… und Anfang

Zu jedem Abschied – oder zumindest zu diesem – gehört auch ein neuer Anfang. Schließlich gab es ja einen mehr als guten Grund für den Umzug und den Wegzug aus Münster. Und bei aller (anfänglichen) Wehmut fühle ich mich in meiner neuen Heimat auch seit dem ersten Tag sehr wohl.

„Von Münster nach Dortmund, das ist aber schon ein ganz schöner Unterschied, oder?“ Das haben in den ersten jetzt bald vier Monaten viele Leute hier zu mir gesagt. Und naja, in mancherlei Hinsicht ist es das tatsächlich. Ich mag Dortmund schon jetzt, ich wohne hier sehr gerne, ich bin zufrieden und genau so, wie es auch in Münster nicht schöne Ecken gibt, hat Dortmund sehr viele sehr schöne Orte. „Münster ist schön und Dortmund ist grau und hässlich“, kann man so einfach nicht sagen. Und abgesehen von Stadtbild und Architektur – ja, auch die Leute sind anders. Die Dortmunder sind, meiner ganz persönlichen Meinung und Erfahrung nach, mehr ‚Ruhrpott‘ als ‚Westfalen‘, wenn man mal bei den Klischees bleiben möchte. Und ja, natürlich, Dortmund ist viel bunter, durchmischter, multikultureller als Münster. Das ist tatsächlich ein Eindruck, den man schnell bekommt und ein Unterschied zu Münster. Was noch? Von der Rad-Infrastruktur will ich jetzt mal nicht anfangen, denn da kann eigentlich jede Stadt (in Deutschland) gegen Münster nur verlieren. Auch, wenn auch da nicht alles perfekt ist, aber wenn ich jetzt den Vergleich habe, weiß ich nicht, wie ich mich in Münster überhaupt über irgendetwas aufregen konnte in der Beziehung.

Also ja, es ist schon ein Unterschied. Aber ich meine das bewusst völlig wertfrei – es ist eine andere Stadt und natürlich sind Städte verschieden. Manchmal habe ich bei der Frage das Gefühl, die Leute erwarten, ich hätte einen Kulturschock erlitten mit meinem Umzug nach Dortmund. Dabei fühle ich mich hier seit dem ersten Tag zuhause.

Das liegt sicherlich zu einem guten Teil daran, dass ich eine wunderschöne Wohnung gefunden habe, mich so sehr darauf gefreut habe und es jetzt so sehr genieße, nach den doch sehr beengten Wohnverhältnissen in Münster jetzt so viel mehr Platz zu haben. Eine Küche, die diesen Namen auch verdient, mit einem Backofen für Aufläufe, Kuchen und all die Dinge, die ich vorher nicht machen und essen konnte. Ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer – so viel Platz für Bücher, so viel Platz für Deko. Nicht, dass ich jetzt alles zustellen und vollmüllen würde, ich genieße auch leere Flächen sehr. Aber hier habe ich das Gefühl, für alles, was mir wichtig ist, ausreichend Platz zu haben, ohne alles zu stapeln, zu falten, zu klappen und möglichst platzsparend wegzupacken und gleichzeitig so, dass man möglichst einfach schnell drankommt.

Ich bin sehr glücklich, eine Wohnung in super zentraler Lage gefunden zu haben, sodass es mit dem Fahrrad ein Klacks ist zur Arbeit und in die Stadt, zum Chor und zum Einkaufen. Nur der Weg zum Sport ist etwas weiter und dass Dortmund eine Großstadt ist, merkt man daran, dass es von einem Stadtteil zu einem anderen auch mal eine halbe Stunde Radfahrt (und länger) sein kann. Und, dass es S- und U-Bahnen gibt – auch, wenn es dann doch „nur“ Dortmund ist und nicht die Tube in London oder die Métro in Paris, fühle ich mich gleich ganz weltstädtisch, wenn ich damit unterwegs bin.

Auch bei der Arbeit geht es jetzt anders zu als vorher. Meine Aufgaben sind andere, die Abläufe sind andere, die Herausforderungen sind andere. Auch das habe ich aber ja so erwartet und finde das weder schlimm noch fand ich es schwierig mich einzufinden. Ich bin von allen Seiten sehr herzlich empfangen worden, ich habe schon so viele und lerne noch immer mehr neue Leute kennen, komme mit Themen und Projekten in Berührung, von denen ich zum Teil noch nie gehört oder keine Ahnung davon habe, aber finde es toll, neues kennenzulernen und dazu zu lernen.

Ein (neues) Privatleben baue ich mir gerade langsam auf. Auch wenn es auch aus Dortmund nur zwei Stunden Zugfahrt bis nach Hause sind, bin ich deutlich seltener dort als vorher – weil der Weg ein wenig länger ist, weil ich gelegentlich auch am Wochenende arbeite oder Termine habe und weil mir in meiner Wohnung nicht länger aus Platzmangel die Decke auf den Kopf fällt, sondern ich auch gerne einfach mal ohne Pläne hier bin, backe, in Ruhe koche und Dortmund erkunde. Seit diesem Jahr singe ich nun wieder in einem Chor, gehe zum Sport und tue mein Möglichstes, auch außerhalb der Arbeit ein paar Leute kennenzulernen – da merkt man jetzt erst einmal, wie viel leichter und schneller das im Studium ging.

Ein Unterschied? Ja, viele Unterschiede. Aber allesamt positiv – oder doch zumindest nicht negativ. Lässt man den Auszug von zuhause außen vor, war das jetzt schon mein dritter Umzug, nach Trier, Bielefeld und Münster ist Dortmund die vierte, neue Stadt, die ich alleine entdecke und nachdem mir der erste Aus- und Umzug doch (wenn auch mit Verspätung, so etwa nach dem ersten halben Jahr) noch wirklich schwer gefallen ist, finde ich es mittlerweile total schön und spannend, neue Städte und Umgebungen kennenzulernen, mit all ihren eigenen Eigenheiten, neue Gewohnheiten aufzubauen und mich einzubringen und anzupassen an das Leben in einer neuen Stadt. Es ist immer wieder ein Anfang – dem vielleicht nicht unbedingt ein ‚Zauber‘, aber doch immer viele aufregende, manchmal unverständliche, gelegentlich amüsante, aber immer schöne Momente innewohnen.

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