Der Weg des BVB und die Haltung seiner Fans

Lieber BVB,

das gestern war ja wohl nix. Also, so gar nix. In etwa genau so wenig wie die 2. Halbzeit gegen Paderborn am letzten Samstag. Aber ich schätze mal, das wisst ihr selbst auch ziemlich gut.

BVB_22_26.11.14_vs Arsenal

Vor dem Spiel habe ich gestern Nachmittag einen Artikel der Süddeutschen gelesen, den ich am liebsten gleich von vorne bis hinten zerpflückt hätte. Allein die Aussage, außer Watzke habe wohl niemand beim BVB den Ernst der Lage verstanden, zeigt schon, wie wenig Herr Röckenhaus seinerseits den BVB versteht. Aber sei’s drum.

Dann kam das Spiel. Es war schlichtweg nicht gut. Nicht gut genug. Dennoch haben die etwa 4000 mitgereisten Fans hinterher gesungen, die Mannschaft beklatscht und diese hat sich, wie es sich gehört, in der Kurve bei ihnen dafür bedankt. Wie es Usus ist, im Fußball und vor allem beim BVB. So wie es nach den ganzen letzten Spielen der Fall war. Und auf Facebook und Twitter gab es dann Diskussionen genau darum.

Ich weiß nicht, wie Matthias Dersch diese Frage gemeint hat, ob sie ironisch gemeint war, missbilligend oder anerkennend. Es geht hier auch gar nicht um ihn, es geht um diese Tatsache, die er da in seinem Tweet benennt und die zu durchaus sehr unterschiedlichen Antworten geführt hat und die auch an anderer Stelle diskutiert wurde.

Wenn nach einer Niederlage, nach einem schlechten Spiel, die Mannschaft von Heim- oder mitgereisten Fans bejubelt und beklatscht wird, dann unterstelle ich, dass die Mannschaft genau weiß, dass sie nicht für, sondern trotz ihrer Leistung bejubelt wird. Dass die Spieler selbst am besten wissen, wann sie eine schlechte Leistung abgeliefert haben, dass es sie selbst am meisten ärgert und dass sie wissen, dass sie sich nicht auf der fortwährenden Unterstützung der Fans ausruhen können nach dem Motto, ‚die jubeln ja eh, dann brauchen wir uns ja gar nicht mehr anzustrengen‘. Und auch die Fans wissen das, erkennen, ob ein Spiel gut oder schlecht war (das spiegelt sich ja nicht immer auch im Ergebnis wieder) und jubeln nicht einfach wild drauf los (außer vielleicht denjenigen, die immer noch denken, böse Mächte oder der Fußballgott hätten da ihre Hände im Spiel gehabt, dem BVB die ganzen Verletzungen geschickt und nur deswegen steht der Verein momentan so schlecht da).

Auch die Fans werden kritischer und natürlich muss und darf man als Fan Kritik äußern, ohne deswegen gleich als ‚Erfolgsfan‘ ‚beschimpft‘ zu werden. Natürlich darf man die Dinge beim Namen nennen und es ist nunmal so: Es sind nicht die bösen Mächte oder einfach nur Pech, die zu dieser Situation geführt haben, sondern zu einem großen Teil hat sich die Mannschaft das selbst zuzuschreiben. Aber ihr deswegen jetzt die Unterstützung versagen? Zu schweigen im Stadion, kein Wort zu sagen, nicht zu singen und zu jubeln (wie gestern bei den Arsenal-Fans festzustellen war: You don’t even sing when you’re winning), vielleicht sogar zu pfeifen, offen zu zeigen, wie wenig man von den Leistungen und Ergebnissen und von der Mannschaft hält? Das bringt doch gar nichts. Wenn eine Mannschaft die eigenen Fans nicht mehr hinter sich weiß, vielleicht sogar gegen sie spielen muss, wie soll es dann besser werden?

Zumal eine Mannschaft wie der BVB. Die seit Jahren auf die treue Unterstützung ihrer Fans bauen kann. Als Jürgen Klopp nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale im Mai sinngemäß so etwas sagte wie, der BVB sei anders als andere Mannschaften (respektive Bayern München) und das sei gut so, da sei man zu Recht stolz drauf, da haben ihm alle zugestimmt, diese Worte wurden sehr positiv aufgefasst. Und ja, der BVB ist anders: Gerade von den Bayern kennt man es, wo die erfolgsverwöhnten Fans schon ein Unentschieden als Niederlage auffassen, pfeifen und das Stadion von Spielende verlassen. Die Schalker haben bereits (wieder einmal) ihren Trainer entlassen, obwohl sie punktemäßig in der Bundesliga um einiges besser dastehen. Beim BVB gibt es weder das eine noch das andere.

Daraus aber zu schließen, dass man beim BVB nicht versteht, wie ernst es um sie bestellt ist, dass man die Lage verkennt und völlig entspannt einfach so weiter macht wie bisher, ist völliger Blödsinn – egal, ob er von Fans oder von Journalisten geäußert wird. Das hat auch Watzke am Sonntag und Montag bei der Mitglieder- und der Aktionärsversammlung betont. „Wir sind nicht gelassen. Aber wir bewahren die Ruhe.“ Er hat sehr deutliche Worte gefunden, hat Kritik geübt und Forderungen gestellt: Wer meint, man könne Fußball verwalten, sagte er, sei bei Borussia Dortmund an der falschen Adresse. Blut, Schweiß und Tränen wolle er sehen, denn der Weg des BVB sei schon immer von mehr Schweiß getränkt als anderswo, das zeichne den Verein aus und das sei es, weswegen die Menschen im Ruhrpott sich mit ihm identifizieren. Große Worte, ein bisschen pompös – aber zutreffend. Und fast im gleichen Atemzug hat Watzke auch die Unterstützung durch und den Zusammenhalt in der BVB-Familie gelobt.

Und das ist der einzig richtige Weg. Wenn ich Kommentare lese, die darauf abzielen, es gehe alles den Bach runter, es müsse endlich was getan werden, die Mannschaft kämpfe nicht, Klopp finde keine Mittel, etc. pp – wie kann ich mir als Fan, als jemand, der den Verein mag, vielleicht liebt, der aber immer, immer aus einer außenstehenden Position beobachtet, anmaßen zu glauben, dass innerhalb der Vereins nicht alles Menschenmögliche getan wird? Wie kann ich, als Fan des BVB, schreiben, die Mannschaft schuldete ihren Anhängern eine Siegesserie?

Der Verein schuldet mir gar nix. Wenn mir nicht passt, was dort läuft, kann ich doch gehen, mir einen neuen Lieblingsverein suchen oder auch nicht. Genau so wenig wie ich dem Verein etwas schulde. Aber wenn man (s)einen Verein liebt, dann steht man auch und gerade in schwierigen Zeiten dazu. Dann übt man Kritik, dann spricht man an, was schief läuft, und tut als Fan und Zuschauer seinen Teil dazu, dass es wieder besser geht. Dieser Anteil ist vielleicht gering, denn letzten Endes muss die Mannschaft selbst einen weg raus finden. Aber man zweifelt nicht daran, dass die Mannschaft dies vielleicht nicht tut. Man maßt sich nicht an, besser Bescheid zu wissen, als Trainer, Spieler und sonstige Verantwortliche, denn das kann man nicht.

Interessant ist aber, dass unter den Fans vor allem zwei Lager existieren: Diejenigen, die mit „Echte Liebe“ jegliche Kritik abschmettern und gar nicht zulassen, und diejenigen, die lautstark kritisieren, Mannschaft, Trainer und den gesamten Verein, die fordern, die besser wissen und die „Echte Liebe-Fans“ mundtot machen wollen. Keines davon halte ich für richtig.

Ich finde es gut und richtig und wichtig, dass die BVB-Fans im Stadion nach wie vor offen ihre Sympathie und Unterstützung zeigen. Ein Pfeifkonzert würde nichts besser machen. Öffentliche Wutausbrüche oder gegenseitige Beschuldigungen seitens des Trainers oder anderer Verantwortlicher auch nicht. Ich glaube, es kann nur über diesen Mittelweg gehen: Kritik ja, natürlich, in angemessener und konstruktiver Form, und dennoch weiterhin Unterstützung. So, wie es Watzke in seinen Reden getan hat (Mitgliederversammlung | Aktionärsversammlung). Das ist für mich der Weg des BVB und der einzige, auf dem man aus dieser Situation wieder rauskommen kann.

BVB_23_26.11.14_vs Arsenal© Borussia Dortmund

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