Strategische Kommunikation in Studium, Job und Ehrenamt

Schon im Bachelor-Studium war es so, dass der Titel meines Studiengangs oft Fragen hervorrief. Generell können wohl die meisten Leute sich etwas darunter vorstellen, wenn man ihnen erklärt, man studiert „Medienwissenschaften“ – aber was macht man da dann eigentlich genau? Nun im Master-Studiengang ist das nicht einfacher geworden, eher im Gegenteil. Strategische Kommunikation – was soll das denn sein? Wieso studiert man das? Und wie sieht das in der Praxis aus? „Strategische Kommunikation in Studium, Job und Ehrenamt“ weiterlesen

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Facebook und Twitter

Nachdem neulich schon Instagram Thema eines Posts war, widme ich mich heute mal den anderen beiden „Riesen“ in der großen, bunten und weiten Social Media-Welt: Facebook und Twitter. Die beiden in einen Topf zu werfen, ist allerdings eigentlich gar nicht möglich. Denn sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Nutzung und Funktionsweise sehr, sondern haben auch eine deutlich unterschiedliche Anzahl von Nutzern und werden von verschiedenen Zielgruppen genutzt. „Facebook und Twitter“ weiterlesen

Instagram

Kürzlich hatten wir am Mittagstisch eine interessante Diskussion. Über Instagram. Ich bin (oder sollte ich mittlerweile sagen, war?) ein großer Fan und Freund von Instagram. Der jüngste Bruder ist dort auch vertreten, hat aber eine völlig andere Nutzungs- und Herangehensweise als ich. Dritte in unserer Diskussionsrunde war unsere Mutter. „Instagram“ weiterlesen

„Deutschland trauert.“ Über Kollektivtrauer und Medienkritik.

Ich habe gestern, als ich hier meine beiden Leseempfehlungen aussprach, geschrieben, ich wolle selbst eigentlich zu dem Flugzeugabsturz, den Folgen und der Medienberichterstattung darüber gar nichts schreiben. Nun. Das nehme ich hiermit zurück. Immerhin ist seit gestern doch schon wieder einiges passiert und in meinem Kopf geistern verschiedene Gedanken, die ich loszuwerden hoffe, wenn ich sie hier in geordneter Form niederschreibe.

Da wäre zum einen der mittlerweile so oft gehörte und gelesene Satz, „Deutschland trauert.“ Den halte ich für überzogen. Das mag jetzt hart klingen, aber: Ich trauere nicht. Ich bin fassungslos, vielleicht ein wenig geschockt, vor allem als gestern bekannt wurde, was ich mir vorher nie hätte ausmalen können: Dass ein Mensch willentlich ein Flugzeug mit 150 Menschen darin zum Absturz bringt. Das macht mich fassungslos, in Teilen auch sprachlos, das geht mir auch nah. Aber ich trauere nicht, denn ich kannte niemanden, der in diesem Flugzeug saß, kenne niemanden, der jemanden kannte, usw.

Mir persönlich geht dieser Absturz nicht näher als einer, der in Indien passiert. Als der verschwundene Flug MH370 im letzten Jahr. Als andere Unglücke, bei denen viele Menschen um’s Leben kommen. „Nur“, weil es ein deutsches Flugzeug war, das in Düsseldorf landen sollte, weil viele Deutsche darin saßen, darunter die Schülergruppe aus Haltern, was nicht allzu weit weg liegt von meinem Heimatort – „nur“ deswegen geht mir das nicht näher als andere Katastrophen.

Bin ich jetzt hartherzig, weil mich diese Kollektivtrauer, zu der man ja beinahe schon gezwungen wird, geradezu nervt? Sie nervt mich genauso wie die Kollektivfreude, die zu empfinden man ebenso „gezwungen“ wird bei dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft oder einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Vielleicht ist dazu schlicht zu wenig Nationalgefühl in mir vorhanden. Wobei das grundsätzlich auch kein Umstand ist, den ich bedaure. Ich bin betroffen, ja, ich habe Mitleid, ich nehme Anteil – aber ich persönlich trauere nicht.

Warum aber drücken das so viele Menschen so aus? Warum geht es vielen Menschen näher, wenn Schüler aus Haltern unter den Opfern sind, als wenn es Schüler aus Malaysia sind? Weil es näher an uns dran ist und weil es deswegen die Medien noch näher bringen. Weil es von den Medien viel größer gemacht wird als ein Unglück am anderen Ende der Welt, weil wir Bilder bekommen von Opfern und Angehörigen (dazu weiter unten noch mehr), viel mehr Hintergrundinfos und Geschichten, weil es schlichtweg kein anderes Thema mehr gibt. Das ist sicherlich normal, dass die Berichterstattung in diesem Fall umfangreicher ist als in anderen Fällen, aber ich bin sicher, dass genau die dazu beiträgt, dass viele Menschen „trauern“. Auch, weil ihnen genau dieser Ausdruck aus allen Medien ständig entgegengespült wird.

Die Medien sind der andere Punkt, weswegen ich das Unglück an sich stellenweise schon fast hinten anstelle. Denn die Art und Weise, wie viele Medien (nicht alle!) damit umgehen, macht mich genauso sprachlos, wenn auch aus einem anderen Grund. Und sie macht mich unfassbar wütend. Die Artikel, die ich gestern empfohlen habe, machen schon sehr gut deutlich, was da gerade alles schief läuft. Nun, nachdem die französische Staatsanwaltschaft gestern geäußert hat, dass wohl der Co-Pilot verantwortlich für den Absturz sei, nachdem sie auch seinen Namen veröffentlicht hat, dreht alles frei.

Die Unschuldsvermutung, die auch für Tote gilt, wird komplett missachtet – von vielen Medien, von vielen Blättern, auch von ausländischen. Allen voran natürlich von der BILD. Ich habe gestern auf Twitter das heutige Titelblatt gelesen und es nicht glauben können, nicht glauben wollen, dass so etwas ungehindert millionenfach gedruckt werden darf. Voller Name des Co-Piloten, Alter, ein privates Foto und eine Schlagzeile, die wirklich ihresgleichen sucht (nein, ich werde die Titelseite hier nicht zeigen.)

Die Unschuldsvermutung gilt, bis ein Mensch von einem unabhängigen Gericht nach durchgeführter Beweisaufnahme einer Tat schuldig befunden wurde. Wie und warum das auch gilt, wenn der mutmaßliche Täter bereits tot ist, wird in dem hier verlinkten Artikel dargestellt. Grundsätzlich würden vermutlich die meisten davon ausgehen, auch ich, dass ein Staatsanwalt so etwas nicht einfach ohne gute Begründung an die Öffentlichkeit bringt. Aber nachdem es am Dienstag noch hieß, es könnte womöglich Wochen dauern, bis man die Ursache kennt, sind sich am Donnerstag auf einmal schon alle einig, wie es abgelaufen ist und die einzige Frage, die noch im Raum steht, ist die nach den Motiven des vermeintlichen Täters.
Ob man den Namen des Co-Piloten, des mutmaßlichen Täters, nennen darf/muss? Diese Frage wird von Dominik Höch, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, diskutiert. Das Persönlichkeitsrecht des Co-Piloten endete mit seinem Tod. Die Privatssphäre der Eltern und Familie jedoch muss gewahrt werden, ihnen steht Anonymitätsschutz zu. Durch Nennung des Namens und Wohnorts ist der nicht mehr gewährleistet. Andererseits ist das öffentliche Interesse nach Informationen bei einem Unglück dieses Ausmaßes so groß und der Verdachtsgrad hoch, was die Nennung des Namens grundsätzlich erlaubt. Aber ist es dennoch zwingend nötig oder sollte nicht zum Schutz der Familie doch darauf verzichtet werden? Laut Höch ist das keine rechtliche, sondern eine medienethische Frage.

Bei den Attentaten in Paris waren auch Namen und Bilder der Täter bekannt. Da hat sich keine Debatte darum entsponnen, ob das denn wohl okay wäre, auch mir kam diese Frage nicht in den Sinn. Wie ich den Artikel Höchs verstehe, ist der entscheidende Punkt in diesem Fall aber wohl der Schutz der Angehörigen. Und nachdem das Elternhaus des Co-Piloten bereits von Medien umzingelt ist und von Polizisten geschützt werden muss, meine ich persönlich, dass man den Namen nicht hätte nennen sollen/müssen.

Und dann gibt es da ja noch den Pressekodex. Den ich jetzt nur schnell überflogen habe, aber schon alleine dabei sind mir diverse Punkte aufgefallen, die ganz eindeutig von Medien missachtet werden. Als da wären:
Richtlinie 4.2„Die eingeschränkte Willenskraft oder die besondere Lage solcher Personen [z.B. Jugendliche, Kinder] darf nicht gezielt zur Informationsbeschaffung ausgenutzt werden“. – Ich habe mehrfach gelesen/gehört, dass in Haltern Schülern Geld geboten wurde, damit sie mit den Medien sprechen.
Richtlinie 8.2 und 8.3: „Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich.“ und „Insbesondere in der Berichterstattung über Straftaten und Unglücksfälle dürfen Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in der Regel nicht identifizierbar sein.“ – Bilder von Opfern des Absturzes, insbesondere auch der Schüler aus Haltern, dürfen also nicht gezeigt werden, wenn sie nicht zumindest unkenntlich gemacht werden. Wer hält sich daran? So gut wie niemand.
Richtlinie 8.7: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.“ – Liegt hier eine Selbsttötung vor? Da über die Motive des Co-Piloten noch nichts bekannt ist, kann das zumindest nicht ausgeschlossen werden.

Nur ein kleiner Ausschnitt. (Der Pressekodex kann hier eingesehen werden.)

Ich verstehe, dass die Menschen Informationen bekommen wollen, um irgendwie zu verstehen, was da passiert ist und wie es dazu kommen konnte. Mir persönlich ergeht es da ja nicht anders. Aber es muss Grenzen geben bei der Berichterstattung, Grenzen, die vielen Journalisten und Redaktionen aktuell offensichtlich entfallen sind oder die sie bewusst ignorieren und übertreten. Und das macht mich zuweilen genau so fassungs- und sprachlos wie das Unglück an sich. Immer schneller immer mehr Klicks bekommen, das funktioniert, leider, mit Sensationsjournalismus, mit aufregenden Schlagzeilen, mit Bildern, mit exklusiven Inhalten am besten. Spekulationen als Wahrheiten verbreiten, löschen kann man es ja später immer noch. Dass es dann schon in den Köpfen vieler Menschen steckt und daraus nicht so leicht wieder gelöscht werden kann, wird in Kauf genommen. Und vielleicht kann und muss man hier nicht nur die Medien kritisieren, die das betreiben, sondern auch die Nutzer, die das Angebot gerne annehmen und diese Entwicklung nur weiter befördern.

Und natürlich ist das alles nicht neu. Das tritt momentan nicht zum ersten Mal auf, aber es tritt in so geballter Form auf und, das ist mein Eindruck, auch bei Medien, von denen man es allgemein vielleicht nicht unbedingt erwarten würde. Dass die Bild keinen Qualitätsjournalismus betreibt, ist ja nichts neues, aber sie ist aktuell eben bei weitem nicht die Einzige, die sich über Grenzen hinwegsetzt, sondern befindet sich da, leider, in ziemlich guter Gesellschaft.

Was dürfen Medien – in Krisensituationen?

Ein Mann betritt mit einer Waffe und einer Tasche voll Dynamit ein Museum und nimmt die sich dort befindende Museumsdirektorin, eine Schulklasse samt Lehrerin und einen Reporter als Geiseln. Der Reporter berichtet live aus dem Museum von der Geiselnahme, er führt ein Exklusivinterview mit dem Geiselnehmer für seinen Fernsehsender durch, wird Berater des Geiselnehmers und Mittler zwischen ihm und der Polizei, die vor dem Museum Stellung bezogen hat. Am Ende kann er den Täter zwar überreden, die Schulklasse frei zu lassen, doch als bis auf den Geiselnehmer alle das Museum verlassen haben, sprengt dieser sich und das Museum in die Luft.

Paris. Zwei Attentäter haben sich in einer Druckerei verschanzt und eine Geisel genommen. Ein anderer Täter ist in einen jüdischen Supermarkt eingedrungen und hat 17 Geiseln genommen. Ein Fernsehsender ruft in der Druckerei an, führt ein Gespräch mit einem der Täter und zeichnet dieses auf. Einige Stunden später ruft der Täter aus dem Supermarkt den Sender an, das Gespräch wird ebenfalls aufgezeichnet. Ein Radiosender ruft in dem Supermartk an und spricht mit dem Täter. Keines der Gespräche wird live übertragen, bei den Zugriffen der Polizei auf die beiden Tatorte sterben alle drei Geiselnehmer.

Das eine ist Fiktion, das andere Realität. Parallelen? Ich für meinen Teil habe mich am Freitagabend, als nach und nach bekannt wurde, dass diese Gespräche zwischen Journalisten und Tätern stattgefunden haben, ein wenig an den Film „Mad City“ erinnert gefühlt.

Was dürfen Medien in solchen Ausnahme-, in Krisensituationen? Igor Sahiri, der Journalist, der den Anruf in der Druckerei tätigte, sagt, er habe nur seine Arbeit gemacht, habe das getan, was die Mehrheit der Journalisten in dieser Situation getan hätten. Sahiri sagt, er habe angerufen in der Hoffnung, eine der Geiseln zu sprechen, vielleicht den Besitzer der Druckerei. Meiner Meinung nach macht es das auch nicht besser. Wenn das geklappt hätte, wie hätte der Sender dann reagiert? Hätte man dieses Gespräch eventuell live oder noch während der Geiselnahmen gesendet?

Coulibaly, der Täter aus dem koscheren Supermarkt, rief bei BFM TV an, weil er mit der Polizei sprechen wollte, antwortete aber dennoch ruhig auf die Fragen des stellvertretenden Chefredakteurs, Alexis Delahousse, der das Gespräch angenommen hatte.

Ist das vertretbar? Ist es okay, wenn Medien ihre Beobachterposition verlassen und Kontakt aufnehmen zu beteiligten Personen, sich damit ein Stück weit in die Situation hineinbegeben?
Natürlich ist das nicht vergleichbar mit „Mad City“ (Fiktion!) oder auch der Geiselnahme von Gladbeck 1988. BFM TV und Radio RTL haben in diesem Fall weder den Gegenstand ihrer Berichterstattung selbst (mit-)inszeniert, noch haben sie die Polizeiarbeit behindert. (Eher im Gegenteil: Nach dem Anruf von Radio RTL legte Coulibaly den Hörer nicht richtig auf, sodass die Polizei mithören konnte, was in dem Supermarkt vor sich ging.) Die Gespräche wurden erst nach dem Ende der Geiselnahmen und nur in Ausschnitten veröffentlicht.

Dennoch: Die Distanz zwischen den Berichterstattern und den in die Situation involvierten, ob Täter oder, wie von Sahiri beabsichtigt, Opfern, wurde verringert, jetzt im Nachhinein wird mit der Exklusivität dieser Gespräche Quote gemacht. Die Sender sind in aller Munde, weil sie am dichtesten dran waren, weil sie diese sensationellen Aufnahmen haben – und keiner scheint sich wirklich Gedanken darum zu machen, ob das in Ordnung ist.

Ich finde nicht. Auch wenn, soweit ich das beurteilen kann, kein Schaden daraus entstanden ist, meine ich, es steht den Medien schlicht nicht zu, sich auf diese Weise in das Geschehen einzumischen und davon zu profitieren, sich damit zu profilieren. Die Medien sind die 4. Gewalt, sie sollen eine Beobachtungsfunktion ausüben und an der öffentlichen Meinungsbildung mitwirken bzw. diese ermöglichen, sie sollen distanziert bleiben. Sie sollen nicht über Gebühr Profit schlagen aus Krisen und Konflikten.

Kriege, Krisen und Konflikte entsprechen in idealer Weise den Nachrichtenfaktoren, sie haben einen hohen Nachrichtenwert. Natürlich wird intensiv darüber berichtet, wenn Ereignisse wie die Attentate in Paris stattfinden, und natürlich ist das wichtig und richtig so. Der Punkt ist jedoch, in welcher Weise die Berichterstattung geführt wird. Sicher gibt es auch andere Aspekte, die wichtiger erscheinen mögen oder auch tatsächlich wichtiger sind als zwei Rundfunksender, die im Nachhinein Gespräche mit den Tätern veröffentlichen. Aber ich meine, dass die Frage nach dem, was Medien dürfen und wie sie sich verhalten sollten, nicht zu vernachlässigen ist und vor den tragischen Geschehnissen der letzten Tage in Paris durchaus mal eine Betrachtung wert ist.

 

Wie kommen Onlinemedien zu ihrem Traffic?

Auch wenn meine Posts über Fußball vielleicht die witzigsten sind (so wurde mir jedenfalls gesagt) – eigentlich will ich ja gar nicht so viel über Fußball schreiben. Oder zumindest zusätzlich viel mehr noch über Medien. In den verschiedensten Formen und Ausprägungen. Also los.

Auf das heutige Thema bin ich tatsächlich in einem meiner diessemestrigen Seminare gekommen. „Analyse von Social Media“ heißt das – und wenn ich Glück habe, wird das auch tatsächlich ganz spannend (auch, wenn ich daran aktuell noch so meine Zweifel habe) und ich bekomme vielleicht noch das ein oder andere Mal Inspirationen für einen Blogpost. Und zwar geht es hier um Onlinemedien und darum, wie Nutzer auf diese eigentlich zugreifen.

Onlinemedien sind hier Nachrichtenseiten bzw. die Online-Präsenz von Nachrichtenmedien, die ursprünglich Offline-Medien sind. Also bspw. Webseiten von Zeitungen wie der SZ, der Zeit, des Westen, von Rundfunksendern wie der ARD, dem WDR und NDR, von Zeitschriften wie dem Spiegel oder NEON. Traffic bezeichnet den Verkehr, der auf der Seite stattfindet, insbesondere geht es hierbei darum, wie Besucher auf die Seite kommen. Dafür gibt es grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten: Man kann die Seite direkt aufrufen, indem man die entsprechende URL in seinem Browser eingibt. Man kann über Plattform, sogenannte Intermediäre, auf die Nachrichtenseite gelangen – also z.B. über Google, Facebook oder andere soziale Netzwerke. Die dritte Möglichkeit sind Links in E-Mails, Foren u.ä.

Bei mir ist es so, dass ich die wenigsten Nachrichtenseiten gezielt öffne. Ich habe Medien wie die SZ, die ZEIT, die lokalen Zeitungen Trierischer Volksfreund und die Ibbenbürener Volkszeitung entweder auf Facebook abonniert oder folge ihnen auf Twitter, sodass ich dort regelmäßig Artikel-Teaser reingeschwemmt bekomme und dann spontan entscheiden kann, ob ich den Artikel lesen möchte oder nicht (oder vielleicht später). Dasselbe gilt für zdf.de, das heute-journal, die Sportschau sowie (aus fan-technischen Gründen) für die Ruhr-Nachrichten und Den Westen. Ist das jetzt die übliche Nutzung oder wie sieht das bei den deutschen Internet-Nutzern allgemein so aus?

Die Antwort auf diese Frage hat Konrad Lischka untersucht und mit schönen Grafiken illustriert. Auf die Frage „Wie abhängig sind Onlinemedien von Intermediären“ lassen sich unterschiedliche Antworten finden. Die Grafiken sind in seinem Blogpost einsehbar, auf ein Veröffentlichen hier verzichte ich aus Copyright-Gründen.

Als erstes hat er festgestellt, dass die großen, die klassischen Nachrichtenseiten direkt aufgerufen werden, also vielleicht als Startseite, als gespeichertes Lesezeichen oder eben über das Eintippen der URL. Dazu gehören tagesschau.de, ard.de, heute.de, BILD.de, Spiegel Online und einige weitere, wie die Grafik zeigt. Dies sind gleichzeitig Medien, die vielleicht nicht überwiegend, aber sicherlich auch zu einem großen Teil von älteren Nutzern aufgerufen werden. Seiten, bei denen man ein eher jüngeres Publikum erwarten würde, wie Neon.de, Vox.com, ProSieben.de, oder joiz, ein ursprünglich Schweizer Fernsehsender für jüngere Leute, beziehen bis zu etwa drei Vierteln ihre Zugriffe über den sogenannten Plattformtraffic.

Wenn man diesen Plattformtraffic nun noch einmal aufspaltet, zeigt sich, dass speziell bei den Medien mit jungem Zielpublikum der überwiegende Anteil von Sozialen Netzwerken kommt und nur eine geringe Minderheit von Suchmaschinen wie Google. Der Anteil des Suchtraffics ist dabei teilweise fast geringer als der der Direktaufrufe. Dieses Bild dreht sich um, schaut man auf die klassischen Medienmarken. Der Anteil der sozialen Netzwerke wird immer geringer, der Anteil des Suchtraffics nimmt zu, bleibt aber in den meisten Fällen unter dem der Direktaufrufe.

Die dritte Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem Anteil an jungem Publikum und dem Anteil an Social Traffic. Nicht überraschend ist der Zugriff über Soziale Netzwerke höher, je mehr sogenannte junge Nutzer (14 – 29 Jahre) unter den Nutzern einer Seite sind.

Überhaupt verraten diese Statistiken jetzt nichts vollkommen überraschendes. Denn wenn man mal darüber nachdenkt, ist es ja eigentlich nur logisch, dass dort, wo viele junge Leute eine Nachrichtenseite nutzen, auch viel Social Media-Traffic vorhanden sein wird, denn wir wissen ja, dass Social Media überwiegend von jungen Leuten genutzt werden. Dennoch ist es sehr interessant, sich die genauen Zahlen anzusehen und diese Überlegungen und Vermutungen dort bestätigt zu finden.

Was allerdings bedeutet das nun? Intermediäre, vor allem Facebook sei hier als Beispiel genannt, fungieren als Aufmerksamkeitsverteiler. Sie selektieren und filtern für mich als Nutzer ganz bestimmte Posts und Artikel raus. Wenn ich bei Facebook meine Startseite runterscrolle, finde ich nämlich nicht alle Posts der Süddeutschen Zeitung dort. Manchmal tauchen auch ältere Posts wieder oben auf. Dafür zuständig sind die Algorithmen von Facebook, die meinen zu wissen, was wichtig ist bzw. mich interessieren könnte. Anders ist es bei Twitter (noch jedenfalls): Dort werden gnadenlos alle Tweets der Accounts, denen ich folge, in meiner Timeline chronologisch aufgelistet.

Hier kann man jetzt natürlich ansetzen und kritisieren. Denn sicherlich verpasse ich einige Posts bspw. der SZ, wenn ich nur auf meiner Facebook-Startseite bleibe und nicht den SZ-Account besuche. Aber selbst wenn ich das tue, verpasse ich immer noch viel, habe ich immer noch nicht den Überblick über alle Artikel der SZ. Denn in der Redaktion der SZ sitzt irgendwo ein Mensch (oder auch zwei oder drei oder … ) und entscheidet, welche Artikel überhaupt auf Facebook (und Twitter und … ) erscheinen sollen. Die Zeitung selbst betreibt ein erstes Gatekeeping und mir als Nutzer entgehen viele Artikel, die ich vielleicht interessant fände, die aber nicht für relevant genug gehalten werden, um überhaupt auf Facebook verlinkt zu werden.

Dem kann ich nur abhelfen, wenn ich die Seite selbst aufrufe und mir dort ansehe, welche Artikel zu welchen Themen es gibt. Frédéric Filloux schreibt, Nutzer, die über Social Media auf eine Nachrichtenseite kommen, generieren im Schnitt nur einen Seitenaufruf. Greift jemand direkt auf die Seite zu, generiert er immerhin noch fünf bis sech Seitenaufrufe, das heißt, er surft mehr innerhalb der Nachrichtenseite als jemand, der einem Link von einem Sozialen Netzwerk aus folgt.

Daraus wiederum folgert Filloux, dass es vielleicht für Onlinemedien wieder an der Zeit wäre, sich nicht länger hoher Social Media-Zugriffszahlen zu rühmen, sondern den Fokus wieder stärker auf den Direktzugriff zu legen. Wie man das erreicht und ob man das überhaupt (wieder) erreichen kann, oder ob viel Social-Media-Traffic mit kürzerer Verweildauer wenig Direkttraffic mit höherer Verweildauer nicht vielleicht (irgendwann) aufwiegt, müsste man separat behandeln. Vielleicht finde ich da demnächst auch einen schönen Artikel zu, dann reiche ich das noch nach ;-)

Medienkompetenz, die Zweite! – Medienerziehung

Bereits im März habe ich über Medienkompetenz geschrieben, inspiriert durch einen Blogartikel, den ich gelesen hatte. Jetzt rief berlinmittemom, anlässlich des ersten virtuellen Elternabends von Scoyo, erneut zu einer Blogparade zum Thema Medienkompetenz auf. Nun kann ich natürlich nicht darüber berichten, wie ich das mit meinen eigenen Kindern handhabe – aber ich möchte doch einige Aspekte noch einmal ansprechen, die mich beschäftigen und die ich wichtig finde, weil ich zum Einen aufgrund des Studiums natürlich Interesse daran habe und weil mir beim Ansehen des Virtuellen Elternabends auch einiges auf- und eingefallen ist, was ich hier loswerden möchte.

Medienkompetenz – was ist das?

Ich zitiere hier aus meinem ersten Blog-Post zu diesem Thema:

Zunächst: Eine allgemein gültige Definition von Medienkompetenz gibt es wohl nicht. Um mal kurz die angehende Medienwissenschaftlerin raushängen zu lassen: Laut Groebel ist Medienkompetenz “die Fähigkeit, je nach äußeren Anforderungen und inneren Bedürfnissen die optimalen Informations- und Erfahrungskonstellationen schaffen zu können”. Diese Fähigkeit beeinhaltet ein Medialitätsbewusstsein, allgemeine und nutzungsspezifische Medienkompetenzen, medienbezogene Genuss- und Kritikfähigkeit u.a.

Soll heißen: Der Mensch braucht Kenntnisse über seine eigenen Bedürfnisse und über die Medien, die ihm zur Verfügung stehen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Er muss sich mit den einzelnen Medien, wie Fernsehen, Radio, Internet, konkret auskennen, um diese effektiv nutzen zu können und er muss ein Bewusstsein für die Medialität haben: Er soll erkennen können, wie Medien funktionieren, wie sie arbeiten und wie sie die Welt darstellen, Ereignisse und Nachrichten wiedergeben oder auch verzerren.


Was sind denn eigentlich Medien?

Obwohl der Elternabend bei Scoyo unter dem Thema stand „Medienkompetenz: Fitte Eltern, starke Kinder“, wurde eigentlich nur über digitale Medien gesprochen. Für mich gehören zu den Medien und damit auch zur Medienkompetenz aber auch das Fernsehen, die Zeitung und zum Internet nicht nur Soziale Netzwerke, sondern auch das Internet als Recherchemittel. Social Media hin oder her, zuallererst finde ich es wichtig, dass Kinder lernen, wie man Google für seine Zwecke nutzt, wie man im Internet etwas findet, welchen Seiten/Quellen man vertrauen kann und welchen besser nicht. An diesem Punkt sehe ich ganz stark die Schulen in der Pflicht – die immer häufiger immer früher schon Referate oder Vorträge einfordern, aber nicht das nötige Hilfswerkzeug mit an die Hand geben, wie man so etwas überhaupt vernünftig aufzieht.

Wie viel Medienkonsum ist gut?

Grundsätzlich finde ich, dass der Medienkonsum von Kindern bis zu einem bestimmten Alter durchaus von Seiten der Eltern eingeschränkt werden sollte. Bei mir und meinen Geschwistern früher war es lange eine halbe Stunde am Tag: Und dann durften wir entscheiden, ob das ein Computerspiel oder Fernsehen sein sollte. Auch, welche Medien von den Kindern überhaupt genutzt werden dürfen und welche davon in die Medienzeit fallen, gehört zur Aufgabe der Eltern. Bücher angucken oder Zeitung lesen wird man sicher nicht reglementieren, Fernsehen, digitale Spiele, die Zeit im Internet oder sozialen Netzwerken schon eher.

Ab welchem Alter ein Kind überhaupt mit Medien in Berührung kommen sollte, liegt ebenfalls im Ermessen der Eltern. Die Medieninitiative „Schau hin!“, die hilfreiche Tipps für den Umgang mit den verschiedenen Medien für unsichere Eltern bereithält, schreibt, dass für Kinder unter drei Jahren Medien und Mediennutzung noch unwichtig und auch unnötig sind. Ab diesem Alter könne man das Kind dann in Begleitung der Eltern an Medien heranführen, wenn es von sich aus Interesse daran zeigt. Tablets seien dafür oft besser geeignet als herkömmliche Computer, weil deren Bedienung einfach sei. An diesem Punkt muss ich dann doch mal den Kopf schütteln. Sicher ist ein Tablet auch (oder gerade) für Kinderfinger leicht zu bedienen, weil man, ebenso wie bei dem Smartphone, im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht darauf herumtippen und -wischen kann. Aber muss ein Kindergarten- oder auch ein Grundschulkind schon mit einem Smartphone oder Tablet umgehen können? Muss es in diesem Alter schon an diese Geräte herangeführt werden. Ich finde, nicht zwingend. Drei Jahre finde ich hingegen einen guten Zeitpunkt, um das Kind erste, kindgerechte und kurze Fernsehsendungen schauen zu lassen.

Eltern sind das Vorbild ihrer Kinder – was sie tun, wollen die Kinder auch

Sicher, das ist unbestritten und ja auch in anderen Situationen der Fall. Wie oft wollen gerade kleine Kinder im Haushalt helfen, staubsaugen oder die Spülmaschine ausräumen, weil sie sehen, wie ihre Eltern es tun. Natürlich lässt man sie dann auch helfen. Aber auch da gibt es Bereiche und Aufgaben, die man sicherlich nicht so ohne Weiteres dem Kind überlässt, bspw. das Hantieren mit heißen Töpfen und Flüssigkeiten oder scharfen Küchenmessern. Und genauso finde ich, kann und sollte es auch im Medienkonsum Bereiche geben, die die Eltern dürfen, das Kind aber nicht. Ja, die Elten sitzen vielleicht abends vor dem Fernseher, wenn das Kind schon schlafen soll. Ja, die Eltern haben und benutzen ein Smartphone/Tablet und die Kinder haben/benutzen noch keins. Sie sind ja auch die Eltern – und damit nicht nur um einige Jährchen älter als die Kinder, sondern auch mit mehr Rechten und, ich nenne es bewusst so, auch Autorität ausgestattet. Ich bin der Meinung, man muss Kindern nicht alles erlauben, nur weil sie es wollen. Dann kann man auch einfach mal „Nein“ sagen und erwarten, dass das so akzeptiert wird.

Natürlich sollten sich umgekehrt die Eltern aber auch an gewisse Regeln halten. Die Kinder sollten immer an erster Stelle stehen und volle Aufmerksamkeit bekommen. Kein Tweet der Welt, kein Facebookeintrag und auch keine e-Mail kann so wichtig sein, dass man nicht beispielsweise beim Essen alle Geräte beiseite legen könnte. Das gehört für mich zu guten (Tisch-)Manieren dazu.

Eltern müssen ihre Kinder im Medienkonsum begleiten – dazu müssen sie sich selbst mit den Möglichkeiten befassen und dürfen sich nicht dagegen wehren

Jein. Natürlich setzt man ein dreijähriges Kind nicht alleine vor den Fernseher. Selbst, wenn es eine kindgerechte Sendung ist, wird es vielleicht Fragen haben, Dinge nicht verstehen oder Angst bekommen. Genauso wenig überlässt man das Kindergartenkind während der halben Stunde vor dem Computer völlig sich selbst. Kontrolle des Medienkonsums der Kinder durch die Eltern ist wichtig, auf jeden Fall bis zu einem bestimmten Alter. Wie diese Kontrolle aussieht, ist von den Eltern, den Kindern und dem Verhältnis zwischen Eltern und Kindern abhängig.

Wichtig ist es auch, den Medienkonsum innerhalb der Familie zu einem Thema zu machen. Dabei können die Eltern die Regeln, die sie aufgestellt haben, erläutern, können die Kinder auf Gefahren hinweisen und das richtige Verhalten im Internet und in Sozialen Netzwerken besprechen. Aber müssen, wie Anna Luz de Léon es auf dem Virtuellen Elternabend fordert, alle Eltern sich aktiv mit den neuen digitalen und sozialen Medien befassen? Nein, finde ich nicht. Um die Kinder zu begleiten, die dann ja hoffentlich auch schon ein etwas höheres Alter erreicht haben (meiner Meinung nach haben Kinder unter etwa 13 bis 14 Jahren in sozialen Netzwerken nichts verloren), müssen die Eltern nicht zwingend ein eigenes Facebook-, Twitter- und Instagram-Profil haben. Für viele Eltern mag das heute normal sein, das ist ja auch gut so, aber bspw. meine Eltern haben das nicht und wollen das auch nicht. Für sie ist der Computer und in gewisser Weise auch das Internet ein Arbeitswerkzeug. Zur Belustigung und in der Freizeit verbringen sie damit keine Zeit.

Und das ist auch gut so. Auch Eltern, die nicht selbst aktiv damit umgehen, wissen worauf es in Sachen Datensicherheit ankommt und können ihren Kindern das vermitteln. Auch sie können ihren Kindern angemessenes Verhalten im Internet beibringen, um bspw. Cybermobbing vorzubeugen. Nur weil das Internet und die digitalen Medien nicht „wieder weggehen“, heißt das ja nicht, dass man sie zwingend nutzen muss. Selbstverständlich sollte man aber natürlich theoretisches Basiswissen darüber bzw. über soziale Netzwerke im Allgemeinen haben, doch das ist heutzutage ja schnell erworben.

Was gehört noch zur Medienkompetenz?

Social Media sind ja gut und schön. Ich finde es aber mindestens genauso wichtig, dass Kinder auch in der digitalen Welt, in der wir heute leben, noch lernen, wie man Dinge in einem Wörterbuch oder Lexikon aus Papier nachschlägt. Wie eine Zeitung aufgebaut ist. Und dass sie am Computer nicht nur wissen, wie man in’s Internet kommt, sondern auch, wie man Textverarbeitungsprogramme nutzt, wie eine Präsentation erstellt, Dateien speichert und sichert. Dass sie Hörspiele hören und Bücher lesen, denn auch das sind Medien im weiteren Sinne.

Dass Kinder auch einen kritischen Blick auf die Medienlandschaft werfen können. Was ist guter Print-, Radio-, Fernsehjournalismus, was sind einfach nur aufgebauschte Spekulationen, was sind völlig inhaltsleere Sendungen?

Und ich meine, eigentlich der wichtigste Aspekt der Medienkompetenz ist der, die Medien auch einfach mal weglegen zu können und sich dessen bewusst zu sein, dass das Internet und die Sozialen Medien immer nur Ergänzung zum realen (sozialen) Leben sein können und nie als Ersatz dafür herhalten sollten. Gerade das können und müssen Eltern ihren Kindern vorleben – indem auch mal einen Tag lang der Laptop ausbleibt, sich mit Freunden getroffen, draußen gespielt und einfach Zeit zusammen verbracht wird. Ist doch eigentlich ganz einfach.