Fußballer und das liebe Geld. Oder: Über den Anstand von Vereinen und Fans

24. April 2013

Der Wechsel von Mario Götze hat hohe, sehr hohe Wellen geschlagen im Laufe des gestrigen Tages und ich denke nicht, dass sich die Wogen schnell wieder glätten. Momentan kann ich mich an keinen anderen Transfer eines Spielers erinnern, der die Gemüter (auch von Nicht-Fans) ähnlich erhitzt hat. Und der Wechsel von Mario Götze regt auch mich auf/berührt/bewegt auch mich. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum Einen finde ich es einfach unglaublich schade, dass diese tolle Dortmunder Mannschaft, in der Mario eine sehr wichtige Rolle spielt, damit ein Stück weit auseinander gerissen wird.
Zum Anderen bin ich auch (persönlich) enttäuscht, weil wieder mal ein Fußballer/ein Mensch dem Lockruf des Geldes erlegen ist. Dass das normal ist im Fußball und auch in unserer Gesellschaft, dessen bin ich mir dabei durchaus bewusst. Dennoch finde ich es schade, gerade weil Mario Götze jemand ist, von dem ich das nicht unbedingt erwartet hätte.

Und abgesehen von dem höheren Gehalt (was allerdings wohl auch „nur“ 2 Millionen pro Jahr mehr sind), sehe ich, außer vielleicht der Zugkraft eines Pep Guardiola, keine anderen, keine sportlichen Gründe für diesen Wechsel. Mehr spielen wird er dort nicht, viel erfolgreicher werden auch nicht unbedingt – denn Dortmund ist ja nun kein Niemand mehr und ich bezweifle auch, dass Bayern ihre Leistung aus dieser Saison nächstes Jahr einfach mal so wiederholt.
Also: Doch das liebe Geld.

Im Übrigen ärgere ich mich über die Taktik der Bayern: Möglichst viele gute Spieler (den nationalen Konkurrenten weg-) zu kaufen, nur „um sie zu haben“, und sie dann auf der Bank versauern zu lassen, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Und auch, wenn sie dieses Jahr vielleicht gut damit gefahren sein mögen – letztendlich können doch immer nur elf Spieler auf dem Platz stehen.

Das in Verbindung mit der Aussage von Uli Hoeneß von letzter (?) Woche, er wolle in der Liga keine „spanischen Verhältnisse“ – da könnte mir die Hutschnur hochgehen. Das ist für mich Heuchelei.
Die Bayern haben Robben, sie haben Müller, sie haben Shaqiri, die alle Götze nicht unähnlich sind. Dazu haben sie drei klassische Stürmer – wo soll Götze da seinen Platz finden?

Dazu kommt der Ärger über den Zeitpunkt der Bekanntgabe: Die Bayern haben den BVB nicht informiert, nach eigener Aussage wollten sie dies nach den Halbfinalspielen tun. Merkwürdig ist nur, dass die BILD-Zeitung vor den Spielen Wind davon bekommen hat. Ich bin mir sehr sicher, dass weder der BVB, noch Götze und sein Berater den Journalisten informiert haben. Welche Partei bleibt dann wohl noch übrig?
Hätte nicht Götze einige Tage vorher bereits seinen Verein informiert, hätte Borussia Dortmund die Neuigkeit wohlmöglich aus der Zeitung erfahren.
Wo bleibt da der Anstand?

UND – natürlich ist die Nachricht des Wechsels die perfekte Ablenkung vom Fall Hoeneß. Das nur nebenbei.

Ich halte die Entscheidung von Mario Götze nicht für richtig. Nicht jeder Spieler ist für die Bayern geeignet. Dort herrscht, gerade im Moment, eine enorme Konkurrenz und wer nicht von Beginn an konstant gute Leistungen bringt, wird ausgesiebt. Viele gute Spieler, wie Lukas Podolski, Marcell Jansen, Jan Schlaudraff und weitere haben das schon erfahren müssen.
Ich wünsche Mario Götze wirklich nicht, dass es ihm auch so geht, denn eigentlich mag ich den Kerl echt ganz gerne.

Aber ich befürchte, dass er ein ähnliches Schicksal erleiden wird, dazu reicht schon eine harmlose, aber langwierige Verletzung aus. Und diese Erfahrung, die er dann machen würde, ist mit Sicherheit keine schöne und keine, die spurlos an einem vorübergeht.

(Im Übrigen glaube ich auch keinem Müller, Robben oder Gomez, wenn sie lauthals verkünden, es mache ihnen rein gar nichts aus, im Sinne des Rotationsprinzips auch mal auf der Bank zu sitzen. Diese Männer leben für den Fußball, da können sie mir nicht erzählen, dass sie damit gut klarkommen. Und ich bin überzeugt davon, dass auch Mario Götze kein Typ dafür ist.)

Mario Götze ist noch jung, gerade einmal ein halbes Jahr älter als ich. Ich persönlich denke, er wäre beim BVB momentan noch besser aufgehoben – es kursiert nicht umsonst die Meinung, der FC Bayern verdirbt den Charakter seiner Spieler.

ABER: Ich akzeptiere seine Entscheidung, auch wenn ich sie nicht gut finde. Und ich habe absolut kein Verständnis für Beschimpfungen aufgrund einer gekränkten Vereins-Ehre von sogenannten „Fans“, wegen derer Götze am Dienstag sogar die Kommentar-Funktion auf seiner Facebook-Seite abschalten ließ.
Es gibt ein gewisses Maß an Anstand, das es in jeder Situation und auch im Internet einzuhalten gibt; egal, was ein Mensch getan hat und egal, was man selbst darüber denkt. Und jemanden als „Judas“  oder Schlimmeres zu beschimpfen, gehört da sicherlich nicht dazu.

Ich hoffe sehr auf einen Dortmunder Sieg im Halbfinal-Spiel der Champions League heute Abend gegen Madrid. Ich hoffe, dass sie es den Bayern so richtig zeigen. Und ich hoffe auf ein anständiges und faires Verhalten der Dortmunder Fans.
Wenn Dortmund das Spiel verliert, dann weiß ich schon ganz genau, wer von aller Welt zum Sündenbock gemacht wird, egal, wie viele Tore er geschossen oder wie gut oder schlecht er gespielt haben wird.
Und das hat Mario Götze wirklich nicht verdient!

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