Mit dem Interviewpartner sprechen, nicht über ihn!

Dienstagabend, zwischen 22.15 Uhr und 22.30 Uhr. Das Pokal-Achtelfinale zwischen Dynamo Dresden und dem BVB, übertragen von der ARD, ist gerade zu Ende, der BVB hat mit zwei Toren von Ciro Immobile 2:0 gewonnen. Die obligatorischen Spielfeldrand-Interviews stehen an, als erster ist Immobile an der Reihe.

Immobile samt Dolmetscher, denn der Italiener ist erst seit dem Sommer bei Borussia Dortmund, niemand kann von ihm verlangen, jetzt schon Interviews auf Deutsch zu führen. Für Julia Scharf schien das aber Grund genug zu sein, gar nicht mit Immobile, sondern nur mit dem Dolmetscher Massimo Mariotti über Immobile zu sprechen.

Ja, Ciro Immobile ist hier und wir fragen direkt mal den Übersetzer: Es war so ein ganz anderes Spiel als gegen Schalke. Warum war es zunächst sehr hart, was man ja auch in seinem Gesicht sieht?“

Ich hab gedacht, ich seh und hör nicht recht, als ich das bemerkt habe. Tatsächlich schaut auch Mariotti ein wenig irritiert drein, bevor er dann die Frage, ich nehme mal an, nicht in der 3. Person, für Ciro in’s Italienische übersetzt.

Bei der zweiten Frage geht es genau so weiter: „War es für ihn eine besondere Genugtuung, dass er erst den Schlag von Hefele bekommt und der ihm dann unfreiwillig den Pass zum ersten Tor gespielt hat?“

Liebe ARD, liebe Sportschau, liebe Julia Scharf: Es ist in allerhöchstem Maße unhöflich und, finde ich zumindest, ganz schlechter Stil, einfach über jemanden zu sprechen, wenn der direkt daneben steht. Auch, wenn die Kommunikation über einen Dritten gehen muss, weil man keine gemeinsame Sprache spricht, kann man sein Gegenüber direkt und in der 2. Person ansprechen und darf es auch ruhig mal anschauen.

Zumal, was mir zunächst auch nicht so bewusst war, was ich aber nach dem Anschauen der Nachspielzeit bei BVBtotal festgestellt habe, Ciro durchaus so manche deutsche Frage versteht und ohne sie gedolmetscht zu bekommen direkt auf Italienisch auf sie antworten kann:

So vermittelt man aber jedenfalls wohl sicher kein herzlicheres und freundlicheres Bild des Deutschen. Das Interview war mindestens ein bisschen ungeschickt.

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