Les Misérables auf der Freilichtbühne Tecklenburg

Der Besuch auf der Freilichtbühne in Tecklenburg liegt jetzt schon über einen Monat zurück und eigentlich könnte ich mir diese Rezension jetzt auch schenken, denn damit kann ich jetzt auch niemanden mehr dazu bewegen, sich die Produktion anzuschauen – denn natürlich ist die Freilicht-Saison schon lange vorbei. Nichtsdestotrotz möchte ich dennoch wenigstens einige Zeilen schreiben und einige Eindrücke festhalten. „Les Misérables auf der Freilichtbühne Tecklenburg“ weiterlesen

Vom Fasten, gesunder Ernährung und warum Schokolade eben doch dazu gehört

Sie ist jetzt schon wieder einige Wochen her und über der ganzen Osterschokolade und dem Konfirmationsessen der letzten Zeit schon wieder fast vergessen: Die Fasten- oder Passionszeit, die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag, in denen ich versucht habe, nix Süßes zu essen. Keine Schokolade, keine Kekse, keinen Kuchen. „Vom Fasten, gesunder Ernährung und warum Schokolade eben doch dazu gehört“ weiterlesen

Instagram

Kürzlich hatten wir am Mittagstisch eine interessante Diskussion. Über Instagram. Ich bin (oder sollte ich mittlerweile sagen, war?) ein großer Fan und Freund von Instagram. Der jüngste Bruder ist dort auch vertreten, hat aber eine völlig andere Nutzungs- und Herangehensweise als ich. Dritte in unserer Diskussionsrunde war unsere Mutter. „Instagram“ weiterlesen

Bitte nicht in Echtzeit.

Im vorletzten Spiegel (ich hänge mit dem Lesen ein wenig hinterher), 18/2015, findet sich gegen Ende ein Essay von Sascha Lobo. „Wie das Live-Streaming den Journalismus verändert“, wird es im Inhaltsverzeichnis betitelt, „Wir Live-Gläubigen“ lautet die Überschrift.

Lobo, Buchautor und Blogger, befasst sich in diesem Essay mit den Apps Meerkat und Periscope, mit denen Nutzer live Videos in’s Netz streamen können, samt Ankündigung derselben auf Facebook und Twitter. Zuschauer können ebenso live Kommentare zum Video abgeben, die dann neben dem Live-Bild angezeigt werden. Diese Apps sind laut Lobo die aktuelle Stufe des Onlinejournalismus, einer „Live-Gläubigkeit“, die auch den Journalismus beherrsche.

In seinem Essay geht Lobo auf die Geschichte dieser Apps ein, erläutert auch das Verhalten vor allem jüngerer Smartphone-Nutzer, die „eine Trennung als Amputation“ empfinden. Der wirklich interessante Teil beginnt eigentlich erst gegen Ende des Artikels und legt den Fokus auf die ‚Echtzeit‘ bzw. das ständige Verlangen des Publikums nach immer neuen Informationen – besonders augenscheinlich in Krisensituationen und bei unvorhergesehenen Ereignissen, wie zuletzt dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs über den französischen Alpen.

In einer beschleunigten Gesellschaft kann sich jeder mit Zugang zum Internet seine Informationen selbst zusammen suchen. Wenn alle verfügbaren Informationen aufgenommen wurden, entsteht ein „Informationsvakuum“, das von Journalisten zunächst mit verfügbaren relevanten, später vefügbaren irrelevanten und schließlich mit nichtverfügbaren Informationen gefüllt werden. Weil die Gier nach Nachrichten und Informationen größer ist und schneller wächst als sachliche, richtige Informationen herbeigeschafft werden können, wird letztlich „Vermutungsjournalismus“ betrieben, Sensationsjournalismus, in dem jeder kleinste Strohhalm hergenommen wird, um eine Verbindung zu dem Ereignis herzustellen.

Live-Streaming Apps wie Meerkat und Periscope und ihre systematische Einbindung beispielsweise bei Youtube oder Facebook könnten die Medienwelt noch einmal beschleunigen und „Hintergrundwissen durch rohe Live-Information“ ersetzen, schreibt Lobo. Das ist sicherlich ein logischer Schluss – denn in einer Gesellschaft, in der immer mehr Nachrichten immer schneller herangeschafft werden sollen, um das Informationsbedürfnis des Publikums zu befriedigen, ist schlicht keine Zeit für Recherche, Beurteilung und Einordnung von Informationen – eigentlich eine der wichtigsten Aufgaben von Medien. Dann ist die Informationsflut groß, der Mehrwert klein und das Verständnis geht gen Null.

Die Frage, die sich mir dabei stellt, ist jedoch: Warum machen die Medien da mit? Das mag jetzt herrlich doof und naiv klingen. Aber wenn die Medien, jedenfalls der Teil, der den Anspruch hat, qualitativ und seriös zu arbeiten, die Schraube zurückdrehen und in dem Wahnsinn von Eilmeldungen und Live-Informationen drei Gänge zurück schalten, um mit etwas Abstand qualitativ bessere, wertvollere und vor allem korrekte Informationen zu liefern – kann man dann nicht auch diese Entwicklung wieder zumindest ein Stück weit zurückdrängen? Wenn man sich weigert, Vermutungen und Spekulationen zu verbreiten und stattdessen mit journalistischer Sorgfalt Informationen prüft, bevor man sie an die Öffentlichkeit weitergibt – merkt dann nicht vielleicht auch das Publikum, womit es besser bedient ist?

Muss man als Zeitung, als Verlag, als Journalist, zwingend mitmachen in der „weißglühende[n] Turbine der Nachrichtenhysterie in sozialen und redaktionellen Medien“, weil man sonst sein Publikum unwiederbringlich verliert – oder kann man sich davon nicht auch frei machen und einen Schritt (oder zwei oder drei) zurück machen zu einem Journalismus, in dem Qualität vor Quantität steht und in dem es nicht in erster Linie um Live-Informationen, sondern um richtige (und ethisch vertretbare) Nachrichten geht?

In Lobos Essay klingt es, als wäre alles schon verloren. Wenn Meerkat und Periscope oder andere Apps derselben Art sich flächendeckend durchsetzen, können wir den Qualitäts-Journalismus abschreiben. „Wir verstehen dann, vom Ticker begleitet, vielleicht nicht mehr, was wir sehen. Aber immerhin in Echtzeit.“ – Wirklich? Vielleicht ist es tatsächlich naiv, aber ich glaube, dass es auch noch einen anderen Weg gibt. Allerdings ist es dafür notwendig, dass die Medien erkennen, wo die Lücke klafft zwischen dem, was allgemein als guter Journalismus bezeichnet wird, und dem, was zu häufig schon praktiziert wird. Dem Publikum wird man die Sucht nach allzeit neuen Informationen nicht mit einem Schlag austreiben können. Aber die Medien können sich davon frei machen, ihrem Publikum jederzeit die neuesten Bilder von der Unglücksstelle zu liefern, das aktuellste Update zu machen zu einem Ereignis, bei dem sich in der letzten halben Stunde nichts signifikant verändert hat. Können ihren Zuschauern und Lesern Vermutungen und Spekulationen ersparen und stattdessen Zeit in Recherche und Hintergrundinformationen investieren.

Wenn nichts verfügbar ist, mit dem die Sucht gestillt werden kann, dann ist das vielleicht ein kalter Entzug – aber ein notwendiger. Jedenfalls, wenn man die Live-Gläubigkeit eindämmen und die Qualität journalistischer Arbeit neu hervorheben will. Die Entwicklung, durch die Lobo die „journalistische Suche nach der Wahrheit“  bedroht sieht, können nur eben diese Journalisten und ihre Medien aufhalten.

Die unendliche Geschichte vom Bau eines Einkaufszentrums

In zentraler Lage in der Innenstadt gab es früher mal das Magnus-Kaufhaus, in dem man so ziemlich alles kaufen konnte, was man auch nur irgendwie gebrauchen könnte. Einen Friseur gab es da auch, bei dem es immer kleine Kirsch-Lollies gab, wenn man wieder ging, und ein Café, in dem wir ab und an mal einen Kakao getrunken haben, wenn wir mit Mama in der Stadt waren. Das Kaufhaus ging 2003 insolvent, einige Jahre wurde das Gebäude noch als Outlet-Center genutzt, bis es wegen Asbest schließlich abgerissen werden sollte. Das war 2009. Das ’sollte‘ ist wichtig in diesem Zusammenhang, denn tatsächlich fand der Abriss erst 2011 statt.

Nun gut, nachdem viele verschiedene Pläne und Konzepte verworfen worden waren, die Stadt sich geweigert hatte, das Gelände zu kaufen, wurde 2009 ein Käufer für das Gelände gefunden, der dort ein Top Center mit verschiedenen Einzelhändlern bauen wollte. Man beachte auch hier das ‚wollte‘. Eröffnung Ende 2010 – verstrichen. Beendigung des Neubaus Mitte/Ende 2011 – verstrichen. November 2011: Media Markt soll Ankermieter werden, das Einkaufszentrum Weihnachten 2012 eröffnet werden – verstrichen. Der Baubeginn hinge von der Vermietungsquote ab, hieß es. Anfang 2014 wurde ein neuer Ankermieter gefunden und auch ein Café sollte einziehen.

Und jetzt? Jetzt sieht das Gelände noch immer mehr oder weniger aus wie direkt nach dem Abriss 2011. Seit Jahren blickt man, wenn man im südlichen Teil der Innenstadt unterwegs ist, unweigerlich auf Bauzäune, hinter denen in dieser Zeit wenig bis gar nichts passierte. Und gestern dann die Nachricht, dass der Ankermieter abgesprungen und die Verträge aufgelöst worden seien. Kein Wunder, wenn man als Modehaus nicht planen kann, wann man denn nun tatsächlich in das Einkaufszentrum einziehen kann.

Das Drama geht also weiter. Eine derartig große, brach liegende Fläche, umringt von Bauzäunen, deretwegen aktuell auch noch die Parkplätze ringsherum gesperrt sind, sieht zum einen schlicht nicht schön aus – zum anderen beklagen umliegende, zumeist kleinere, inhabergeführte Geschäfte schon seit einiger Zeit Umsatzeinbußen bzw. einen Kundenrückgang. Und die Hoffnung, mit einem Top Center als Kundenmagnet wieder mehr Leben in diesen Teil der Stadt zu bringen, ist wohl bei vielen mittlerweile gänzlich erloschen.

Die Stadt redet sich fein raus, sie sei nicht der Eigentümer des Geländes und sie könne dem Eigentümer auch keine Vorschriften machen, wann was zu passieren habe. Die Stadt hat sich aber zuletzt auch im Streit um die Neugestaltung des Christus-Kirchplatzes schon nicht mit Ruhm bekleckert, als sie der Kirchengemeinde, immerhin Eigentümerin des Platzes, vorschreiben bzw. verbieten wollte, diesen für eigene Veranstaltungen jederzeit als Parkplatz nutzen zu können – woran letztlich die Gespräche zwischen Kirche und Stadt und die Umgestaltung des Platzes scheiterten.

Dafür gibt es in der Stadt ja jetzt die Nordstadt-Arkaden – die gar nicht wirklich in der Innenstadt liegen und daher, so finde ich, zum „Shoppen“ (bei dm, Takko oder Expert) eher ungünstig liegen – und einige Straßen sowie der Obere Markt wurden mit neuen, hellen Pflastersteinen versehen, die gar nicht schnell schmutzig geworden sind und bei Sonne auch überhaupt nicht blenden. (*Ironie aus*).

Zurück zum Magnus-Gelände: Das ursprünglich geplante Konzept mit Einzelhandelsobjekten sei nicht realisier- und finanzierbar gewesen, erklärte der Investor jetzt. Mittlerweile weiß ich persönlich gar nicht mehr, ob ich dort überhaupt ein neues Gebäude sehen möchte oder ob man nicht viel schneller und schöner eine Grünfläche bzw. einen kleinen Park dort hinsetzen könnte. Oder Wohnungen baut – seniorengerechte Wohnungen in zentraler Lage gibt es beispielsweise schon ein Stückchen dieselbe Straße hinauf und die wurden, soweit man weiß, sehr gut angenommen.

Dieses Video habe ich gefunden, als ich gestern ein wenig zu diesem Thema gegooglet habe. Dass das Video schon zwei Jahre alt ist, ist in diesem Fall tatsächlich völlig egal, denn es ist immer noch genauso aktuell wie damals. Dass auf diesem Gelände tatsächlich jemals noch irgendetwas gebaut wird, glaube ich, jetzt noch mehr denn je, erst dann, wenn ich das fertige Ding vor mir sehe.

Eine (ziemlich lange) Chronologie zu diesem Thema, die allerdings nur die Ereignisse bis Februar 2013 berücksichtigt, gibt es in diesem alten Artikel der IVZ zu lesen (nur zugänglich mit Anmeldedaten).

Mit dem Interviewpartner sprechen, nicht über ihn!

Dienstagabend, zwischen 22.15 Uhr und 22.30 Uhr. Das Pokal-Achtelfinale zwischen Dynamo Dresden und dem BVB, übertragen von der ARD, ist gerade zu Ende, der BVB hat mit zwei Toren von Ciro Immobile 2:0 gewonnen. Die obligatorischen Spielfeldrand-Interviews stehen an, als erster ist Immobile an der Reihe.

Immobile samt Dolmetscher, denn der Italiener ist erst seit dem Sommer bei Borussia Dortmund, niemand kann von ihm verlangen, jetzt schon Interviews auf Deutsch zu führen. Für Julia Scharf schien das aber Grund genug zu sein, gar nicht mit Immobile, sondern nur mit dem Dolmetscher Massimo Mariotti über Immobile zu sprechen.

Ja, Ciro Immobile ist hier und wir fragen direkt mal den Übersetzer: Es war so ein ganz anderes Spiel als gegen Schalke. Warum war es zunächst sehr hart, was man ja auch in seinem Gesicht sieht?“

Ich hab gedacht, ich seh und hör nicht recht, als ich das bemerkt habe. Tatsächlich schaut auch Mariotti ein wenig irritiert drein, bevor er dann die Frage, ich nehme mal an, nicht in der 3. Person, für Ciro in’s Italienische übersetzt.

Bei der zweiten Frage geht es genau so weiter: „War es für ihn eine besondere Genugtuung, dass er erst den Schlag von Hefele bekommt und der ihm dann unfreiwillig den Pass zum ersten Tor gespielt hat?“

Liebe ARD, liebe Sportschau, liebe Julia Scharf: Es ist in allerhöchstem Maße unhöflich und, finde ich zumindest, ganz schlechter Stil, einfach über jemanden zu sprechen, wenn der direkt daneben steht. Auch, wenn die Kommunikation über einen Dritten gehen muss, weil man keine gemeinsame Sprache spricht, kann man sein Gegenüber direkt und in der 2. Person ansprechen und darf es auch ruhig mal anschauen.

Zumal, was mir zunächst auch nicht so bewusst war, was ich aber nach dem Anschauen der Nachspielzeit bei BVBtotal festgestellt habe, Ciro durchaus so manche deutsche Frage versteht und ohne sie gedolmetscht zu bekommen direkt auf Italienisch auf sie antworten kann:

So vermittelt man aber jedenfalls wohl sicher kein herzlicheres und freundlicheres Bild des Deutschen. Das Interview war mindestens ein bisschen ungeschickt.

„Überleben im Alltag“ als Schulfach?

In der letzten Woche machte eine Schülerin aus Köln mächtig Furore – mit zwei Tweets, in denen sie beklagt, in der Schule nicht das zu lernen, was sie später im eigenständigen Leben wirklich braucht und wissen sollte.

https://twitter.com/nainablabla/status/553881334813560832

https://twitter.com/nainablabla/status/553883004893138945

Naina ist 17 und Schülerin in Köln. Mit diesen Tweets ist sie quasi über Nacht berühmt geworden – der erste Tweet wurde 24 000-mal geteilt (Stand: Mittwochabend) und mittlerweile hat sie 13 200 Follower auf Twitter – das schafft eine unbekannte Privatperson nicht mal so eben. Sogar Politiker beschäftigen sich jetzt mit dem Tweet und ihrer Forderung nach mehr „überlebensnotwendigem“ Wissen in der Schule.

Aber mal ehrlich: Dass man in der Schule Dinge lernt, die man später nicht mehr braucht, ist ja keine neue Erkenntnis. Ich habe in der Schule viel gelernt: Einiges davon war interessant und hat mir Spaß gemacht, anderes nicht, einiges hat mein Allgemeinwissen bereichert und vieles andere habe ich seit dem Abitur nie wieder wissen und/oder anwenden müssen. Aber wenn es danach geht, kann man sich die Oberstufe auf dem Gymnasium auch gleich sparen. Nicht umsonst enden Haupt- und Realschullaufbahnen nach der 10. Klasse. Da hat man alles wichtige auf Englisch und Französisch gelernt, kann sich auf Deutsch einigermaßen ausdrücken und beherrscht die Grundrechenarten sowie die Potenzrechnung und Wurzelziehen. Und nein, mehr braucht man nicht, im ganz normalen Alltag.
Aber wer auf ein Gymnasium geht, der sollte nicht erwarten, dort alltagstaugliche und praktische Dinge zu lernen, genauso, wie man auf einer Universität keine praxisnahen Veranstaltungen erwarten kann. Dafür sind überwiegend die Fachhochschulen zuständig und vorher eben bspw. Berufsschulen oder spezielle Gymnasien, wie das Wirtschaftsgymnasium.

„Nicht für die Schule lernt man, sondern für das Leben“. Wie oft Schüler wohl diesen Satz zu hören bekommen? Und natürlich kann man sich da fragen, wann im Leben man je wieder eine Gedichtsinterpretation auf Französisch machen muss. Wohl gar nicht, wenn man nicht grade Französisch-Lehrer oder Romanistik-Dozent werden möchte. Aber es geht auch viel weniger um das Lernen konkreter Dinge, sondern um das Lernen an sich. Das Gymnasium ist darauf ausgerichtet, seine Schüler zu befähigen, später ein Universitätsstudium absolvieren zu können. Dabei geht es nicht darum, Matrizen lösen zu können oder möglichst viele Geschichtsdaten auswendig zu kennen. Sondern den Intellekt anzuregen und auszubilden, um sich dann selbstständig andere Dinge erschließen zu können.

Und dazu gehören eben auch so Alltagsdinge wie Steuern, Miete oder Versicherungen. Wobei ich fünf Jahre älter bin als Naina und von Steuern immer noch keine Ahnung habe. Warum? Weil ich das noch gar nicht muss. Als Student muss man nämlich gar keine Steuern zahlen. Ich habe diese praktischen Dinge auch nicht in der Schule gelernt. Aber ich bin bisher immer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gegangen. Bei uns wird sowas auch mal beim Essen am Küchentisch in der Familie diskutiert. Dann bin ich in eine schon bestehende WG gezogen und musste mich auch erstmal um nix kümmern. Dann habe ich diese WG quasi übernommen und musste das dann doch tun – aber nicht auf mich allein gestellt, denn meine Eltern haben mich unterstützt. Haben mit mir Strom- und Gasversorger ausgewählt, mit mir eine Hausrats-Versicherung abgeschlossen. Online-Banking habe ich von und mit ihnen gelernt (schon viel früher), Kochen und Waschen, Putzen und Bügeln kann ich auch – ohne dass ich darin je Unterricht gehabt hätte. Es kam einfach so.

Learning by doing und lernen mit Unterstützung der Eltern. Man bekommt doch so viele Dinge ganz nebenbei einfach mit. Und ansonsten finde ich schon, dass man von einem Abiturienten verlangen kann, sich selbst über Dinge, von denen er noch nichts weiß, zu informieren. Zu erwarten, dass einem die Schule das abnimmt, dass man es dort in Unterrichtsform präsentiert bekommt, finde ich dagegen eher fast schon anmaßend. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Eigeninitiative kann man doch wohl verlangen. Zumal ich gar nicht weiß, wo man, wo Schüler jetzt schon z.T. bis zu 36 Stunden pro Woche in der Schule verbringen und für Hobbys schon fast keine Zeit mehr bleibt, das noch im Lehrplan unterbringen soll.

Natürlich wird das jetzt auch seitens der Medien zu einem großen Thema gemacht. Spiegel Online bspw. hat „Schüler gefragt, was ihnen im Unterricht fehlt“. Als ich den Artikel gelesen habe, musste ich mich leider fremdschämen. Diese Schüler gehören mehr oder weniger meiner Generation an, wissen aber mit 17 oder 18 Jahren noch nicht, was IBAN und BIC sind oder wie man (online) eine Überweisung tätigt, kennen den Unterschied von EC- und Kreditkarte nicht, können nicht mit Geld umgehen und wollen all das im Unterricht lernen, fordern zusätzlich, dass die Schule sie bei „wichtigen Entscheidungen zur beruflichen Laufbahn“ unterstützt. Himmelherrgottnochmal, ich bin manchmal auch ganz schlecht im Entscheidungen treffen – aber ich weiß, dass mir das keiner abnehmen kann und ich erwarte das auch gar nicht! Wenn man diesen Artikel liest, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass diese Generation (ich will von ihr nicht als „meine“ Generation denken!) nicht zwingend dumm, sondern schlichtweg faul und zu bequem ist, ein wenig Eigeninitiative zu zeigen und sich zu informieren über Dinge, die man für wichtig zu wissen hält. Weil es natürlich viel bequemer ist, das in komprimierter Form in der Schule vorgesetzt zu bekommen.

Ja, Schule muss viel. Schule tut auch viel. Und genauso viel kann man an unserem Schulsystem auch kritisieren. Aber in diesem Fall geht mir das zu weit: Spätestens in der Oberstufe eines Gymnasiums sollten Schüler in der Lage sein, sich solches Alltagswissen, auf welche Weise auch immer, selbst zu beschaffen – was doch vor allem heute im Zeitalter des Internets so einfach ist wie noch nie. Unsere Eltern haben das auch nicht in der Schule gelernt und trotzdem haben sie’s wohl irgendwie hinbekommen. Ohne selbst Entscheidungen zu treffen, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen und ohne vielleicht auch mal Fehler zu machen, kommt man nicht durch’s Leben. Und ja, das fängt schon in der Schulzeit an. Wem das jetzt schon zu viel ist, dem ist wohl schlicht nicht mehr zu helfen.