (damals Trainer bei H96), Zeit

‚Achtet aufeinander‘“ – von Holger Luhmann und Paul Willmann, Sport1

Robert und ich“ – von Florian Fromlowitz (Enkes Nachfolger im Tor be H96), 11 Freunde

Der Angstgegner“ – von Ronald Reng, SZ Magazin

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Ein Kommentar zu „gedENKEn – Ausstellung zum 5. Todestag Robert Enkes

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