Ein Tweet und seine Folgen: Die Exklusiv-Meldung der Ruhrnachrichten zur Vertragsverlängerung von Reus auf Twitter

Heute ist es zwei Wochen her, dass die Ruhrnachrichten auf Twitter mit einer Exklusiv-Meldung für Aufsehen sorgten: Es gebe eine „Wende“ in den Vertragsverhandlungen zwischen Reus und dem BVB, eine Verlängerung seines Vertrages sei sehr wahrscheinlich.

„Hell broke lose“ nach dieser Ankündigung, wie nicht anders zu erwarten, und schnell, sehr schnell verbreiteten sich diese Informationen weiter. Aber auch Falschmeldungen waren im Umlauf, was mich letztlich zu einer schnellen Übersetzung des Ruhrnachrichten-Artikels in’s Englische bewegte.

Da ich im nun beendeten Semester ein Seminar zum Thema Social Media belegt hatte, ich am nächsten Tag als Teil einer Gruppe eine Analyse von Twitter-Daten zum CIA-Folterreport vorstellen würde und auch eine Hausarbeit über die Social Media-Arbeit von Fußballvereinen zu schreiben plante, fand ich neben der eigentlichen Meldung die Dynamik auf Twitter rund um dieses Thema sehr interessant und habe kurzerhand die Tweets gesichert. Das ist mit einem speziellen Programm recht easy, weil ich abends aber noch einen Termin hatte, habe ich lediglich die Daten von knapp zwei Stunden gesichert, die aber schon sehr aufschlussreich waren. Diese habe ich einer schnellen Untersuchung unterzogen und werde einige Erkenntnisse daraus hier nun vorstellen.

Gesichert habe ich alle Tweets von 16:33 Uhr, als der erste Tweet von den Ruhrnachrichten dazu abgesetzt wurde (s.o.) bis 18:23 Uhr. Das sind 8411 Tweets. Gesichert wurde unter dem Suchbegriff „Reus“, die 8411 Tweets enthalten also alle diesen Begriff.

Zunächst ein Blick auf die Strukturen, die der Gesamtmenge von 8411 Tweets zugrunde liegen: Darin enthalten sind 1429 Tweets, die abgesetzt wurden, und 257 Antworten auf andere Tweets. Den größten Teil machen die sogenannten Mentions aus, von denen es 6725 gibt. Leider schlüsselt das Programm, mit dem ich hier gearbeitet habe, diese nicht genauer auf: Retweets und Erwähnungen, wie beispielsweise die Nennung von @rnbvb als Quelle am Ende eines Tweets werden hier zusammengefasst.

Als Nächstes habe ich mir die Anzahl der Retweets angesehen, um einen Eindruck zu bekommen, welche Informationen wie stark weiter verbreitet wurden. Der obige Tweet der Ruhrnachrichten wurde 324 Mal retweetet (bis 18:23, wohlgemerkt. Mittlerweile stehen dort 436 Retweets zu Buche, wobei sich aber nur noch schwer bzw. für mich mit meinen Möglichkeiten gar nicht mehr nachvollziehen lässt, wann die zustande gekommen sind).

Um 17:15 Uhr setzten die Ruhrnachrichten einen Tweet in englischer Sprache ab, dessen Link ebenfalls zu dem deutschen Artikel auf ihrer Homepage führte. Dieser Tweet wurde „nur“ noch 98 Mal retweetet. Außerdem wurde der Twitter-Account der Ruhrnachrichten, @rnbvb, 3000 Mal in Tweets erwähnt (alle Angaben immer bis 18:23 Uhr am 9. Februar).

Alle weiteren Tweets, die im genannten Zeitraum mehr als 100 Mal retweetet wurden, sind in Englisch verfasst – und fast alle enthalten falsche Informationen!

Dieser Tweet wurde um 17:27 Uhr abgesetzt und in der folgenden Stunde 415 Mal retweetet – und er ist in zweierlei Hinsicht falsch: Zum Einen hatte Reus zu diesem Zeitpunkt noch nichts unterschrieben und zum Anderen sollte nicht ein neuer Vertrag bis 2017 laufen, sondern sein aktueller (bzw. jetzt alter) Vertrag lief 2017 aus (mit der Ausstiegsklausel im Sommer 2016). Die Summe der Retweets mag hoch erscheinen, bei 390 007 Followern, die der Account zu dem Zeitpunkt hatte, relativiert sich die Zahl jedoch schnell wieder. (Die Ruhrnachrichten hatten 11 995 Follower).

Zwei weitere Tweets, von zwei unterschiedlichen Accounts, verbreiteten ebenfalls genau diese falschen Informationen und wurden 363 Mal bzw. 272 Mal retweetet. Es ist also klar, warum diese falschen Informationen so weit verbreitet waren – bei Accounts, die sich mit Transfer-Nachrichten befassen und zwischen 20 000 und 390 000 Follower haben, ist das schnell passiert.

Außerdem gab es zwei weitere Tweets, die zwar korrekt besagten, eine Verlängerung sei wahrscheinlich, aber ebenfalls fälschlicherweise angaben, eine Vertragsverlängerung würde Reus bis 2017 an den BVB binden. Diese wurden ebenfalls 162 bzw. 133 Mal retweetet.

Dieser Tweet scheint auf den ersten Blick korrekt zu sein. Folgt man allerdings dem Link, gelangt man auf eine Seite, auf der ebenfalls kommuniziert wird, Reus‘ Vertrag würde bis 2017 verlängert. Dieser Tweet wurde ebenfalls 131 Mal retweetet.

Unter den Tweets, die mehr als 100 Mal retweetet wurden, ist genau ein englischsprachiger Tweet, der korrekt ist:

Dieser Tweet von @sanborussia wurde 280 Mal retweetet, bei einer Zahl von 16 854 Followern.

Das Problem der Verbreitung von falschen Informationen (was vielen deutschen Twitter-Usern, die sich mit dem BVB beschäftigen, deutlichst aufgefallen war), lag also begründet in einigen Tweets von englischsprachigen Accounts mit einer hohen Follower-Zahl, über die sich diese Falschmeldungen natürlich schnell vervielfältigen konnten. Woher diese ihre Informationen hatten, darüber kann man natürlich nur mutmaßen, vermutlich wurden die Tweets und/oder der Artikel der Ruhrnachrichten schlicht missverstanden und/oder vom Google-Übersetzer falsch übersetzt.

Außerdem kurz erwähnen möchte ich drei Tweets von Journalisten der Ruhrnachrichten, die auf ihren privaten Twitter-Accounts ebenfalls auf ihren Artikel verlinkten: Matthias Dersch twitterte auf deutsch (47 Retweets) und englisch (35 Retweets), Dirk Krampes deutscher Tweet wurde 22 Mal retweetet. Eine zeitnahe englische Übersetzung des Artikels hätte sich bei der großen Aufmerksamkeit, die dieses Thema auf sich zog, bestimmt gelohnt ;-)

Und als Fortführung des „running gag“ um Marco Reus und den TSV Winsen (43 Retweets):

Zum Abschluss möchte ich einen kurzen Blick auf die verwendeten Hashtags werfen. Dabei betrachte ich jedoch nur die Original-Tweets (mit jedem Retweet werden die Hashtags, die in dem retweeteten Tweet enthalten sind, erneut gezählt). Dort liegen #reus mit 55-maliger und #bvb mit 43-maliger Verwendung ganz vorne. Die Kombination #reus #bvb (d.h., der Hashtag #reus taucht im Tweet vor dem Hashtag #bvb auf, wie auch im ersten Tweet der RN) wurde 37 Mal verwendet, (die umgekehrte Reihenfolge #bvb #reus „nur“ 10 Mal), #afc (Arsenal London, die (angeblich) Interesse an Reus hatten) 28 Mal.

Das soll nun erst einmal reichen und nur einen kleinen Einblick bieten in das, was man mit Twitter noch so anstellen und herausfinden kann – und wie ich einen Teil meiner Semesterferien, wenn die Hausarbeit dann ansteht, verbringen werde ;-)

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