Das Spiel beginnt – wirklich!?

Nach dem Ende von „Wetten, dass…“ testet das ZDF auf dem Sendeplatz am Samstagabend aktuell verschiedene Formate. Der erste Test ging am vergangenen Samstag über die (Show-)Bühne: Mit „Das Spiel beginnt“ konnte das ZDF quotenmäßig ganz ordentliche Zahlen verbuchen, die Kritiken fallen jedoch zum Teil vernichtend aus.

Wieso? Nun, viele hatten die Show wohl schon im Vorhinein abgeschrieben. Einen ganzen Abend lang einem Team von Kindern dabei zusehen, wie sie gegen ein Promi-Team Gesellschaftsspiele spielen, moderiert von Johannes B. Kerner, der alleine wohl schon bei vielen für’s Umschalten sorgen würde, unterstützt von Emma Schweiger – ja, einem 12-jährigen Mädchen – als Co-Moderatorin – kann das überhaupt was werden?

Wenn man während der Sendung den Hashtag #dasSpielBeginnt auf Twitter verfolgte, konnte man nur zu dem Schluss kommen: Nein, kann es nicht.

Und in dasselbe Horn wie der überwiegende Teil der Twitterer blasen heute auch Spiegel Online, die Süddeutsche, die Welt, und vermutlich viele weitere mehr. Lediglich die FAZ lässt das ein oder andere gute Haar an der Show.

Ja, und wie war es jetzt tatsächlich? Ich muss sagen, ich fand es gar nicht so schlecht. Auch ich war von der Ankündigung, man mache eine Show mit Brett- respektive Gesellschaftsspielen, ein wenig irritiert, habe mir die Sendung dann aber eben genau aus dem Grund angesehen, um zu erfahren, wie das denn wohl funktionieren wird. Und ich meine, es hat funktioniert. Gut, Kai Pflaume als Moderator wäre mir lieber gewesen, oder meinetwegen Jörg Pilawa (nur schade, dass die beide bei der ARD sind), aber Kerner ist mir dann doch noch lieber als Markus Lanz. Emma Schweiger war eine glatte Fehlbesetzung – auch, wenn ich die Idee, einer jungen zweiten Moderatorin für grundsätzlich gar nicht so schlecht halte. Aber sie hätte zum einen viel stärker miteinbezogen werden müssen, zum zweiten wäre es schön gewesen, wenn sie einigermaßen flüssig und fehlerfrei vorlesen kann und zum dritten hat sie einfach überhaupt keine (freundliche) Ausstrahlung (das muss sie von ihrem Vater haben).

Die eingeladenen Promis – nunja, darüber lässt sich immer streiten und letztlich hängt es wohl davon ab, ob man sie mag oder nicht. Veronica Ferres mag ich nicht, Hans Sigl war sehr sympathisch und ist toll mit den Kindern/Gegnern umgegangen, Bülent Celyan ebenfalls, Kostja Ullman blieb (leider!) ein bisschen blass. Nena, die als „Expertin für Luftballons“ zwischendurch einmal reinschaute und auch ihren neuen Song präsentieren durfte, war zwar aufgedreht wie eh und je, schien aber ebenfalls einen guten Draht zu den Kindern zu haben, deren Team sie unterstützte.
Die Kinder fand ich nicht übertrieben arrogant, sie waren teils ein wenig unsicher, teils aber auch sehr selbstbewusst, was aber jeder, der in irgendeiner Form schonmal mit Kindern zu tun hatte/hat, auch hätte sehen können/müssen, anstatt sie als überheblich abzukanzeln.

Die Spiele waren eine Mischung von wirklich klassischen Spielen wie „Memory“, „Mikado“ oder „Spitz“, pass auf und „etwas“ „moderneren“ wie „Looping Louie“ oder „Rush Hour“. Es spielten in der Regel ein bis drei Vertreter jedes Teams, wobei die Promis sich selbst melden durften, die Kinder jeweils von Kerner aufgerufen und wohl schon im Vorhinein ausgewählt worden waren. Bei einigen wurde Technik zuhilfe genommen, „Memory“ bspw wurde elektronisch auf dem Studioboden gespielt, mit Karten, die sich durch Draufhüpfen umdrehten, viele in vergrößerter Version nachgebaut („Looping Louie“, „Rush Hour“, „Spitz, pass auf“), „Mikado“ und „Vier gewinnt“ wurden dagegen in Originalgröße bespielt.

TV/ Das Spiel beginnt!

 

Zwischendurch gab es immer mal wieder Längen, „Trivial Pursuit“ beispielsweise zog sich ziemlich, andere Spiele gingen erfreulich schnell und unkompliziert über die Bühne. Insgesamt dauerte die Show, die sich ja wohl hauptsächlich an Familien richten soll, erheblich zu lange: Erst um 23.15 Uhr war Schluss – was bedeutet, dass Eltern mit kleineren Kindern entweder den ganzen Sonntag unleidliche, weil unausgeschlafene Kinder ertragen oder einen Kampf um das Zubettgehen trotz noch nicht beendeter Sendung ausfechten mussten. Eine Stunde kürzer, mit weniger Spielen oder schnelleren Spieldurchläufen, hätte der Show sicherlich nicht geschadet.

Dass die Sendung auf Twitter durchfiel, ist eigentlich kein Wunder, wenn man sich anschaut, wer der übliche Twitternutzer ist. Ich glaube, diese Show funktioniert am besten bei Familien mit Kindern zwischen 5 und 12-14. Bei älteren Kindern ist dann das gemeinsame Fernsehgucken mit den Eltern am Samstagabend doch sowieso schon fast verpönt. Meine Eltern und ich haben uns jedenfalls streckenweise sehr gut amüsiert, der Rest war auch solide Unterhaltung – Bruder 3 (fast 12) fand’s so schlecht, denke ich, auch nicht, aber das auch zuzugeben, ist ja nochmal was anderes. Für diese Zielgruppe, wie gesagt, dürfte die Sendung dann aber auch gut und gerne mindestens 45 Minuten kürzer sein.

Wenn man mit schon vorgefertigter Meinung eine Sendung anguckt, dann kann das nichts werden, das stimmt wohl. Vielleicht muss man sich manchmal aber auch einfach darauf einlassen. Mit einigen Veränderungen kann ich mir diese Show schon dauerhaft im ZDF vorstellen. An die Hochzeiten von „Wetten, dass“ wird sie wohl nie rankommen, aber ganz ehrlich, die Frage ist doch, ob man das mit irgendeiner Show überhaupt noch schaffen könnte!?

Das nächste Format, das das ZDF testen will, hat seine Premiere ausgerechnet am 1. April: In „Das große Schlüpfen“ kann man live dabei zuschauen, wie Riesenschildkröten und andere Tiere ihre Eier ausbrüten. Ich wage nicht, irgendwelche Prognosen abzugeben. Kann das klappen?

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