British Drama – Happy Valley

Ich hatte ja versprochen, dass ich die Reihe „British Drama“ wieder aufleben lasse, wenn ich ein paar weitere Serien geschaut (und für gut befunden habe) – und jetzt ist es soweit. Die nächsten Wochen gibt es wieder jeden Mittwoch einen neuen Post.

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„Happy Valley“ habe ich zusammen mit meinen Eltern im September entdeckt und zwar auf dem WDR. Dort wurde die erste Staffel in Doppelfolgen und mit anwählbarer englischer Tonspur ausgestrahlt – perfekt für uns. So haben wir uns drei Wochen lang zusammengefunden, um die „glücklichen Gummistiefel“, wie die Serie nach einem Versprecher meines Vaters („Happy Wellies“) bei uns auch genannt wurde, zusammen zu gucken.

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© Ben Blackall/Red Production Company Limited

Im Original lief „Happy Valley“ auf BBC One und zwar schon im April 2014. Der Titel ist ein wenig irreführend, denn wenn die Kleinstadt in West Yorkshire eines nicht ist, dann glücklich. Happy Valley ist eine Krimiserie und keine für schwache Nerven. Die Serie dreht sich um Sergeant Catherine Cawood (Sarah Lancashire, „Coronation Street“, „Last Tango In Halifax“), die nicht nur im Beruf zahlreiche Probleme bewältigen, sondern auch privat mit Schicksalsschlägen umgehen muss. Ihre Tochter Becky erhängte sich vor acht Jahren nur kurz, nachdem sie ihren bei einer Vergewaltigung entstandenen Sohn Ryan auf die Welt  gebracht hatte. Ihr Vater, Catherines Ex-Mann Richard, fand sie damals tot in ihrem Schlafzimmer. Catherine zieht ihren Enkel Ryan auf, zusammen mit ihrer Schwester Clare (Siobhan Finneran, „Downton Abbey„), die gerade eine Heroin-Entzugskur hinter sich hat. Zu ihrem Sohn Daniel hat Catherine auf dessen Betreiben hin kaum Kontakt.

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© Ben Blackall/Red Production Company Limited

Gleich in der ersten Episode wird Ann Gallagher entführt. Ihr Vater hatte seinem Angestellten Kevin Weatherill eine Gehaltserhöhung verweigert und der engagierte den Bauunternehmer Ashley Cowgill, dessen Mitarbeiter Lewis Whippey und Tommy Lee Royce für die Entführung. Anns Eltern melden die Entführung jedoch jedoch erst nach einigen Tagen weil sie zuvor der Anweisung von Cowgill, nicht die Polizei einzuschalten, gefolgt waren.

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© Ben Blackall/Red Production Company Limited

Royce war gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen Drogenhandels und anderer Delikte eingesessen hatte. Er ist jedoch auch der Vergewaltiger von Catherines Tochter, was jedoch nie zur Anzeige gebracht worden war. Catherine erfährt davon über Umwege und stößt bald auch bei ihren Ermittlungen im Fall Ann Gallagher auf seine Spur. So vereint sie ein berufliches, aber auch ein persönliches Interesse daran, Royce hinter Gitter zu bringen. Royce findet heraus, dass Ryan sein Sohn ist und nimmt, unbeobachtet von Catherine, Kontakt zu ihm auf. Sie kämpft an zwei Fronten und aus unterschiedlichen Motiven gegen ihn.

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© Helen Turton/Red Production Company Limited

Kurz: Es ist nichts Glückliches oder gar Idyllisches an dieser nett in einem Tal gelegenen Kleinstadt in Nordengland. Aber die Serie ist gerade aus diesem Grund unheimlich fesselnd. Sarah Lancashire ist eine unglaublich gute Schauspielerin. Man hält Catherine zunächst für eher unnahbar und gefühlskalt, doch erst im Laufe der Staffel erkennt und erfährt man, wie sehr sie immer noch unter dem Schicksal ihrer Tochter leidet. Sie ist ganz unbestritten der Star – eine starke Frau, oft auf sich allein gestellt, die aber immer und auch in ihren verletzlichen Momenten absolut authentisch ist. Ebenfalls grandios ist Siobhan Finneran, die als Clare ihre Schwester so gut es geht unterstützt und immer wieder vermittelnd auch zwischen ihr und Ryan einspringt, zwischen denen es öfter mal knallt. Dazu kommen herrliche nordenglische Akzente, wegen derer allein ich die Serie schon liebe.

James Norton („Grantchester“, „War And Peace“) spielt Tommy Lee Royce. „8 million people are currently wishing me dead“, sagte er dem Telegraph – er ist das personifizierte Böse in dieser Geschichte. Man erfährt nicht, warum er so (geworden) ist und das macht es dem Zuschauer leicht, ihn als klaren Gegenspieler zu Catherine zu sehen. Er ist ein Drogenhändler, ein Vergewaltiger, ein Entführer, bei ihm gibt es keine Grauzonen.

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© BBC

Happy Valley ist spannend, mit hevorragenden Schauspielern besetzt – und stellenweise ziemlich blutig. Zu blutig für manche vielleicht. Es wird nichts beschönigt und es wird nichts ausgelassen – eine Polizistin wird überfahren und die Szene scheint ewig anzudauern, ein Kampf zwischen Catherine und Royce wird in voller Länge und Direktheit gezeigt. Er endet für Catherine im Krankenhaus, wo sie in Lebensgefahr schwebt, Royce muss sich mit einer unbehandelten Blutvergiftung vor der Polizei verstecken und bringt gleich noch zwei Mitwisser um, wobei er selbst ebenfalls erneut verwundet wird. Am Ende kommt es zum Showdown zwischen Royce und Catherine, in dem sie die Oberhand behält. Doch einiges bleibt dennoch offen – aktuell läuft die zweite Staffel auf BBC One (dienstags, 22 Uhr deutscher Zeit).

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© Ben Blackall/Red Production Company Limited

Zitate:
„I’m Catherine by the way, I’m 47, I’m divorced, I live with me sister who’s a recovering heroin addict, I’ve two grown-up children, one dead, one I don’t speak to, and a grand-son. It’s complicated.“

Catherine: I saw Richard. He asked me out. For a meal. Tonight. Is that all right? Can you see to Ryan?
Clare: Sure. That’s a bit mad, innit? A date with your ex-husband. Won’t the new younger model have something to say?

Aus dem Titelsong: Stuck in speed bump city/Where the only thing that’s pretty/Is the thought of getting out.

Videos:

Titelsong (weil er so wunderbar zu dieser Serie und der namenlosen Stadt passt):

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