Welttag des Buches

1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“. (In England wird der World Book Day übrigens bereits am 03. März gefeiert, weil am 23. April in England bereits St. Georg gefeiert wird.) Der Welttag des Buches hat seinen Ursprung in der katalanischen Tradition,  am 23. April Rosen und Bücher zu verteilen. Daneben ist der 23. April auch der Todestag zweier großer Dichter und Schriftstellet, Miguel de Cervantes und William Shakespeare*. Ich habe schon eine ganze Weile grobe Gedanken zu einem Post über meine Mediennutzung im Kopf. Zu Medien gehören für mich auch Bücher und so ist der heutige Welttag des Buches doch eine gute Gelegenheit, über meine (neuerwachte) Liebe zum Lesen und zu Büchern zu schreiben.

Vor einigen Wochen habe ich dieses Bild auf Instagram gepostet mit der Bildunterschrift: So muss ein Lieblingsbuch aussehen. Eselsohren und sogar einige ein- und ausgerissene Seiten. „Das Lächeln der Fortuna“ wurde alleine von mir schon bestimmt vier Mal gelesen, meine Mutter und möglicherweise auch mein Vater haben es auch schon einmal durch. Es ist mein absolutes lieblingstes Lieblingsbuch und – glücklicherweise – das erste in einer Reihe von mittlerweile fünf Büchern von Rebecca Gablé. Es gehört in das Genre historischer Romane und verbindet das Leben und Schicksal einer fiktiven Familie, der Waringhams, mit der königlichen Familie im Allgemeinen und dem Haus Lancaster vor und während der Rosenkriege im mittelalterlichen England im Besonderen. Gablé baut so viele wahre Ereignisse in ihre Romane mit ein wie nur möglich und macht in Nachworten immer deutlich, an welchen Stellen die Fiktion von der Realität abweicht. Das fünfte Buch der Reihe habe ich im Dezember zum Geburtstag bekommen und mir vorgenommen, die ersten vier alle noch einmal hintereinander zu lesen, bevor ich das Fünfte starte, wie ich es auch bei den ersten Vier getan habe. (Mittlerweile bin ich beim zweiten Band, „Die Hüter der Rose“, angekommen).

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Als ich noch jünger war, habe ich unheimlich viel gelesen. Neben meinem Bett lag in der Regel ein Stapel Bücher – weil ich zum Einen zu faul war, die bereits gelesenen zurück in das Regal zu stellen, zum Anderen aber auch, weil ich oft mehrere Bücher parallel gelesen habe. Das Internet hielt noch nicht so viele spannende Dinge bereit wie heute, Social Media gab es noch kaum und – ganz wichtiger Grund – ich habe meine kompletten Abende mit Lesen verbracht, statt wie heute britische TV-Serien zu schauen. Außerdem musste ich mich noch um keinen Haushalt kümmern, keine Wäsche machen, nicht kochen. Wenn ich überlege, wieviel ich in dem Alter zwischen 10 und 17 Jahren gelesen habe, scheint es fast, als hätte der Tag mehr als 24 Stunden gehabt.

In der Zeit in Trier habe ich nur sehr wenig gelesen. Tagsüber waren entweder Dinge für die Uni oder im Haushalt zu tun oder ich habe einfach lieber vor dem Laptop gesessen und mich auf Facebook, Twitter und Co rumgetrieben als ein Buch in die Hand zu nehmen. Und abends habe ich ferngesehen. Das wollte ich ändern, als ich nach Bielefeld gezogen bin, wo ich keine Hausaufgaben mehr zu erledigen hatte und frei hatte, sobald ich von der Arbeit zurück kam. Und das hat auch geklappt, aber zunächst musste ich fast das Lesen neu lernen – oder es mir wieder antrainieren. Ich hatte nicht das Bedürfnis danach zu lesen, wie als ich jünger war, sondern habe mich zunächst gewzungen, jeden Tag wenigstens ein paar Seiten zu lesen, um wieder „reinzukommen“.

Nach einer Weile war dann aber die Freude am Lesen wieder da und ich musste mich abends viel mehr zwingen, das Buch wieder aus der Hand zu legen, wenn es zu spät wurde. Selbst mit diesem Buch, „Das Lächeln der Fortuna“, das ich schon so oft gelesen habe, dass ich es praktisch auswendig kann, war das so. Und obwohl – oder vielleicht genau deswegen – ich genau wusste, was wem wann passiert, bin ich erneut richtig tief eingetaucht in die Geschichte. Ich liebe es, wenn beim Lesen mein Kopfkino startet und ich alle Figuren, Orte und Ereignisse förmlich vor mir sehe. „Das Lächeln der Fortuna“ habe ich so oft gelesen, dass ich zu den meisten Szenen Bilder im Kopf habe, und die sind auch beim fünften Mal alle wieder erschienen. Das ist es, was ich beim Lesen am Meisten mag: Wenn in meinem Kopf der Film losgeht und ich alles, was im Buch geschieht und noch viel mehr, ganz deutlich vor meinem (inneren) Auge sehe. Bei diesem Buch fühlt es sich tatsächlich so an, als ob ich alte Freunde oder Familienmitglieder wiedersehe – warm und vertraut und einfach schön.

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Ich brauche jetzt länger, um ein Buch zu lesen, als früher. Was nur zum Teil daran liegt, dass die Bücher, die ich mittlerweile lese, umfangreicher sind als die Kinder-, Mädchen- und Jugendbücher früher, von denen ich auch mal drei an einem Tag gelesen habe. Sondern auch daran, dass es neben dem Lesen mittlerweile so viele andere Dinge gibt, die ich auch gerne machen möchte (und die Dinge, die ich nicht machen möchte, die aber unumgänglich sind). Aber das tut der Freude am Lesen keinen Abbruch.

Und das Fazit zu all diesem Geschwafel? Es gibt keins. Außer der Tatsache, wie sehr es mich freut, endlich wieder gerne zu lesen – und wie glücklich mich meine Lieblingsbücher selbst beim x-ten Mal Lesen immer noch machen. Und dass ich glaube, dass Lesen (von guten, echten Büchern) wichtig ist, besonders für Kinder, aber auch einfach für jeden, weil es die Fantasie und die Vorstellungskraft anregt und manchmal auch eine kleine Auszeit aus der Realität darstellt, wie es kein Spiel und keine Fernsehsendung tun könnte.

In dem Sinne: Schnappt euch ein Buch, setzt euch in die Sonne und lest! Fröhlichen Welt-Buch-Tag!

*Anlässlich des 400. Todestags von William Shakespeare sendet BBC Two im Rahmen des BBC Shakespeare Festivals heute Abend ab 21.30 Uhr (deutscher Zeit) „Shakespeare Live“ aus dem Royal Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon. David Tennant moderiert die Show, in der auch Benedict Cumberbatch, Judi Dench, Joseph Fiennes, Tim Minchin u.v.m. auftreten werden und in der Shakespeares Leben, sein Werk und sein Einfluss auf jegliche Formen der Kunst, vom Theater, über Oper und Jazz bis hin zu Musicals gewürdigt werden sollen. Ich habe nicht ohne Grund im Englisch-Abitur die Shakespeare-Klausur gewählt – wer auch Interesse hat, die Sendung zu sehen, kann das aus Deutschland über www.filmon.com.

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