British Drama – Barnaby und Co.

Der heutige Post fällt ein bisschen aus dem Rahmen, weil die Serien, die ich hierin kurz vorstellen möchte, sich nicht so ganz einreihen in die bisherigen. Dennoch gehören sie für mich, wenn ich an englische Serien denke, einfach dazu.

Den heutigen Beitrag könnte man vielleicht eher mit British Mystery Dramas überschreiben, denn es geht um die werten Herren Inspector Barnaby, Lewis, Gently und Lynley. Haben die Engländer ein Faible für Polizisten? Vielleicht. Ich habe es jedenfalls definitiv.

Midsomer Murders„, wie die Serie um Inspector Barnaby auf Englisch heißt, war eines der allerersten englischen Programme, die ich gesehen habe, einige Zeit auch das einzige. Worum es geht, ist schnell erzählt: Detective Chief Inspector Barnaby klärt in mittlerweile 17 Staffeln Mord- und andere Kriminalfälle in dem fiktiven County Midsomer auf. Die Region besteht aus lauter kleinen Dörfern, jede Episode führt den Inspector in ein anderes, aber irgendwie kennen sich die Leute doch alle gegenseitig.

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Dem DCI, in den ersten 13 Staffeln Tom Barnaby, seit Staffel 14 ist es sein Cousin John Barnaby, steht dabei selbstverständlich immer ein Sergeant als Assistent zur Seite, der mal etwas sehr vertrottelt, mal auch etwas hilfreicher daherkommt.

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Midsomer Murders ist einfach herrlich englisch. Andauernd findet in irgendeinem der Dörfer eine Charity-Veranstaltung statt, ein Gartenwettbewerb, sportliche Wettkämpfe oder einfach ein Dorffest. Barnabys Frau Joyce ist meistens in irgendeiner Weise in die Organisation der Veranstaltung involviert und der Fall hat selbstverständlich auch immer etwas damit zu tun. Das ganze Setting ist geradezu malerisch, alles sehr friedlich – bis auf die Mordfälle, natürlich. Das ganze gemixt mit viel britischem Humor – und die Serie läuft und läuft und läuft.

In England tut sie das auf ITV, aufgrund der hohen Anzahl bereits gesendeter Episoden kann man auch eigentlich jede Woche eine alte Folge auf ITV 3 finden. In Deutschland wird die Serie auf ZDF bzw. ZDFneo ausgestrahlt.

Mittlerweile etwas lieber als Barnaby mag ich persönlich Inspector Lewis. Diese Serie, ebenfalls von ITV, spielt in Oxford. Es ist alles etwas weniger idyllisch als bei Midsomer Murders, weniger ländlich, aber immer noch ‚very british‘. Die Serie ist ein Spin-Off von Inspector Morse, was ich jedoch noch nie gesehen habe.

In Oxford ermitteln DI Lewis, nach dem Unfalltod seiner Frau alleinstehend und ein Workaholic, und sein Kollege DS James Hathaway, der eher zurückhaltend, aber sehr scharfsinnig ist (und der mich, btw, so oft so sehr an Sherlock bzw. Benedict Cumberbatch erinnert, dass es schon fast irritierend ist – siehe dazu das zweite Lewis-Video).

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Häufig sind die Fälle im Umfeld der Universität angesiedelt, was immer wieder zu kleineren Konflikten zwischen den Ermittlern (insbesondere Lewis findet die Universitätsangehörigen zu arrogant) und den Akademikern, die ihre Arbeit von den Polizisten gestört und nicht genug gewürdigt sehen, führt. Viel mehr als bei Midsomer Murders spielen hier, zumindest unterschwellig, immer wieder mal sozialkritische Aspekte eine Rolle, sowie zwischenmenschliche Beziehungen, die sowohl Lewis als auch Hathaway manchmal schwerzufallen scheinen.

Die mittlerweile 8 Staffeln werden in Deutschland ebenfalls auf ZDF bzw. ZDFneo ausgestrahlt, in loser Reihenfolge und z.T. späterer Stunde.

Der Dritte in der Reihe ist Inspector George Gently. Von dieser Serie habe ich bislang nur sehr wenig gesehen – im letzten Jahr bin ich eher zufällig auf sie gestoßen, als einige Folgen zu später Stunde im ZDF liefen. Von der BBC-Serie gibt es bereits sechs Staffeln und ich muss unbedingt mehr davon sehen.

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Das vielleicht Besonderste an dieser Serie: Sie folgt zwar in gewisser Weise dem Muster von Midsomer Murders und Lewis, in dem es einen DI Gently und seinen Assistenten DS John Bacchus gibt, die eben reihenweise zusammen ihre Fälle in Nordengland lösen, aber die Serie spielt in den 60er Jahren. Damit ist auch der Grundstein gelegt für eine Reihe von Themen, die in den Episoden angesprochen werden: Die Todesstrafe ist noch nicht abgeschafft, der zweite Weltkrieg noch nicht allzu lange vorbei, politische Themen der Zeit werden angesprochen, von der IRA über Rassismus und Atomwaffen bis hin zur Ermordung von Martin Luther King und Enoch Powell’s „River of Blood“-Rede 1968. Nicht zu vergessen, die Musikszene der damaligen Zeit, der auch DS Bacchus mit seiner Frisur Rechnung trägt ;-)

Bei all dem bleibt die Serie jedoch ein Crime Drama, es geht zuallererst und immer um die Aufklärung eines Kriminalfalls, nur geht es eben oftmals ernsthafter und mit einigen mehr Verwicklungen vor sich als beispielsweise in Midsomer Murders.

Last but not least, wären da noch die Geschichten um Inspector Lynley – The Inspector Lynley Mysteries, wie sie im Original heißen. Die tanzen hier auch wieder ein wenig aus der Reihe, denn auch wenn alle oben genannten Serien auch auf Büchern basieren, ist hier der Fall doch nochmal ein wenig anders.

Etwa fünf der Romane von Elizabeth George habe ich bisher gelesen, auf Englisch, versteht sich. Ganz leichte Kost ist das nicht, aber mein Ziel ist es dennoch, irgendwann alle gelesen zu haben, und zwar möglichst in chronologischer Reihenfolge, da sie aufeinander aufbauen. Längst nicht alle Romane sind verfilmt worden und mittlerweile schaue ich mir nur noch die Filme an, wo ich das Buch schon gelesen habe. Andererseits gibt es aber auch Folgen, zu denen keine direkte Romanvorlage existiert. Es ist also etwas komplizierter.

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Dazu kommt, dass leider die Filme z.T. so stark abgeändert sind, dass nicht mehr viel an das Buch erinnert. Bei „In The Presence Of The Enemy“, bei dem ich mir direkt nach Beenden des Buches die Folge angeschaut habe, wurde nicht nur viel gestrichen, was ja verständlich ist, sondern bei allem, was drin geblieben ist, wurde irgendetwas verändert. Besonders spaßig fand ich das, ehrlich gesagt, dann nicht mehr.

Hier geht meine Empfehlung denn auch mehr dahin, die Bücher zu lesen, denn die sind unheimlich gut. Seite um Seite entwickelt sich die Geschichte, immer mehr Personen und Standpunkte werden eingeführt, z.T. setzt die Handlung auch schon vor dem Mord ein, dann kommen DI Lynley und DS Havers in’s Spiel, aber bis zum Schluss bleibt die Spannung erhalten – und ich liebe diesen Moment, wo sich beim Lesen, kurz vor Ende des Buches, dann alles auflöst und auf einmal alles klar wird, alle Ecken, alle Einblicke, die man erhalten hatte, sich zu einem stimmigen Gesamtbild auflösen.

Humor und Witz kommen dabei nicht zu kurz: Eine ständige Quelle zum Schmunzeln bieten die Wortgefechte von Lynley und Havers. Lynley, der einer adligen Familie entstammt und eigentlich überhaupt nicht zu arbeiten bräuchte, ist ein hervorragender Polizist und in keinster Weise arrogant oder ein Snob. Havers dagegen ist ebenfalls eine ausgezeichnete Polizistin, aber sie entstammt der working class, legt absolut keinen Wert auf Kleidung, solange sie nur irgendetwas trägt und selbst, wenn sie es nicht wollen, geraten die Beiden immer wieder aneinander, weil sie so komplett unterschiedlich aufgewachsen und verschiedene Einstellungen, Gewohnheiten und Ansichten haben. Aus genau diesem Grund ergänzen sie sich aber auch gut und zwischenmenschlich passt es, trotz aller Reibereien, auch bei ihnen.

Haben die Engländer ein Faible für Polizisten? Ich jedenfalls schon. Jede dieser Serien hat etwas, was mich fasziniert. Und das beste, vor allem bei Barnaby und Lewis, die wirklich ständig im (englischen) Fernsehen laufen: Die Folgen bauen nicht aufeinander auf, das heißt, man kann immer einfach die schauen, die gerade läuft. Und dann hat man auch nur noch selten das Problem, dass einfach immer nur Müll im Fernsehen kommt. Denn mit Barnaby, Lewis, Gently (und Lynley) ist gute Unterhaltung praktisch garantiert.

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