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Semesterferien sind was Tolles. Dachte ich mal. Man geht nicht zur Uni, man hat viel Freizeit, man kann ganz viel schaffen. Dachte ich mal. Das war in etwa vor Beginn meines (ersten) Studiums. Mittlerweile bin ich natürlich eines Besseren belehrt worden – und dennoch habe ich mir auch für diese Ferien wieder eine lange to do-Liste geschrieben. Die noch immer zum größten Teil unbearbeitet ist, denn ich war gefühlt einfach ständig unterwegs.

Irgendwie waren diese Semesterferien für mich dreigeteilt. Im ersten Teil war ich viel zuhause: Meine Mutter war frisch operiert und dadurch etwas eingeschränkt und ich war zweimal jeweils eine knappe Woche zuhause. Zur Uni musste ich ja nicht und zur Arbeit bin ich dann mit dem Auto von zuhause aus gefahren. Das klappte ganz gut, war auch irgendwie nett und wenn man einspringen und etwas unterstützen kann, dann macht man das ja auch. Kein Ding.

Im zweiten Teil bin ich ebenfalls drei Tage die Woche in’s Büro gegangen – und den Rest der Zeit saß ich an meiner Hausarbeit. Die war wirklich irgendwie sperrig und störrisch und wollte lange gar nicht so wie ich. Es war tatsächlich ein bisschen ein Kampf, die Arbeit so hinzukriegen, wie ich sie mir vorstellte, bzw. bis ich am Ende mit meinem Geschreibsel doch einigermaßen zufrieden war. Das war das erste Mal für mich, dass eine Hausarbeit für mich in gewisser Weise Stress war. Stress, den ich mir zum überwiegenden Teil selbst gemacht habe, weil meine Ansprüche an mich selbst eben hoch sind. Am Ende war dann aber natürlich doch alles gut und passend und pünktlich fertig.

Im dritten Teil hatte ich dann, nach der Abgabe der Arbeit, noch knappe drei Wochen Zeit bis zum Semesterstart. Freie Zeit, in der ich die to do-Liste abarbeiten könnte. Weil mein Umzug nach Münster „auf Raten“ und immer nur Stückchen für Stückchen und dabei mitten im „Betrieb“ und Alltag stattgefunden hatte, standen da auf der Liste auch einige Dinge, die ich in der Wohnung noch verändern wollte: Die Schubladen aufräumen und sortieren, in die ich erst einmal einfach alles verstaut hatte, damit es aus dem Blick war. Bücher und CDs sortieren, die ich ebenfalls einfach ohne Verstand und System irgendwie in’s Regal gestellt hatte. Zuhause standen noch Umzugskisten, in Trier gepackt, mit Sachen, die ich in der Zwischenzeit nicht gebraucht hatte oder nicht hatte brauchen können, und ich wusste schon gar nicht mehr, was da überhaupt noch wo drin war. Die wollte ich durchgucken und nach Möglichkeit auflösen. Arzttermine wollte ich mir in diese Zeit legen. Einige Dinge waren am Rechner zu erledigen und Strickprojekte hatte ich auch.

Dachte ich. Aber in den letzten Wochen habe ich gefühlt die Hälfte meiner freien Zeit, also wenn ich nicht im Büro war, in Zügen verbracht. Na gut, ich übertreibe etwas. Aber ich bin wirklich noch einmal viel mehr durch die Gegend gefahren als vorher schon. Das letzte Wochenende war das erste seit sieben Wochen, das ich komplett in Münster verbracht habe. All die Wochenenden vorher stand immer zuhause etwas an, an dem ich gerne teilnehmen oder bei dem ich dabeisein wollte. Und es ist ja auch einfach und so schnell: Eben in einen Zug gestiegen, die alle naselang fahren, und eine Stunde später zuhause wieder aussteigen. Ich genieße das sehr, so flexibel zu sein und Fahrten nach Hause nicht mehr (wie noch in Trier) lange im Voraus planen zu müssen und mit großem Gepäck zu reisen, weil man gleich etwas länger bleibt, oder abzuwägen, ob sich die Fahrerei und der Spritverbrauch tatsächlich lohnen (wie aus Bielefeld). Und ich beklage mich da auch überhaupt nicht, sondern vor allem, weil ich es eben aus meinen vorherigen „Stationen“ auch anders kenne, bin ich geradezu dankbar dafür, dass ich so unkompliziert mal eben fahren kann.

Aber ich habe es auch sehr genossen, mal ein Wochenende für mich und in meiner Wohnung zu sein. Zumal die letzte und diese Woche in Punkto Fahrerei tatsächlich noch eine Steigerung waren. Am ersten Aprilwochenende war ich fast 24 Stunden „beruflich“ in Osnabrück bei einer Veranstaltung. Von Münster nach Ibbenbüren, weiter mit dem Auto nach Osnabrück, nachts zurück, den nächsten Tag wieder hin. Es hat echt viel Spaß gemacht, war aber nicht ohne. Am Dienstag bin ich für einen Arzttermin nach Hause gefahren. Am Mittwoch in die andere Richtung, wieder nach Osnabrück, wieder „beruflich“, für eine Besprechung. Am Donnerstag wieder nach Hause, ein weiterer Arzttermin, im Anschluss oben genannte Umzugskisten ausräumen und -sortieren und abends ganz spontan noch ehrenamtlich im Foto-Einsatz. Dann drei Tage in Münster. Gestern Abend für eine Arbeitskreissitzung (ich weiß nicht so ganz, wie ich da überhaupt „reingerutscht“ bin) nach Lengerich. Heute Abend für eine Probe nach Hause (da freue ich mich so sehr drauf, dass ich auch eine deutlich längere Anfahrt in Kauf nehmen würde). Und am Donnerstag dann für die Ostertage nach Hause.

Es hat alles immer zwei Seiten. Ich mag es, so flexibel und mobil zu sein. Ich sehe die Zeit im Zug als exklusive Lesezeit an, die ich mir ansonsten so nicht nehmen würde, und habe das Buch, das ich gestern beendet habe, wohl mindestens zur Hälfte in Zügen gelesen. Und natürlich ist es toll, zu Geburtstagen, Einladungen, besonderen Gottesdiensten oder einfach, weil Bruder 2 aus Amsterdam für das Wochenende da ist, mal eben fix nach Hause fahren zu können – ohne Gepäck, ohne lange Ankündigung, ohne Benzin oder Bahnticket bezahlen zu müssen. Dass das eine recht privilegierte Situation ist, dessen bin ich mir durchaus bewusst.

Auf der anderen Seite ist man irgendwie immer auf dem Sprung, immer so ein bisschen dazwischen. Gestern wurde ich gefragt, ob ich meine Semesterferien genießen würde. Was versteht man jetzt unter genießen? Ich bin nicht unglücklich und ganz sicher nicht überarbeitet und ich mag es, viel (verschiedenes) zu tun zu haben, aber ich habe in den Ferien jetzt nie wirklich mal einfach nichts getan. Und die to do-Liste ist leider trotzdem nicht wirklich kürzer geworden, denn man kommt logischerweise nicht zu wirklich viel, wenn man dauernd unterwegs ist.

In dem Sinne: Ich muss jetzt noch in die Stadt und Bücher abgeben in der Bib, Wäsche abnehmen, kochen und vielleicht noch ein paar Blog- und Facebook-Dinge vorbereiten, bis ich zum Zug muss, um zur Probe zu kommen. Langeweile kommt definitiv nicht auf.

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