Betrachtungen des Lebens und der Freundschaft

Hin und wieder gibt es Situationen im Leben, da wünscht man sich, es würde einfach einmal alles glatt laufen. Keine Sorgen, keine Probleme, keine Hindernisse. Alles würde klappen wie am Schnürchen, das Leben wäre bunt und hell und einfach und wunderschön. Keine dunklen Seiten, keine schwierigen Entscheidungen. Keine Ungerechtigkeiten. Kein Unglück. Alles wäre gut. Das Leben ein Spaziergang, ein Ponyhof.

Warum kann denn nicht einmal alles so funktionieren, wie es sollte? Kein ungewöhnlicher Gedanke. Wohl kaum jemand, der sich diese Frage noch nie gestellt hat. Denn kaum jemand wird so reich von Fortuna beschenkt, dass er in jedem Moment seines Lebens zu hundert Prozent glücklich ist. Dabei müssen gar keine schlimmen Unglücke passieren, keine tragischen Vorfälle auftreten. Oft reicht auch schon ein schlechter Tag, an dem scheinbar alles schief läuft. Sich häufende kleine Missgeschicke – die runtergefallene Tasse, der verpasste Bus – ein eigentlich unbedeutender Streit mit einem lieben Menschen – weil beide wissen, dass es um eine bloße Nichtigkeit geht – eine Verkettung unglücklicher Zufälle. All das kann schon ausreichen, um in bestimmten Momenten zu denken: Warum kann denn nicht einmal alles so funktionieren, wie es sollte?

Stellen wir es uns einmal vor: Ein Leben ohne jede Sorgen. Ohne Hindernisse. Alles, was man anfängt, jeder Plan geht auf. Es gibt keine Missgeschicke, keinen Streit, keine unglücklichen Zufälle. Das Leben ein Spaziergang, ein Ponyhof.

Wer wünscht sich das nicht? Manchmal?

Es stellt sich die Frage: Warum ist das Leben nicht so? Warum gibt es diese Momente, in denen man sich am liebsten ganz weit weg wünscht, warum passieren immer wieder Dinge, die einen aufhalten auf dem Weg zu einem wichtigen Ziel?

Diese Fragen lassen sich nicht beantworten. Denn egal, ob man nun an Gott, an eine höhere Macht, oder an den Zufall glaubt – niemand von uns weiß mit Sicherheit, warum dieses oder jenes zu genau diesem bestimmten Zeitpunkt geschieht.

Doch etwas anderes lässt sich feststellen: Wäre das Leben so schillernd und leicht, dass jeder es mühelos meistern könnte – wo bliebe da die Freundschaft? Denn Freundschaft zeichnet sich doch gerade dadurch aus, an schlechten Tagen, in schweren Zeiten einander beizustehen. Freundschaft bedeutet, sich nach einem stressigen, hektischen Tag, an dem nichts so geklappt hat, wie es sollte, mit einem Menschen austauschen zu können, der versteht, der unterstützt. Freundschaft bedeutet, sich bedingungslos auf jemanden verlassen zu können. Einen Freund zu haben bedeutet, jemanden zu haben, der da ist. Im Großen wie im Kleinen. Immer.

Wozu bräuchten wir Freundschaft, wenn wir alles alleine schafften? Wenn uns alles spielend von der Hand ginge, wenn uns weder große noch kleine Unglücke widerführen? Wäre dann nicht vielmehr jeder nur auf sein eigenes Wohlergehen bedacht, nur darum bemüht, so viel Positives wie möglich zu erfahren?

Wirkliche, wahre Freundschaft besteht nicht aus den guten Momenten. Auch wenn diese natürlich viel mehr Spaß machen, wenn man sie mit Freunden und lieben Menschen teilt.
Aber wirkliche, wahre Freundschaft be- und entsteht in den dunklen Momenten. Sei es ein Tag, an dem alles schief gelaufen ist, sei es eine schwere Krankheit, die einen ereilt hat – in diesen Situationen braucht man Freundschaft, braucht man die Liebe eines anderen Menschen.

Und darum sind diese Situationen wichtig im Leben. So viel man auch über sie schimpfen mag und darf, wenn man sie erlebt – oftmals erkennt man hinterher sogar selbst, dass man aus ihnen dennoch etwas Positives mitnehmen konnte.

Wäre das Leben ein Ponyhof, es wäre langweilig. Und es wäre arm an sozialen Kontakten, an Wärme, an Freundschaft, an Liebe.

Und darum, auch wenn es manchmal schwer fällt das festzustellen und zuzugeben, ist das Leben doch genau richtig so, wie es ist.

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