Bielefeld.

Kann es sein, wie es zwischen Menschen ja auch immer mal vorkommt, dass man sich entweder auf Anhieb „riechen“ kann und sich sympathisch ist oder eben nicht, dass es so auch mit Städten geht?

Falls ja, dann ist mir das wohl mit Bielefeld so passiert. Ich fühle mich einfach richtig wohl, in der Wohnung, in der Stadt, bei der Arbeit, und bin in den Monaten, die ich jetzt schon hier bin, (deswegen?) auch mit mir selbst ganz im Reinen. Das war in Trier bei weitem nicht immer so.

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Natürlich ist Trier eine schöne Stadt und ich habe auch durchaus etwas übrig für Kultur, für alte Bauten und Architektur, für die hügelige, weinbergige Landschaft drumherum, die Mosel, undsoweiterundsofort. Aber wenn man in einer Stadt mit unzähligen UNESCO-Weltkulturerben lebt, spult man deswegen auch nicht jedes Wochenende ein Touri-Programm ab. Man wohnt halt da. Und wenn man zum hundertsten Mal an der Porta Nigra vorbeigefahren ist, ja, dann ist das eben auch nur noch ein Bauwerk mehr. Trier ist eine schöne Stadt und ich war absolut nicht todunglücklich in den drei Jahren dort. Aber ich war auch nicht sonderlich traurig darüber dort wieder wegzuziehen. Trier war definitiv nicht Heimat (die gibt es nur einmal) und Trier war und ist auch kein Ort, den ich sonderlich in mein Herz geschlossen habe.

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Da spielt natürlich mehr mit rein als nur die Stadt an sich. Wo, wie, mit wem ich dort gelebt habe, was ich dort gemacht habe… Ich war drei Jahre jünger, als ich dort hingezogen bin, ich war zum ersten Mal alleine, habe nicht mehr zuhause gelebt. War Studentin und habe auch eine Weile gebraucht, um mich in das alles einzufinden.

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Jetzt in Bielefeld dagegen habe ich schon nach ein paar Monaten das Gefühl, ich bin hier schon ewig und könnte auch ohne Probleme noch ewig weiter hier wohnen. Hier zieht mich nichts weg, ich bin rundum zufrieden und glücklich. „Du bist halt doch eine Westfälin“, wurde mir vor ein paar Tagen zu diesem Thema gesagt. Liegt es daran? Daran, dass es näher an zuhause ist, wo ich ja immer noch gerne hinfahre? Oder doch daran, dass ich älter geworden bin? Daran, dass ich hier eine andere „Funktion“ habe, nicht eine neue, junge, unerfahrene Studentin bin von vielen, sondern arbeite (wenn auch für ohne Geld), was mir alleine ja schon riesig Spaß macht?

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Oder ist es letztlich doch einfach so, dass Bielefeld mir einfach auf Anhieb sympathisch war/ist, wie manche Leute einem das eben sind, selbst wenn man sie erst ganz kurz oder nur flüchtig kennt? Wenn ja, dann ist Trier zu vergleichen mit den Begegnungen, die einem jetzt weder sonderlich sympathisch noch unsympathisch sind. Neutral, gleichgültig. Bielefeld hat eine ganz andere „Ausstrahlung“, eine andere Atmosphäre. Und das, obwohl der typische Ostwestfale oder zumindest das Klischee davon und der typische Trierer sich gar nicht so unähnlich sind.

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Die Zeit in Bielefeld jedenfalls ist (erst einmal) begrenzt. Ab April verschlägt es mich wohl (Stand jetzt) wieder in die Heimat, wo es ab Herbst hingeht, ist noch völlig offen. Mal schauen, wie die nächste neue Stadt dann auf mich wirkt.

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Ein Kommentar zu „Bielefeld.

  1. Was du über Trier schriebst, hat mich n bisschen entfernt an meine Einstellung zu Dresden erinnert. Meine ehemaligen Mitschüler haben so oft argumentiert, dass Dresden doch so schön sei, dass ich mich irgendwann fragte: „Aber wenn ihr da wohnt und das Elbufer und die barocken Gebäude jeden Tag seht, nehmt ihr diese Schönheit dann überhaupt noch wahr?“ Also halt n Stück weit dieses… „Wenn man in einer Stadt wohnt, dann spielt der ganze tolle Tourikram nicht mehr so sehr die Rolle“. Eine dieser ehemaligen Mitschülerinnen meinte auch mal, seit sie in Dresden wohnt, war sie noch nie in einem Museum da, dabei hätte sie sich so viel vorgenommen. Man möchte meinen, man hätte tausende Gelegenheiten, wenn man da wohnt, aber nein – irgendwie nicht :D Oder man nimmt sie sich nicht.
    Deswegen bin ich immer ganz froh, wenn ich hin und wieder Besuch von auswärts bekomme. Immer wenn ich jemandem Leipzig (oder auch Dresden) zeige, der noch nie dort war, nehm ich mir Zeit fürs Touriprogramm und guck mir die Ecken an, die für den Anwohner jetzt vielleicht nicht so interessant sind xD Und ich bin meinem Dozenten in der Anglistik im letzten Wintersemester dankbar, dass er uns durch verschiedene Museen und Ausstellungen geschleift hat.

    Ich denk ja, es ist ne Mischung aus älter werden und der richtigen Chemie. Als ich neu nach Leipzig kam und mich erstmal alleine zurechtfinden musste, auch wenns nur drei Stunden Fahrt bis nach Hause war, hab ich die Stadt auch echt lange nicht als eine Art „Heimat“ gesehen. Hier in Inverness war das ganz anders. Leipzig ist jetzt keine hässliche Stadt und ich mags inzwischen da sehr, sehr gerne, weil Leipzig vieles hat, was ich liebe (was nicht mal die dummen Legidioten kaputt machen können) – aber zu Anfang hatte ich dafür keine Augen. In Inverness bin ich zwar in nem komplett anderen Land und muss erstmals richtig arbeiten, aber das war bei weitem nicht so komplett überfordernd, wie in Leipzig das Studium anzutreten, erstmals alleine zu wohnen und diese ganze Umstellung vom komfortblen Schulalltag und bei der Familie zu wohnen zu „So, jetzt sei mal jeden Abend wirklich mehr oder weniger allein, schmeiß deinen Haushalt allein und erstell deinen Stundenplan allein, verwalte deine Finanzen allein, orgnisiere deine Arztbesuche allein, kneif mal die Backen zusammen und werd erwachsen.“
    Wenn man das einmal hinter sich hat, ist es wahrscheinlich einfacher, irgendwo nen Neuanfang zu wagen. ABER da muss dann trotzdem die Chemie stimmen :D Wenn ne Stadt oder ihre Einwohner halt scheiße sind, dann bringt einem auch das Erwachsen sein nichts – man fühlt sich halt nicht wohl und Zuhause.

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