[Lesen]: Der Umgang des Journalismus mit dem Flugzeugabsturz

Ich möchte da eigentlich gar nicht selbst etwas dazu schreiben, denn es ist schon so viel, vielleicht zu viel, gesagt und geschrieben worden in den letzten zwei Tagen. Vieles davon war angemessen, vieles nicht, einige Reaktionen fand ich persönlich auch ein wenig übertrieben. Zwei Artikel habe ich aber gefunden, die sich mit dem Wert der Nachrichten bzw. dem Vorgehen im Onlinejournalismus bei diesem Unglück beschäftigen, denen würde ich uneingeschränkt zustimmen.

Da wäre zum einen der Bildblog, der in „Absturz des Journalismus“ viele Meldungen auflistet, die in den letzten zwei Tagen sowohl auf Onlineportalen als auch in seriösen Medien und Nachrichtensendungen gebracht wurden, und der aufzeigt, welche Grenzen dabei wiederholt und vehement überschritten worden sind.

Zum anderen ist das ein Text von Udo Stiehl, in dem er speziell auf die Nachrichten Bezug nimmt bzw. auf das, was gemeinhin und besonders in Katastrophen- oder Unglücksfällen Nachrichten genannt wird. „Die Bezeichnung Nachrichten hat ihren Wert verloren„, schreibt er. Ganz besonders unterstreichen möchte ich diesen Absatz:

Emotion überlagert Information und wird gewollt oder ungewollt zum Marketinginstrument. Das beginnt schon bei der Sprache in der Berichterstattung, die abrückt von sachlicher Darstellung und gespickt ist mit Adjektiven wie “tragisch”, “grausam”, “dramatisch” – und die Frage aufkommt, was ein Flugzeugabsturz denn wohl sonst ist. Hinzu kommen teils heuchlerisch anmutende Beileidsbekundungen, die mangels relevanter Fakten als Nachrichtenmeldung verbreitet werden.[…] Ähnliches gilt für Äußerungen von Prominenten und die sich dafür halten, nur weil sie glauben, von ihnen werde ein Statement dazu erwartet. Auf der Welle der Trauerbekundungen lässt sich vorzüglich surfen, um publikumswirksam seine menschlichen Qualitäten darzustellen – wenn auch keinerlei direkte Verbindung zum Unglück und den Opfern besteht.

Ein Phänomen, das nicht neu ist, dass bei Unglücken wie diesem die sozialen Medien förmlich von Beileidsbekundungen privater Nutzer und Prominenter überschwemmt werden – die, hundertfach geliked und geteilt, in manchen Fällen, mangels wirklicher Nachrichten und neuer Erkenntnisse, dann auch Eingang finden in Nachrichtensendungen oder -portale.

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