Gelesen – 02/2017

Ich bin noch das eine Buch schuldig, das ich im Februar zu beenden geschafft habe. Heute ist immerhin schon der fünfte Tag im März (und auch der ist bald schon zu Ende), aber eher habe ich es leider nicht geschafft. Die vergangene Woche war zwar schön, aber auch sehr voll und weil ich zuhause war und nicht so viel wie geplant für meine Hausarbeit tun konnte, habe ich jetzt das Wochenende hier in Münster quasi durchgängig am Schreibtisch verbracht. Zurück zum Thema.

P.D. James: A Certain Justice
Penguin Books

Ein Krimi, der schon einige Zeit in meinem Bücherregal stand und jetzt endlich an der Reihe war. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch nicht vor mittlerweile langer Zeit aus dem Regal meiner Eltern entwendet habe, denn ich habe einen Zettel mit einer handschriftlichen Entschuldigung eines meiner Brüder darin gefunden (wie wir sie früher unseren Eltern immer geschrieben haben, wenn wir Mist gebaut hatten und es einfacher war, das schriftlich einzugestehen als es laut auszusprechen). Im Kopf hatte ich allerdings, dass ich auch dieses Buch von meiner Patentante bekommen hatte.

Wie dem auch sei: P.D. James ist bzw. war eine sehr bekannte englische Krimi-Autorin, die einen Bestseller nach dem anderen veröffentlichte. „A Certain Justice“ erschien 1997 und das merkt man dem Buch natürlich an einigen Stellen an, zum Beispiel wenn die Sekretärin einen „typewriter“ benutzt. Dem Krimi und dem Fall und der Spannung tut das aber natürlich keinen Abbruch.

Und spannend ist „A Certain Justice“ ohne Frage. P.D. James wird nicht umsonst auch die „Queen of crime novels“ genannt. An einigen Abenden konnte ich das Buch wirklich nur schwer aus der Hand legen. Wirklich interessant fand ich speziell, was man als Leser quasi nebenbei über das englische Rechtssystem erfährt. Für einen Briten ist das natürlich sicherlich weniger neu, als es für mich war, aber wenn Lesen nebenbei auch noch (inhaltlich) bildet, ist das ja nie verkehrt.

Zum Inhalt: Venetia Aldrige ist eine erfolgreiche Anwältin. Zu Beginn des Buches verteidigt sie Garry Ashe, dem vorgeworfen wird, seine Tante umgebracht zu haben. Wenige Wochen später taucht Ashe zusammen mit Venetias Tochter Octavia nach einem weiteren gewonnenen Fall im Old Bailey vor ihr auf und die Beiden verkünden, dass sie verlobt sind und bald heiraten wollen. Kurze Zeit später wird Aldridge tot in ihrem Büro aufgefunden.

Adam Dagliesh und sein Team – die Hauptpersonen in P.D. James‘ Romanen bzw. die ermittelnden Polizisten – übernehmen den Fall. Und es wird spannend: Viele Personen haben ein Motiv, denn Aldridge war zwar erfolgreich und vielfach bewundert, aber nicht unbedingt beliebt. Viele haben aber auch ein Alibi. Nur wenig später geschieht ein zweiter Mord und dann wird die Zeit langsam knapp, denn ein Mörder ist auf freiem Fuß in London (und Umgebung) unterwegs.

„A Certain Justice“ war eine sehr kurzweilige Lektüre, eben weil der Fall sehr spannend und lange Zeit sehr undurchsichtig blieb. Bis kurz vor dem Ende hatte ich keinen blassen Schimmer und auch keinen wirklichen Verdacht, wer der Täter gewesen sein könnte. Allerdings habe ich den Krimi im Hinterkopf immer mal wieder mit den Romanen von Elizabeth George verglichen. Beide Autorinnen haben einen wunderbaren, gut lesbaren Schreibstil und beide wissen, wie man Spannung erzeugt und hält.

Aber etwas hat mir in „A Certain Justice“ gefehlt: Die Nähe zu den Personen. Die Perspektive, aus der erzählt wird, wechselt oft, aber keinem der Personen kommt man als Leser bzw. kam ich wirklich nahe. Man erfährt jede Menge über sie, ihre Vergangenheit, kennt ihre Gedanken und auch ihre Gefühle, die Autorin beleuchtet viele Aspekte und beschreibt daneben außerdem sehr bildlich Landschaften, Gebäude und das Leben in London. Aber alle Personen, durch die Bank, blieben dennoch irgendwie blass. Niemandem habe ich mich wirklich verbunden gefühlt, mit niemandem wirklich mitgefiebert, niemandem stand ich wirklich ablehnend oder sympathisch gegenüber.

Das mag gewollt sein – und falls es so ist, dann ist es wirklich gut gelungen – oder es mag auch nur mein persönliches Empfinden sein. Gestört hat es mich aber schon ein wenig. Ich würde gerne den Test machen mit einem weiteren von P.D. James‘ Romanen (und werde dazu mal zuhause im Bücherregal stöbern, ob sich dort noch weitere Bücher von ihr finden lassen), ob dieses Gefühl anhält oder ob es sich nur auf diesen einen Fall beschränkt. Momentan würde, müsste ich zwischen Elizabeth George und P.D. James vergleichen und entscheiden (und der Vergleich liegt einfach sehr nahe: Zwei englische Krimi-Autorinnen, mit reihenweise Büchern über/mit demselben Inspektor, spielend in London), meine Wahl auf George fallen, weil ich mich den Personen – sowohl Polizisten als auch Tätern, Opfern usw. – näher fühle, das Gefühl habe sie besser zu kennen.

Spannend, wie gesagt, war aber auch „A Certain Justice“, sehr sogar und das ist bei einem Krimi schließlich erst einmal die Hauptsache.

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