British Drama – All the world’s a stage

… and all the men and women merely players.
(William Shakespeare, As You Like It)

Diesen wunderbaren Trailer für Original British Drama von der BBC habe ich vor ein paar Monaten zufällig gefunden. Es ist Benedict Cumberbatch, es ist Shakespeare, besser geht’s kaum. Durch den Trailer bin ich auch zum ersten Mal auf Wolf Hall aufmerksam geworden, und auf die ein oder andere andere Serie, die gleich noch Erwähnung finden wird. Und auch, wenn ich in meiner Reihe hier nicht nur BBC-Serien vorgestellt habe, fand ich, dass dieser Clip als Abschluss gut hierhin passt.

Viele beeindruckende, fesselnde, einfach gut gemachte Serien haben die Engländer. Und was haben wir? Daily Soaps, in denen sich die immer wieder gleichen Liebes- und andere Dramen wiederholen. Krankenhausserien. Importierte, synchronisierte amerikanische Serien, CSI hier und dort. Krimis. Krimis können die Deutschen, die Engländer aber auch.

Wenn ich auch das Gefühl habe, dass die englischen Serien oft qualitativ hochwertiger sind als vieles, was uns im deutschen Fernsehen geboten wird, letztlich ist es wohl alles nur eine Geschmackssache. Schade ist es nur, dass die Serien, wenn sie denn in Deutschland laufen, oft nur auf Spartensendern und/oder zu unmöglichen Urzeiten zu sehen sind. So habe ich die Musketeers neulich per Zufall beim Zappen auf Einsfestival entdeckt. Arte hat sich die Rechte an Wolf Hall gesichert. Die dritte Staffel von Downton Abbey lief auf ZDF am Samstagnachmittag. Undsoweiter.

Und nun? Von den Musketeers und von Mr. Selfridge läuft aktuell je eine neue Staffel auf BBC bzw. ITV. Und danach, was schau ich dann? Nachdem ich vor ein paar Wochen das Gefühl hatte, mir dringend schon mal eine neue Serie suchen zu müssen und nicht zu wissen, was ich denn als nächstes gucken sollte, hat sich mittlerweile schon wieder fast eine kleine Liste angesammelt von Serien, in die ich zumindest mal reinschauen möchte, ob sie wohl was für mich sind.

Da wäre als erstes „The Hollow Crown“. Geschichtsverrückt, wie ich bin (jedenfalls nach englischer Geschichte), und Shakespeare mag ich auch, scheint die für mich geradezu perfekt zu sein. Dabei handelt es sich um die Verfilmung von Shakespeares historischen Dramen. In einem ersten Rutsch (Cycle I) wurden Richard II, Henry IV Part 1 und Part 2 und Henry V verfilmt, mit jeweils mehr als 2 Stunden Länge und mehr als hochkarätig besetzt, mit u.a. Tom Hiddleston, Julie Walters (Harry Potter), Richard Griffiths (Harry Potter) und Geraldine Chaplin. Cycle 1 wurde bereits 2012 ausgestrahlt – warum ich davon noch nichts mitbekommen hatte, bis ich oben gezeigten Trailer sah, ist mir ein Rätsel.

Cycle 2, mit dem Untertitel „The Wars of the Roses“,  beinhaltet Henry VI, Part 1, 2 und 3 und Richard III und soll 2016 ausgestrahlt werden. Als Schauspieler sind unter anderem Hugh Bonneville (Downton Abbey), Michael Gambon (Harry Potter), Andrew Scott (Sherlock), Judi Dench und Benedict Cumberbatch (Sherlock) dabei. Soweit ich weiß, ist da bisher nichts synchronisiert oder in Deutschland gezeigt worden, das ist/wäre wohl auch ein ziemlicher Aufwand, das für den hiesigen Markt entsprechend zu gestalten. Ich habe bereits einige Clips daraus gesehen und ja, es ist nicht ganz leicht, denn es ist eben Shakespeare. Aber das steht ganz oben auf meiner „to-watch-Liste“.

Ebenfalls auf dieser Liste befindet sich „The Casual Vacancy“ – wobei ich da noch gar nicht allzu viel darüber weiß. Aber der Wikipedia-Eintrag klang sehr vielversprechend ;-) Dies ist eine Miniserie, mit 3 Episoden, die auf dem gleichnamigen Roman von Joanne K. Rowling basiert. Im Februar ist sie erst bei der BBC gelaufen, ich hab sie leider verpasst, werde das aber auf jeden Fall nachholen.

Außerdem habe ich einige weitere Empfehlungen bekommen, darunter „Broadchurch“, von dem ich schon wirklich viel gehört habe, aber auch „The Paradise“, „Our Girl“ und „The Bletchley Circle“. Außerdem steht „Grantchester“ auf der Liste, von dem ich immer den Vorspann im Fernsehen sehe.

Langweilig wird mir also so schnell nicht werden – leider kann ich ja nicht den ganzen Tag lang fernsehen ;-) Dennoch bin ich auch immer offen für weitere Empfehlungen – wer meien Reihe „British Drama“ hier verfolgt hat, dürfte ja jetzt ungefähr wissen, was mich interessiert und was ich mag.

Damit ist für den Moment das Ende dieser Reihe erreicht. Wenn ich die hier aufgezählten Serien gesehen bzw. mir zumindest einen Eindruck von ihnen verschafft habe, werde ich sicherlich unter dem Stichwort „British Drama“ auch zu ihnen hier noch etwas schreiben, aber das könnte unter Umständen noch etwas dauern. Ich hoffe jedenfalls, das Lesen der wöchentlichen Posts hat genauso viel Spaß gemacht wie mir das Schreiben derselben. Und vielleicht hat der ein oder andere ja auch eine neue Serie entdeckt.

British Drama – Barnaby und Co.

Der heutige Post fällt ein bisschen aus dem Rahmen, weil die Serien, die ich hierin kurz vorstellen möchte, sich nicht so ganz einreihen in die bisherigen. Dennoch gehören sie für mich, wenn ich an englische Serien denke, einfach dazu.

Den heutigen Beitrag könnte man vielleicht eher mit British Mystery Dramas überschreiben, denn es geht um die werten Herren Inspector Barnaby, Lewis, Gently und Lynley. Haben die Engländer ein Faible für Polizisten? Vielleicht. Ich habe es jedenfalls definitiv.

Midsomer Murders„, wie die Serie um Inspector Barnaby auf Englisch heißt, war eines der allerersten englischen Programme, die ich gesehen habe, einige Zeit auch das einzige. Worum es geht, ist schnell erzählt: Detective Chief Inspector Barnaby klärt in mittlerweile 17 Staffeln Mord- und andere Kriminalfälle in dem fiktiven County Midsomer auf. Die Region besteht aus lauter kleinen Dörfern, jede Episode führt den Inspector in ein anderes, aber irgendwie kennen sich die Leute doch alle gegenseitig.

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Dem DCI, in den ersten 13 Staffeln Tom Barnaby, seit Staffel 14 ist es sein Cousin John Barnaby, steht dabei selbstverständlich immer ein Sergeant als Assistent zur Seite, der mal etwas sehr vertrottelt, mal auch etwas hilfreicher daherkommt.

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Midsomer Murders ist einfach herrlich englisch. Andauernd findet in irgendeinem der Dörfer eine Charity-Veranstaltung statt, ein Gartenwettbewerb, sportliche Wettkämpfe oder einfach ein Dorffest. Barnabys Frau Joyce ist meistens in irgendeiner Weise in die Organisation der Veranstaltung involviert und der Fall hat selbstverständlich auch immer etwas damit zu tun. Das ganze Setting ist geradezu malerisch, alles sehr friedlich – bis auf die Mordfälle, natürlich. Das ganze gemixt mit viel britischem Humor – und die Serie läuft und läuft und läuft.

In England tut sie das auf ITV, aufgrund der hohen Anzahl bereits gesendeter Episoden kann man auch eigentlich jede Woche eine alte Folge auf ITV 3 finden. In Deutschland wird die Serie auf ZDF bzw. ZDFneo ausgestrahlt.

Mittlerweile etwas lieber als Barnaby mag ich persönlich Inspector Lewis. Diese Serie, ebenfalls von ITV, spielt in Oxford. Es ist alles etwas weniger idyllisch als bei Midsomer Murders, weniger ländlich, aber immer noch ‚very british‘. Die Serie ist ein Spin-Off von Inspector Morse, was ich jedoch noch nie gesehen habe.

In Oxford ermitteln DI Lewis, nach dem Unfalltod seiner Frau alleinstehend und ein Workaholic, und sein Kollege DS James Hathaway, der eher zurückhaltend, aber sehr scharfsinnig ist (und der mich, btw, so oft so sehr an Sherlock bzw. Benedict Cumberbatch erinnert, dass es schon fast irritierend ist – siehe dazu das zweite Lewis-Video).

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Häufig sind die Fälle im Umfeld der Universität angesiedelt, was immer wieder zu kleineren Konflikten zwischen den Ermittlern (insbesondere Lewis findet die Universitätsangehörigen zu arrogant) und den Akademikern, die ihre Arbeit von den Polizisten gestört und nicht genug gewürdigt sehen, führt. Viel mehr als bei Midsomer Murders spielen hier, zumindest unterschwellig, immer wieder mal sozialkritische Aspekte eine Rolle, sowie zwischenmenschliche Beziehungen, die sowohl Lewis als auch Hathaway manchmal schwerzufallen scheinen.

Die mittlerweile 8 Staffeln werden in Deutschland ebenfalls auf ZDF bzw. ZDFneo ausgestrahlt, in loser Reihenfolge und z.T. späterer Stunde.

Der Dritte in der Reihe ist Inspector George Gently. Von dieser Serie habe ich bislang nur sehr wenig gesehen – im letzten Jahr bin ich eher zufällig auf sie gestoßen, als einige Folgen zu später Stunde im ZDF liefen. Von der BBC-Serie gibt es bereits sechs Staffeln und ich muss unbedingt mehr davon sehen.

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Das vielleicht Besonderste an dieser Serie: Sie folgt zwar in gewisser Weise dem Muster von Midsomer Murders und Lewis, in dem es einen DI Gently und seinen Assistenten DS John Bacchus gibt, die eben reihenweise zusammen ihre Fälle in Nordengland lösen, aber die Serie spielt in den 60er Jahren. Damit ist auch der Grundstein gelegt für eine Reihe von Themen, die in den Episoden angesprochen werden: Die Todesstrafe ist noch nicht abgeschafft, der zweite Weltkrieg noch nicht allzu lange vorbei, politische Themen der Zeit werden angesprochen, von der IRA über Rassismus und Atomwaffen bis hin zur Ermordung von Martin Luther King und Enoch Powell’s „River of Blood“-Rede 1968. Nicht zu vergessen, die Musikszene der damaligen Zeit, der auch DS Bacchus mit seiner Frisur Rechnung trägt ;-)

Bei all dem bleibt die Serie jedoch ein Crime Drama, es geht zuallererst und immer um die Aufklärung eines Kriminalfalls, nur geht es eben oftmals ernsthafter und mit einigen mehr Verwicklungen vor sich als beispielsweise in Midsomer Murders.

Last but not least, wären da noch die Geschichten um Inspector Lynley – The Inspector Lynley Mysteries, wie sie im Original heißen. Die tanzen hier auch wieder ein wenig aus der Reihe, denn auch wenn alle oben genannten Serien auch auf Büchern basieren, ist hier der Fall doch nochmal ein wenig anders.

Etwa fünf der Romane von Elizabeth George habe ich bisher gelesen, auf Englisch, versteht sich. Ganz leichte Kost ist das nicht, aber mein Ziel ist es dennoch, irgendwann alle gelesen zu haben, und zwar möglichst in chronologischer Reihenfolge, da sie aufeinander aufbauen. Längst nicht alle Romane sind verfilmt worden und mittlerweile schaue ich mir nur noch die Filme an, wo ich das Buch schon gelesen habe. Andererseits gibt es aber auch Folgen, zu denen keine direkte Romanvorlage existiert. Es ist also etwas komplizierter.

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Dazu kommt, dass leider die Filme z.T. so stark abgeändert sind, dass nicht mehr viel an das Buch erinnert. Bei „In The Presence Of The Enemy“, bei dem ich mir direkt nach Beenden des Buches die Folge angeschaut habe, wurde nicht nur viel gestrichen, was ja verständlich ist, sondern bei allem, was drin geblieben ist, wurde irgendetwas verändert. Besonders spaßig fand ich das, ehrlich gesagt, dann nicht mehr.

Hier geht meine Empfehlung denn auch mehr dahin, die Bücher zu lesen, denn die sind unheimlich gut. Seite um Seite entwickelt sich die Geschichte, immer mehr Personen und Standpunkte werden eingeführt, z.T. setzt die Handlung auch schon vor dem Mord ein, dann kommen DI Lynley und DS Havers in’s Spiel, aber bis zum Schluss bleibt die Spannung erhalten – und ich liebe diesen Moment, wo sich beim Lesen, kurz vor Ende des Buches, dann alles auflöst und auf einmal alles klar wird, alle Ecken, alle Einblicke, die man erhalten hatte, sich zu einem stimmigen Gesamtbild auflösen.

Humor und Witz kommen dabei nicht zu kurz: Eine ständige Quelle zum Schmunzeln bieten die Wortgefechte von Lynley und Havers. Lynley, der einer adligen Familie entstammt und eigentlich überhaupt nicht zu arbeiten bräuchte, ist ein hervorragender Polizist und in keinster Weise arrogant oder ein Snob. Havers dagegen ist ebenfalls eine ausgezeichnete Polizistin, aber sie entstammt der working class, legt absolut keinen Wert auf Kleidung, solange sie nur irgendetwas trägt und selbst, wenn sie es nicht wollen, geraten die Beiden immer wieder aneinander, weil sie so komplett unterschiedlich aufgewachsen und verschiedene Einstellungen, Gewohnheiten und Ansichten haben. Aus genau diesem Grund ergänzen sie sich aber auch gut und zwischenmenschlich passt es, trotz aller Reibereien, auch bei ihnen.

Haben die Engländer ein Faible für Polizisten? Ich jedenfalls schon. Jede dieser Serien hat etwas, was mich fasziniert. Und das beste, vor allem bei Barnaby und Lewis, die wirklich ständig im (englischen) Fernsehen laufen: Die Folgen bauen nicht aufeinander auf, das heißt, man kann immer einfach die schauen, die gerade läuft. Und dann hat man auch nur noch selten das Problem, dass einfach immer nur Müll im Fernsehen kommt. Denn mit Barnaby, Lewis, Gently (und Lynley) ist gute Unterhaltung praktisch garantiert.

British Drama – Call The Midwife

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Ich habe einige Zeit überlegt, ob ich „Call The Midwife“ in dieser Reihe überhaupt mit aufnehmen soll. Denn diese Serie hat mich noch nicht wirklich gepackt und so habe ich bisher auch nur mickrige vier Folgen der ersten Staffel gesehen. In Großbritannien ist diese BBC-Serie der absolute Renner: Mit 10,89 Millionen Zuschauern in Folge vier der ersten Staffel überholte „Call The Midwife“ ITVs „Downton Abbey“ als die Serie mit den meisten Zuschauern in der ersten Staffel. Mit dem Durchschnitt von 10,47 Millionen Zuschauern in der zweiten Staffel, war/ist die Serie das mit Abstand beliebteste „UK Drama“ und lag/liegt rund 2 Millionen über der durchschnittlichen Zuschauerzahl für diesen Sendeplatz (Sonntagabends, 20 Uhr britischer Zeit). Die letzte Folge der vierten Staffel wurde am vergangenen Sonntag ausgestrahlt: 10,128 Millionen Zuschauer schalteten ein, damit erzielte BBC1 den „Tagessieg“.

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So ganz schlecht kann diese Serie also nicht sein und das würde ich auch nie behaupten. Aber bei mir hat’s diesbezüglich noch nicht gefunkt – ich werde aber nicht aufgeben ;-)

In „Call The Midwife“ geht es um eine Gruppe von Nonnen und Hebammen/Krankenschwestern, die in den 50er- und 60er-Jahren im Londoner East End wohnen und arbeiten. Im Nonnatus House, einem Kloster, leben die Nonnen und Hebammen zusammen und versorgen die Bewohner des zutiefst sozial und finanziell benachteiligten Stadtteils Poplar. Mit dem Fahrrad besuchen sie ihre Patienten zuhause, zeichnen verantwortlich für Schwangerenvor- und -nachsorge, Geburtshilfe und andere pflegerische Tätigkeiten.

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Die Serie beginnt mit der Ankunft der gerade fertig ausgebildeten Krankenschwester und Hebamme Jenny Lee, die ob der Tatsache, in einem Kloster zu wohnen und zu arbeiten, zunächst leicht überrascht, und ob der Armut, die in dem Viertel herrscht, zutiefst geschockt ist. Doch schnell akzeptiert sie die Situation und versucht den Menschen mit allem, was ihr möglich ist, das Leben zu erleichtern.

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Sehr unterschiedliche Persönlichkeiten treffen in Nonnatus House aufeinander und viele verschiedene Themen kommen auf den Tisch. Die ganze Serie ist sozialkritisch angelegt, beleuchtet die Umstände der working class in dieser Zeit und begleitet gesellschaftliche wie medizinische/geburtshilfliche Neuerungen und Entwicklungen.

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Während in Großbritannien bereits eine fünfte Staffel in Auftrag gegeben wurde, läuft die Serie, man mag es kaum glauben, in Deutschland auf ServusTV.

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Die Charaktere sind, so unterschiedlich sie sind, alle großartig gezeichnet und ausnahmslos alle haben ein gutes Herz, wenn es auch bei einigen ein wenig tief vergraben liegt. Die Schauspieler sind großartig, darunter die bereits vor zwei Wochen erwähnte Jessica Raine (Wolf Hall), Miranda Hart (Miranda), Jenny Agutter (The Avengers), Pam Ferris (Rosemary & Thyme, Harry Potter und der Gefangene von Askaban) und viele weitere.
Ich werde auf jeden Fall noch weitere Versuche starten, um zu sehen, ob ich mit dieser Serie nicht doch noch warm werde.

British Drama – The Crimson Field

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Erster Weltkrieg. Ein britisches Lazarett in Frankreich. Drei junge Frauen, die sich freiwillig dazu entschieden haben, als Krankenschwestern ihren Anteil zu leisten – aus unterschiedlichen Motivationen und vielleicht auch mit unterschiedlichem Talent zur Krankenpflege gesegnet. Die grausamen Bilder, Folgen und Schicksale des Krieges und auf der anderen Seite sich entwickelnde Freundschaften und Beziehungen. Sich selbst kennenlernen, seine eigenen Grenzen entdecken, um dann darüber hinaus zu gehen.

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Das ist „The Crimson Field“. Eine gut gemachte BBC-Serie über den Ersten Weltkrieg, anlässlich dessen 100. Jahrestag 2014 produziert und ausgestrahlt, die aber nach der ersten Staffel bereits wieder beendet wurde. Es wird also definitiv nicht mehr als die sechs existierenden Episoden geben. Warum? Offiziell hieß es von Seiten der BBC, man wolle Platz für neue Shows schaffen und die Abwechslung von ‚BBC Drama‘ erhöhen“. Die Kritiken zur Show waren jedoch auch eher gemischt und die Zuschauerzahlen nicht viel mehr als durchschnittlich, sodass auch das durchaus eine Rolle gespielt haben könnte.

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Kitty Trevelyan, Rosalie Berwick, Flora Marshall: Jede der drei neuen Krankenschwestern hat ihre eigene Geschichte, ihre eigene Vergangenheit, die sie dazu bewogen hat, den Dienst im Lazarett aufzunehmen. Und jede der drei geht anders mit den neuen Erfahrungen um: Sich an Regeln halten, Männer halbnackt sehen, Wunden versorgen – das alles klingt einfacher, als es ist. Und es ist nicht so, dass man sagen könnte, ihnen würde der Start besonders leicht gemacht.

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Aber wie auch, denn alle anderen, die dort in dem Lazarett beschäftigt sind, haben auch so ihre Probleme. Sister Grace Carter wurde gerade erst zur Oberschwester befördert – was wiederum Sister Margaret Quayle nicht einfach so hinnehmen kann und wird, denn eigentlich, meint sie, stünde dieser Posten ihr zu. Unterstützung erhält sie von Sergeant Reggie Sope – während Sister Grace Rückendeckung von Lieutnant Colonel Roland Brett. Und die beiden Captains Thomas und Miles sind nicht nur beste Freunde, sondern haben sich auch in dieselbe Frau verguckt.

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Die Serie bringt den Ersten Weltkrieg in das eigene Wohnzimmer. Das kann stellenweise sehr bedrückend sein, aber jede Episode wird durch lustige, dennoch immer angemessene Szenen aufgelockert, sodass man trotz allem noch gut schlafen kann. Unter den Schauspielern finden sich namhafte Darsteller wie Oona Chaplin (Enkeltochter von Charlie Chaplin), Suranne Jones (Coronation Street, Scott & Bailey), Kevin Doyle (Mr. Molesley in Downton Abbey) oder Jeremy Swift (Spratt in Downton Abbey).

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Auch wenn man meinen könnte, über den Ersten Weltkrieg, da hat man schon in der Schule alles gelernt und Filme dazu gesehen, lohnt es sich, diese Serie zu schauen, denn die Perspektive nicht der Soldaten und auch nicht der zuhause Zurückgebliebenen wird hier gezeigt, sondern die Sichtweise derjenigen, die ganz nah dran sind, ohne selbst in wirkliche Kämpfe verwickelt zu sein. Wie funktioniert(e) so ein Lazarett und vor allem, wie erging es den dort arbeitenden, den Schwestern und Ärzten? Wie viel haben sie mitbekommen, vom Krieg, und wie sind sie damit umgegangen, was sie bei ihrer Arbeit erlebt und gesehen haben?

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Schade, dass es hier keine Fortsetzungen mehr geben wird. Nicht nur, weil in der letzten Folge viele Fragen offen geblieben sind, sondern auch, weil diese Serie lehrreich ist und gleichzeitig einfach gute Unterhaltung bietet.

 

British Drama – Wolf Hall

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Die heutige Serie ist Wolf Hall. Noch nie davon gehört? Das wäre nicht weiter verwunderlich – Wolf Hall ist eine aktuelle, sechs-teilige Serie, die gut versteckt (allerdings immerhin zur besten britischen Sendezeit) am Mittwochabend auf BBC 2 läuft. Wolf Hall ist außerdem ein Roman von Hilary Mantel. Auf dem sowie dem Nachfolge-Band „Bring Up The Bodies“ basiert auch diese TV-Serie.

Es geht um eine Zeit in der britischen Geschichte, die schon in vielen Romane, Filmen und Serien behandelt wurde, und um den englischen König, der in Deutschland wohl der bekannteste sein dürfte: Henry VIII, ja genau, das ist der, mit den sechs Frauen. Der zweite Tudor-König, der zweite König nach dem Ende der Rosenkriege und damit des Bürgerkriegs in England, und ein König, in dessen Zeit die Anfänge der Reformation, die Abspaltung von der Römisch-Katholischen Kirche mit dem Papst als Oberhaupt und die Gründung der Anglikanischen Kirche mit dem König von England als Oberhaupt fielen. Also ein König, der neben der Tatsache, dass er sechs Frauen hatte, auch durchaus auf andere Weise Aufsehen erregte und Grundsteine legte für die weitere Entwicklung Englands.

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Diese Geschichte, dieser König fasziniert und das ist wohl der Grund für die vielfältigen Adaptionen dieser Zeit in verschiedenster Form. Hilary Mantel erzählt diese Zeit in ihren Romanen aus der Sicht von Thomas Cromwell, dem Mann, der nicht unerheblichen Anteil an vielen Entscheidungen des Königs hatte.Anne+Cromwell_1

Aufgestiegen unter Kardinal Wolsey, Erzbischof von York, Chancellor und Ratgeber des Königs, schafft es Cromwell, Sohn eines einfachen Schmieds, ganz nach oben an die Seite von Henry VIII. Er zieht im Hintergrund die Fäden, er ist maßgeblich an der Entstehung von Henrys zweiter Heirat mit Anne Boleyn und seinen zwei weiteren Ehen beteiligt und überhaupt wohl der einflussreichste Mann im Umkreis des Königs. Diese Tatsache bringt ihm selbstverständlich Feinde ein. Lange steht er unter dem Schutz des Königs, „mein einziger Freund ist der König von England“, doch am Ende nützt ihm auch das nichts mehr.

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In Wolf Hall tauchen viele Charaktere auf, deren Namen man schonmal irgendwo zumindest gehört hat. Neben Henry VIII sind das seine ersten drei Frauen, Catherine of Aragon, Anne Boleyn und Jane Seymour, die schon genannten Thomas Cromwell und Kardinal Wolsey, außerdem Thomas More, Stephen Gardiner, Bischof von Winchester (wunderbar gespielt von Mark Gatiss, der bekannt sein dürfte als Mycroft Holmes aus „Sherlock„) und diverse Adlige rund um die Familien Boleyn und Seymour, den Duke of Norfolk und den Duke of Suffolk.

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Ich habe „Wolf Hall“ gelesen, diesen dicken englischen Wälzer, einige Jahre ist das schon her und es war nicht gerade leichte Kost. Genauso wenig ist das diese Serie. Es geht um hochkomplexe, politische Themen, vorgetragen in gehobener Sprache, es gibt viele, viele Personen und Charaktere, die es immer wieder neu einzuordnen gilt, nicht nur, weil jeder beliebig oft die Seiten wechselt, sondern auch, weil sie irgendwie alle gleich aussehen. Die Serie ist sehr düster, die meisten Personen tragen schwarz und auch, wenn es wohl sehr realistisch ist, dass es in vielen Räumen und Gängen unglaublich dunkel ist, trägt das nicht unbedingt zu einem leichteren Verständnis bei.

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„This is BBC2 so the drama doesn’t exactly roll out the action in the manner of Albert Square“, schreibt Radiotimes und das ist definitiv richtig. Teilweise ist die Serie ein wenig langatmig, zumal wenn man vielleicht gerade nicht mehr ganz versteht, wer da gerade spricht oder worum es geht. Da ist es auch nicht unbedingt zuträglich, dass die Serie um 22 Uhr deutscher Zeit läuft. Ich habe jedoch bisher immer, auch wenn ich mal für einen Moment raus war, wieder hineingefunden in das Geschehen. Ein bisschen Hintergrundwissen über die damalige Zeit und die wichtigsten Personen und Entwicklungen kann sicherlich nicht schaden, wenn man diese Serie schaut, aber meine Vermutung ist, dass das Hauptpublikum wohl sowieso eher historisch interessierte Personen sind.

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Gut gemacht ist diese Serie allemal, die Adaption des Romans ist, soweit ich das beurteilen kann, gut gelungen, und die Serie ist besetzt mit vielen hochklassigen Schauspielern, selbst in eher seltener auftretenden Nebenrollen wie eben Mark Gatiss als Stephen Gardiner, Jonathan Pryce (Evita, Pirates of the Caribbean, Miss Saigon) als Kardinal Wolsey (der nur in zwei Folgen auftaucht) oder Jessica Raine (Call The Midwife) als Jane Boleyn.

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Heute wird die sechste und letzte Folge um 22 Uhr (deutscher Zeit) auf BBC Two ausgestrahlt. Ob die Serie auch in Deutschland gezeigt werden wird und ob es eine zweite Staffel geben wird, habe ich leider nicht herausfinden können

Zitate:
Wolsey: Ah, at last. A man born in a more lowly state than myself.

Henry VIII: Everything that you are, everything that you have will come from me.

Cromwell: You’ll not find any talent I possess that England cannot use.

British Drama – Mr. Selfridge

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British Drama – ein wenig irreführend könnte der Titel vielleicht sein, denn die Hauptperson bei Mr. Selfridge, die der Serie ihren Titel verleiht, ist Amerikaner. Aber der Rest stimmt – die Serie spielt in London, alle weiteren Personen neben der Familie Selfridge sind Engläner (na gut, einen Franzosen gibt es da noch und einige italienisch-stämmige Charaktere) und Drama gibt es jede Menge.

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Mr. Selfridge basiert auf der Biografie „Shopping, Seduction & Mr. Selfridge“ von Lindy Woodhead, denn Harry Gordon Selfridge ist eine wahre Persönlichkeit, der Gründer von Selfridges, dem nach Harrods zweitgrößten Kaufhaus in London. Ich schreibe das hier so deutlich, weil ich von diesem Kaufhaus vor dieser Serie noch nie etwas gehört hatte. Und die Sendung brauchte eine Weile, bis ich wirklich von ihr begeistert war – vielleicht auch wegen des amerikanischen Akzents der Hauptfigur – aber jetzt bin ich auch hiernach süchtig. Großartige, größtenteils (mir) unbekannte Schauspieler (Amanda Abbington ist dabei, die John Watsons Ehefrau Mary in BBC’s „Sherlock“ spielt), tolle Frisuren und Kleidungen und spannende Geschichten.

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Die Serie beginnt 1908. 1909 gründet Selfridge das Kaufhaus in London und möchte Shoppen zu einem Abenteuer machen. Hauptzielgruppe sind die Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr Freiheiten haben, aber auch immer neue Beschäftigungen für ihre freie Zeit brauchen. Die Ware wird ausgelegt, sodass die Kunden alles anschauen und begutachten können – eine absolute Neuheit für diese Zeit. Mit verschiedenen Events, Ausstellungen und immer wieder neuen grandios dekorierten Schaufenstern versucht Selfridge, die Aufmerksamkeit zunächst vor allem der Oberschicht, später auch der weniger gut-Betuchten auf sein Geschäft zu lenken und ist dabei in höchstem Maße erfolgreich.

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Nun ist die Serie aber in keinster Weise nur ein trockenes Beispiel für gute Geschäftsideen. Denn wie bereits gesagt, Drama gibt es jede Menge und dafür ist nur ab und an das Geschäft zuständig. Viel öfter ist es Familie Selfridge, denn nicht nur Harry Selfridge ist von Amerika nach London ausgewandert. Seine Frau Rose und die vier Kinder, drei Töchter und Sohn Gordon, sowie seine Mutter sind mit ihm gekommen – was Harry Selfridge aber nicht davon abhält, jüngeren, erfolgreichen und attraktiven Frauen schöne Augen und den Hof zu machen und danach, als wäre nix gewesen, zu seiner Frau in’s Bett zu kriechen.

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So kommt es immer wieder zu Streitigkeiten innerhalb der Familie, die allerdings, wenn es drauf ankommt, dann doch immer zusammenhält. Ebenso ist es mit den Angestellten bei Selfridge’s, die ebenfalls durch die Staffeln hinweg begleitet werden. Mr. Crab, der stets um die Finanzen des Geschäfts besorgt ist, Mr. Grove, Chef über das Personal, Miss Mardle und diverse andere „head of departments“, Agnes Towler, die eine ganze Weile lang zwischen ihren Gefühlen für Victor Colleano und Henri Leclerc hin- und hergerissen ist.

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Der erste Weltkrieg ist eine wichtige Epoche, in der Selfridge’s erneut für Erstaunen sorgt und neue Wege geht: Weil viele junge Männer in den Krieg ziehen (wollen), werden Frauen an ihrer Stelle für die anstrengende Arbeit in den Lager- und Verladeräumen eingesetzt – und nach dem Krieg, als die Arbeiter wieder zurückkehren, arbeiten Frauen und Männer Seite an Seite, jedenfalls für einige Zeit. Selfridge’s ist ein Vorreiter in vielen Dingen und seiner Zeit oft ein klein wenig voraus. Nichtsdestotrotz wird die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts wunderbar wiedergespiegelt und Shopping wird (indirekt) zu einem neuen Erlebnis auch für den Zuschauer, der ja solche Kaufhaus-Erfahrungen heutzutage eher weniger noch machen kann.

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Die Serie läuft aktuell auf ITV 1 in der dritten Staffel (jeweils Sonntags um 22 Uhr), am 22. Februar wird die fünfte Folge ausgestrahlt.

Zitate:
Not too neat and tidy. Pile them up! I want Treasure Island in here.

We are going to dazzle the world.

It might be my name on the door. But behind that door, you are the ones that matter.

British Drama – The Musketeers

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Ganz große Liebe – das sind auch The Musketeers. Erneut eine BBC-Serie, deren 1. Staffel 2014 einschlug wie eine Bombe. Vermutlich aus diesem Grund läuft aktuell bereits die 2. Staffel: Freitags 22 Uhr (deutsche Zeit) auf BBC 1 (übermorgen läuft die fünfte von zehn Folgen).
„The Musketeers“ beruht nicht direkt auf den Erzählungen von Alexandre Dumas, nimmt aber deren Geist auf, wie die BBC schreibt. Selbstverständlich sind alle „wichtigen“ Personen vorhanden: Die vier Musketiere, Aramis, Athos, Porthos und d’Artagnan, Captain Tréville, der die Musketiere befehligt, Kardinal Richelieu, Milady de Winter sowie König Louis XIII und Königin Anne.

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Wie sich das für die Musketiere gehört, gibt es viele Kämpfe und andere Scharmützel (für meinen Geschmack z.T. ein wenig zu viele), aus denen selbstverständlich immer die Musketiere siegreich hervorgehen. In jeder Folge steht einer der Vier besonders im Vordergrund, in der Regel, weil er sich, wissentlich oder unwissentlich, in Schwierigkeiten bringt. Die anderen Drei setzen alles daran, den Namen des Freundes reinzuwaschen und ihn zu befreien. Also getreu dem Motto „Einer für alle, alle für einen“.

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Was mich an dieser Serie so überzeugt, sind, ich muss es einfach so nennen, diese tollen Männer! (Und ich gehe davon aus, dass der grandiose Erfolg der Serie zum größten Teil diesem Umstand geschuldet ist). Aramis und d’Artagnan sind sehr, sehr ansehnlich, noch dazu klug, charmant und eben wahre Gentlemen.

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Athos ist mehr so der geheimnisvolle Typ: Der Zuschauer weiß, dass er mal mit Milady de Winter verheiratet war, eine Tatsache, die ihn immer wieder mal in Schwierigkeiten bringt, seine Kumpanen haben davon jedoch keinen Schimmer.

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Porthos ist ein bärenstarker, durch und durch ehrenvoller und loyaler Mann, der es aus der alleruntersten Schicht stammend bis zu einem Musketier gebracht hat. Keiner der Vier zweifelt an einem der anderen, egal, welcher Verdacht gerade im Raum steht, und der Zusammenhalt ist wohl ihre größte Stärke.

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Dazu kommen aber auch noch ein gewisser Witz, Frauen, die ihren männlichen Gegenparts mehr als ebenbürtig sind, ein unfähiger König, der Kardinal und seine Rote Garde bzw. Rochefort in der 2. Staffel als Gegenspieler der Musketiere, gute „Storylines“ und all das sorgt für wirklich runde Folgen und sehr gute Unterhaltung.

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Zitate:
Milady de Winter: Musketeers don’t die easily.

d’Artagnan: I’m looking for Athos.
Athos: You’ve found him.
d’Artagnan: Prepare to fight, one of us dies here.
Aramis: Now, that’s the way to make an entrance.

Athos: Nothing more we can do for him.
Porthos: No point in all of us getting arrested.
Aramis: He knows the Musketeer motto: Every man for himself!

All for one. And one for all.