Überstrukturiert.

Wenn ich jetzt schreibe, dass ich ein ordentlicher Mensch bin, dann werden einige (wenige?) wohl lachen, sollten sie das lesen. Also lieber: Ich bin in manchen Dingen ein sehr ordentlicher Mensch. Ich plane und strukturiere – vielleicht nicht unbedingt gerne, aber doch oft und manchmal auch unwillkürlich. Weil ich es mag, wenn Dinge ihre Ordnung haben, zum richtigen Zeitpunkt und in immer denselben Abständen erledigt werden.

Ich plane im Voraus, oft für eine halbe bis ganze Woche, wann ich was esse – weil es mich stresst, um 14 Uhr aus der Uni zu kommen und noch nicht zu wissen, was ich essen werde, womöglich noch dafür einkaufen zu müssen. Ich putze, wasche und beziehe das Bett neu in regelmäßigen Abständen und oft auch möglichst immer an demselben (Wochen-)Tag – weil ich möchte, dass es „aufgeht“. Es kann also sein, dass ich vor meinem Kalender sitze und mir überlege, wann ich Wäsche wasche, damit ich danach noch die Bettwäsche waschen und alles abnehmen und wegsortieren kann, bevor ich dann für ein Wochenende oder länger wegfahre. Schließlich habe ich nur einen Wäscheständer und mag weder gewaschene Wäsche auf dem Wäscheständer noch ungewaschene Wäsche zurücklassen.

Ich mag es nicht, wenn Dinge, die eigentlich einen Platz in Schrank oder Regal haben, sinnlos auf dem Tisch, der Arbeitsfläche oder sonstwo herumstehen, wo sie nicht hingehören. Ich mag aufgeräumte, leere Flächen. Geschirr spüle ich, sobald so viel zusammen ist, dass es sich lohnt, dann aber so schnell wie möglich. Ich finde schiefe Handtuchstapel im offenen Küchenregal und ungebügelte Trockentücher ganz furchtbar. Gewaschene Handtücher, Kleidung und Bettwäsche und saubere Teller kommen unten unter den Stapel, neue nehme ich immer von oben herunter (bei Kleidung nicht ganz so strikt, aber ich versuche schon, nicht grade ein Teil aus der unteren Hälfte des Stapels zu nehmen). Auch in Schränken und Regalen mag ich es ordentlich – je voller sie sind, desto mehr. Geschirr, Töpfe und auch Gewürze sind auf bestimmte Art und Weise angeordnet.

Dazu kommt, dass ich viele Dinge am liebsten selbst tue – denn dann weiß ich, dass und wie sie getan wurden.

Spleenig? Vielleicht. Das alles heißt jetzt aber auch nicht, dass ich total unflexibel bin oder den Großteil meiner Zeit mit Aufräumen und Ordnung schaffen beschäftigt bin – eher im Gegenteil. Denn dadurch, dass ich für vieles Strukturen und Routinen habe, muss ich nicht lange darüber nachdenken, wann was gemacht wird. Und dadurch, dass fast alles eine feste Ordnung hat, muss ich nicht lange suchen, bis ich etwas bestimmtes finde. Und außerdem fühle ich mich wohler.

Meistens jedenfalls. Manchmal stresse ich mich auch selbst mit diesen ganzen Planungs- und Ordnungsgedanken, die sich da in meinem Kopf abspielen, oft fast unbewusst und nebenher, die sich aber manchmal auch vehement in den Vordergrund drängen. Dann fühle ich mich überstrukturiert und hätte gerne die Gelassenheit, spontaner und flexibler zu sein, und nicht schon die nächsten drei Waschladungen auf den Tag genau terminieren zu müssen.* Dann rattert es in meinem Kopf, wann mache ich das am besten, wann ist der beste Zeitpunkt für dies, und eigentlich wäre dringend jenes wieder an der Reihe. Dann wird alles aufgeschrieben, zum Teil auch in den Kalender, damit der Kopf auch wieder an angenehmere Dinge denken kann.

Aber meistens fühle ich mich so sehr wohl.  Vieles davon hat sich erst entwickelt, als ich ein halbes Jahr alleine in der Wohnung wohnte – und vieles davon ist, wenn ich zuhause bin, auch nicht so zu merken, denn dort fühle ich mich weniger verantwortlich. Zuhause bin nicht ich der Chef, zuhause reagiere ich mehr auf „Anweisungen“, als dass ich selbst Dinge initiiere. Aber in „meinen“ vier Wänden habe ich „meine“ Ordnung. Die mir gefällt, die zu mir passt und die aufrechtzuerhalten mir wichtig ist.

*So geschehen am Sonntagnachmittag, was den Anlass zu diesem Post gab.

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